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Aga T. Korhonen

Als vorerst einziger weiblicher Part im Autorentrio hat Aga T. erfolgreich die Besetzungscouch durchlaufen. Aufgewachsen in Helsinki verbindet sie die finnische Zurückhaltung mit dem kosmopolitischen Weitblick. Die Unbeschwertheit der langen Sommernächte mit der Melancholie der dunklen Wintertage. Den Genüssen des Lebens nicht abgeneigt, den seelischen Abgründen zugeneigt. Ihre Leidenschaft ist das Reisen in ferne Länder, Literatur in den eigenen vier Wänden, das Kochen für gute Freunde sowie das Philosophieren bei einer guten Flasche Wein.

Aga T. Korhonen
aga@daumenschraube.ch

Aga T. Korhonens Artikel:


Berlusconis Welt

Die medialen Glanzleistungen des Silvio Berlusconi sind momentan wieder einmal nicht zu übertreffen. Zuerst schreit er beim offiziellen Empfang  ganz nach italienischer Manier die Queen an. Am nächsten Tag lässt er vor laufenden Fernsehkameras die Merkel bei der Begrüssung im Regen stehen, weil er anscheinend noch ein wichtiges Gespräch mit dem türkischen Minister führen muss. Alles etwas seltsam aber nicht weiter tragisch. Den obdachlosen Erdbebenopfern die notdürftig erstellten Zeltlager als “Camping-Urlaub” schmackhaft machen, bringt jedoch das Fass zum überlaufen. Bravo, Signor Berlusconi, sie wissen, wie man trauernden Menschen das Glas als halbvoll verkauft!

Dass dieser Mann die Weisheit nicht mit dem Löffel gegessen hat und sich lieber um Fernsehsender, kurzfristige Gesetzesänderungen und undurchsichtige Gerichtsverhandlungen kümmert, ist hinlänglich bekannt. Ich schlage trotzdem vor, sich etwas weniger mit Schönheitsoperationen sondern vermehrt mit dem Wohl des Volkes zu beschäftigen. Oder am besten gleich abtreten.

Basta!




A little death around the eyes

Es gibt diese Momente im Leben, die dich kurz alles vergessen lassen. Ein Satz in einem Buch, der es wert ist, dick unterstrichen und unzählige Male hintereinander gelesen zu werden. Oder eine Zeile aus einem Song, die dich mitten ins Herz trifft und dich glauben lässt, sie sei alleine für dich geschrieben worden.

Heute hatte ich diese unerwartete aber nicht minder schöne Begegnung mit Peter Doherty.

Zugegebenermassen habe ich mich bis anhin nicht sonderlich mit diesem Junkie, Wrack, begnadeten Songschreiber befasst. Ich war mir nicht einmal sicher, ob der skandalgebeutelte Babyshambles Sänger in der Zwischenzeit irgendwo hinter schwedischen Gardinen weilt oder der stetige Heroinkonsum ihn bereits dazu brachte, die Rüeblis von unten anzusehen. Wie auch immer.

Jedenfalls stiess ich heute beim sonntäglichen surfen zwischen Information und Nonsense auf das erste Solo Album von Peter Doherty, Grace/Wastelands. Und was soll ich sagen? Es ist wunderbar, es ist poetisch, es berührt und immer noch berauscht vom gehörten würde ich mich wohl in meiner Euphorie auch noch zu Meisterwerk hinreissen lassen.

Wenn Drogen bei diesem Herrn solche kreativen Schübe hervorrufen, dann immer schön rein mit dem Heroin, Mr. Doherty.

Aga meint: Respect! ★★★★★




Fräulein Stamm

hübsches ding

hübsches ding

Welch erfrischende, wenn zugegebenermassen auch nicht fundiert recherchierte Meldung in Zeiten, in welchen Schweizer mit Indianern und deutsche Finanzminister mit Nationalsozialisten verglichen werden:

…Ulrich Schlüer von der Schweizer Volkspartei SVP sagte, er würde Steinbrück eher “einer Lümmelfraktion zuteilen als einer Regierung”. Seine Parteifreundin Luzi Stamm rief: “Shame on you, Bundesfinanzminister Steinbrück!

Fortsetzung folgt bestimmt…




Frauen, Nacktwanderer und andere Mysterien

Herzliche Gratulation, liebe Walliser/innen!

s'geit ambrüf

s'geit ambrüf

Ihr habt es doch noch geschafft, eines dieser unberechenbaren und subtilen Wesen, unter Fachleuten auch unter dem schwierigen Begriff “Frau” bekannt, in die Regierung zu wählen. Also um genau zu sein, ist sie ja nicht direkt gewählt worden, sondern flott nachgerückt. Aber das sind angesichts des wahrhaftig historischen Moments nur noch Feinheiten auf dem Papier.

Also ich finde das schampar gewagt. Eine Frau die nun aktiv mit- und dreinreden darf und dann erst noch eine Linke. Aiaiai, habt ihr euch das gut überlegt? Da werden plötzlich Begriffe wie Gleichberechtigung, Emanzipation und – achtung, ganz böse – Registrierung von gleichgeschlechtlichen Partnerschaften fallen. Und das in dieser heilen Bergwelt wo bis anhin selbst die Familiennamen übersichtlich blieben.

Aber keine Angst, liebe Männer, ihr schafft diesen Fortschritt. Bei viel Geduld und etwas gutem Zureden lässt sich bald erkennen, dass das weibliche Wesen tatsächlich über Gehirnfunktionen verfügt, welche das Speichern von Kochrezepten und der Terminologie der diversen Reinigungsutensilien durchaus übersteigen können.

Und falls ihr doch einmal insgeheim die gute alte Zeit der Männerbastion zurücksehnt, stehen euch die Appenzeller sicherlich mit Rat und Tat zur Seite: von der Landsgemeinde zu den Nacktwanderern, das nenn ich revolutionär, da ist doch eine Frau in der Regierung noch das kleinere Übel.




Jetzt gehts aufwärts…

Charmebolzen

Charmebolzen

…oder wer wäre wohl besser geeignet, den UBS-Karren aus dem Dreck zu ziehen als der Herr Grüsel Grübel?  Dieses sympathische Zwänzg-ab-Achti Mäulchen, dünkt mich, lässt doch die Fehlinvestitionen und Milliardenverluste subito vergessen und optimistisch in die Zukunft schauen. Da kommt wieder Vertrauen auf und man möchte diesem Mann das Batzeli am liebsten persönlich in die Hand drücken. 

Also auf, liebe Leute, es ist an der Zeit eure Geldsäcke unter dem Kissen zu befreien und husch, husch zur nächsten UBS-Filiale zu bringen.

Oder können diese Augen lügen?




Aber, aber…

Ja, liebe/r BZ Redaktor/in, da muss wohl das Orthographie Semester nochmals wiederholt werden. Ist aber auch ein schampar langer Artikel…




Spassbremsen

Brazil is calling!

Eine lüpfige Sambamelodie im Kopf und im Geiste schon den Rucksack am packen, gratulierte ich mir zu dem Entschluss, auch dieses Jahr wieder unbezahlten Urlaub zu beziehen und mein Kusinchen in Brasilien zu besuchen. Manchmal habe ich echt gute Ideen.

Ausnahmsweise konnte mir an diesem Tag nicht einmal der vor sich hin stinkende Sitznachbar im Bus meine gute Laune nehmen. Und das will etwas heissen. Im Normalfall können mir – im Gegensatz zum lieben Dschango – solche vermaledeiten Körperausdünstungen aber sowas von den Tag vermiesen…

Die Freude über meine Pläne wurden jedoch bereits am nächsten Tag getrübt, als sich morgens zwei E-Mails von besorgten Familienmitgliedern mit Links zu den EDA-Sicherheitshinweisen in meinem Postfach fanden. Dass ich nicht bereits beim lesen dieser erschossen wurde, grenzt an ein Wunder. Spätestens beim Besteigen des Flugzeuges muss ich mich dann wohl langsam mit dem Gedanken abfinden, mich endgültig von der Welt zu verabschieden. Ja, schön wars…

Ist ja putzig, wenn sich Mitmenschen um einen sorgen. Aber meine Güte, ich flieg doch nicht in den Gazastreifen! Und ein Besuch in den Favelas ist auch nicht vorgesehen. Also, calm down, tudo bem.




Yoga und andere Vorurteile

Ja, ich habe mich gesträubt, geziert und mich lustig drüber gemacht: Yoga ist was für Wollpullis tragende Veganer/innen. Solche, die Batikkurse in der Toscana besuchen. Oder wahlweise im Jura. Müeslipickers, die zu faul zum Joggen sind – das geht ja schliesslich in die Knie. Kann man auch so schlecht mit homöopathischen Kügelis kurieren.

Aber irgendwann kam er, der Gruppendruck. “Was, Du hast noch nie Yoga gemacht??” Dieser Satz häufte sich in meinem Umfeld, stets verbunden mit einem leichten, ungläubigen die-Augenbrauen-hochziehen. Na gut, ihr habt es alle so gewollt, ich habe mich tatsächlich in die Höhle des Löwen gewagt. Sozusagen. Schliesslich kann man nur über etwas urteilen, das man auch ausprobiert hat. Das übliche Bla-Bla eben…

Natürlich fand ich mich nach wie vor viel zu cool – ein sehr uncooles Wort, ich weiss – für so was. Mein Ding ist das Konditionstraining, da muss alles schön rausgeschwitzt werden, die Trainingsklamotten müssen nass sein, die Lunge schmerzen und das Herz pumpen (danke der Nachfrage, gesundheitlich ist alles in Ordnung bei mir…).

power-yoga

Jedenfalls habe ich nun mein erstes Mal hinter mir. Ich habe sie alle gemacht, das Sonnengebet, den Pflug, den Hund, die Kobra und den Fisch – ja gar die Heuschrecke. Ich habe durch den linken Arm eingeatmet, um gleich wieder über das Brustbein durch den rechten Arm auszuatmen. Wie das funktioniert? Keine Ahnung, normalerweise mache ich das mit der Nase. Aber…es war gut!

Vor lauter Konzentration habe ich sogar vergessen, mich auf meine Mit-Yoga-Streiter zu achten. Aber ich glaube mich zu erinnern, dass ich keine Strickpullis gesichtet habe.

Mann, bin ich entspannt…und frei von Vorurteilen!




Shake it…

Shake it

Deutsche Sprache, schwere Sprache. Da gestaltet sich selbst der einfache Versuch, ein entspannendes Bad zu nehmen zu einem grammatikalischen Hürdenlauf. Aus “schütteln” und “umschütten” wird kurzerhand “umzuschütteln” – grossartig. Ja-ha, auch die Pharmaindustrie muss sparen!

Egal, einmal grosszügig in die heisse Wanne verteilt – und weg ist der Schüttelfrust Schüttelfrost…




Music for the jilted people

Also doch: es gibt sie noch, die Gutmenschen unserer Zeit. Menschen, die sich ganz uneigennützig und selbstlos um jene kümmern, die auf der Schattenseite des Lebens stehen. Oder wie lässt es sich sonst erklären, dass P. Diddy aka Puff Daddy aka….who cares…den Obdachlosen in New York zur Weihnachtszeit grosszügig iPods verteilte – nota bene ausschliesslich mit Songs von Mister Habdenbezugzurrealitätverloren.

Ja-ha, der Puffvater hat sich dabei schon was gedacht:

Wintermäntel? Viel zu konventionell, die trägt ja jeder entlang der 5th Avenue.

Essen? Keine gute Idee beim aktuellen Skinny Look. Da wäre ein Wohlstandsbäuchlein definitiv fehl am Platz.

Warme Schuhe? Nee, lass mal, die können eh nur eine Saison getragen werden.

Und da ja an jeder Strassenecke New Yorks Steckdosen zu finden sind, bei welchen die iPods auch wieder aufgeladen werden können, bietet sich dieses Geschenk natürlich absolut an.

Eine explosive Mischung aus unsagbarer Dummheit und miserablen PR-Beratern verbunden mit einer gehörigen Portion Realitätsverlust. Respekt…




Geschenke machen Freu(n)de

Der Countdown läuft, letzte Gelegenheit, sich zu überlegen, ob Weihnachten dieses Jahr wieder einmal aus Überzeugung boykottiert oder ob der wohlverdiente Bonus doch noch in ein Geschenk für die Liebsten investiert werden sollte.

So oder so: Geschenke machen Freu(n)de, deshalb hier noch einige Tipps für Kurzentschlossene:

1. Arto Paasilinna: Der wunderbare Massenselbstmord

Arto Paasilinna

Der ärgste Feind der Finnen ist die Melancholie: Trübsal, grenzenlose Apathie“.

Olli Rellonen will seinem Leben ein Ende setzen und verfasst eine Annonce in der Zeitung: “Denkst Du an Selbstmord? – Hab keine Angst, du bist nicht allein”. Es melden sich unerwartet viele Gleichgesinnte und kurzerhand wird ein Bus gemietet und die Truppe startet ihre Reise ohne Wiederkehr.

Ein grossartiges Buch, ernsthaft und humorvoll, feinfühlig und irrwitzig. Und ein erfrischender Kontrast zu der allgegenwärtigen penetranten Besinnlichkeit. Wer die skurrilen Antihelden bei Kaurismäki mag, wird Paasilinna lieben!

2. Vibratoraufsatz für Zahnbürsten

Tingle Tip

Für alle, die nicht genau wissen, ob es der Liebsten an Hygiene oder Befriedigung fehlt. Das ultimative Kombigerät, frei nach dem Motto: Heute basteln wir aus einer handelsüblichen Zahnbürste einen Vibrator.

Achtung: Eine unsachgemässe Anwendung kann zu unschönen Verletzungen führen!

Apropos: Ich würde wirklich gerne wissen, wer solche Sachen kauft – und benutzt. In diesem Sinne: Allfällige Erfahrungsberichte von Daumenschraubenleser/innen nehme ich gerne entgegen (aga@daumenschraube.ch)

3. Eine Fahrt ins Pfefferland

Oder alternativ ans Ende der Welt. Eine schöne Art, einem Menschen zu sagen, dass man auch im nächsten Jahr auf seine Anwesenheit verzichten kann. Aber aufgepasst: Mit der Vergabe solcher Reisegutscheine sollte sparsam umgegangen werden. Es könnte sonst ziemlich einsam werden!

In diesem Sinne: Ein frohes Fest oder wie es bei Aga heisst: Joulutervehdys!




Kuriositäten aus der Hauptstadt

Auf ins Getümmel, denke ich mir, und weiss bereits zu diesem Zeitpunkt, dass dies wohl eine, na ja, sagen wir mal nicht so blendende Idee ist. Aber dem Konsum muss gefröhnt und das Geld unter die Leute gebracht werden. Frei nach dem Motto: Wir trotzen der Finanzkrise!

Ein Warenhaus und unzählige Ellbogenstösse und kreischende Kinder später, breche ich das Experiment Einkauf resigniert ab. Überall Konsumopfer am Rande des Nervenzusammenbruchs. Egal, dann gibt es halt dieses Jahr wieder einmal keine Geschenke. Irgendwie werde ich meinem Patenkind schon beibringen, dass diese Konsumgüter viel zu wichtig genommen werden und Weihnachten nur eine Erfindung der Spielzeugindustrie ist.

Draussen sieht die Welt schon wieder anders aus. Es schneit in wunderbar grossen Flocken und ich fühle mich sofort zuhause. Aga, das alte Nordlicht, perkele!

Ich bleibe vor dem Bundeshaus stehen. Das Wahltheater ist vorbei und damit auch die vage Hoffnung, dass doch noch alles anders kommen könnte. Egal, es ist wie es ist. Und überhaupt. Wobei ich die Aussage vom Hanf-Ueli, “Frauen und Umwelt verursachen nur Aufwand und Kosten” ziemlich legendär finde. Solch ein weltoffener Zeitgenosse hat ja wohl nichts anderes verdient, als unser Land mitzuregieren! Wie wärs denn mit der Abschaffung des Frauenstimmrechts als nächster Schritt? Wird eh überbewertet…

Etwas weiter in der Innenstadt begegne ich schon der nächsten Grausamkeit: Alljährlich um diese Zeit bewaffnen sich die Heilsarmisten mit Gitarren und Triangel, schmieren ihre Stimmbänder, ziehen musizierend herum und den Leuten das Spendengeld aus der Tasche. Eine leichte Aggression macht sich in mir breit. Ich verweise auf die Strassenaktivitätenverordnung, Art. 3 Abs. 1 “Kulturelle Strassenaktivitäten dürfen nicht zu unzumutbaren Belästigungen führen…” Wenn diese Frömmler mal keine Belästigung darstellen, dann weiss ich auch nicht. Diese grinsen weiterhin von Gott erleuchtet und dümmlich vor sich hin. Oh du Fröhliche…

Ich habe genug, gehe nach Hause, lasse die Welt hinter mir, schliesse die Augen und konzentriere mich nur noch auf die Stimme von Sophie Hunger. Wunderbar.




Nuscheln am Sonntag

Nuschelalarm in der heutigen SonntagsZeitung: Ein typischer Fall von Alkohol am Arbeitsplatz? Man weisch esch nischt scho genau…

Grieschenland

Grieschenland




Wo ist Walter…äh…Axl?

Eine bizarre Meldung, auf welche man heute in diversen Online-Medien stösst: “Wo ist Axl Rose?”

Wanted!

Wanted!

Im ersten Moment dachte ich, es handle sich um ein lustiges Wimmelbildchen, mit welchem man sich eine Weile beschäftigen kann, bis man das Antlitz des bis zur Unkenntlichkeit gelifteten Altrockers gefunden hat. Aber nein, der Herr ist tatsächlich verschwunden – also so richtig weg – und das, trotz aktueller Veröffentlichung des neuen Albums “Chinese Democracy” (welch lustiges Wortspiel).

Ja gibts denn sowas? Da soll der doch das neue Album promoten und hat sich stattdessen so mir nichts dir nichts in Luft aufgelöst. Ich gehe ja stark davon aus, dass der Herr Rose auf spektakuläre Weise direkt aus der Schönheitsklinik entführt wurde und ihm nun in Fernost gezeigt wird, was dort unter dem Begriff Demokratie verstanden wird. Ihr wisst schon, ist bestimmt nicht angenehm. Um es mal vorsichtig auszudrücken.

Also, falls jemand sachdienliche Hinweise zum Aufenthalt der gesuchten Person machen kann: Der nächste Boulevardjourni ist für jede kleinste Information dankbar. Schliesslich muss auch der seine Brötchen verdienen.

Sachen gibts.




Daumenschraube des Monats (November 2008)

Nachdem die US-Wahlen nun endlich über die Bühne sind und die Zeitungen sich wieder anderen Themen widmen können, steht erneut das nächste Polittheater ins Haus: Die Bundesratswahl.

Wär ja an und für sich ein interessantes Thema, schliesslich wird wieder mal bestimmt, wer denn in den nächsten Jahren unser Land mitregieren soll. Leider überrascht es jedoch wenig, dass der selbsternannte und einzige Retter unseres Landes die ganze Angelegenheit einmal mehr zu einer Schmierenkomödie verkommen lässt: Christoph B. is back to save our kleine Schweiz. Er würde die Bürde auf sich nehmen und sehe in sich den einzig valablen Kandiaten für den freien Bundesratssitz (an dieser Stelle Applaus bitte für soviel Selbstironie!)

Obwohl mittlerweile selbst die Darsteller des Zürcher Flügels eingesehen haben, dass eine erneute Alleinkandidatur von Herrn B. aus H. im Parlament wohl möglicherweise nicht ganz so gut ankommen wird, gibt der Märtyrer selbst in jedem Interview trotzig zum Besten, dass er einen Auftrag zu erfüllen habe. 00Blocher mit der Lizenz zum Politisieren? Oder wie muss man das verstehen? Das sieht vielmehr danach aus, als ob da jemand nicht akzeptieren kann, dass seine Zeit abgelaufen ist.

Um eines vorweg zu nehmen: Die Wahlen, Herr Alt-Bundesrat Blocher, werden Sie nicht gewinnen, jedoch die Daumenschraube des Monats für soviel Uneinsichtigkeit! Ist doch auch was, oder? Und jetzt können Sie meinetwegen ganz still und leise in die Opposition oder zu Zottel in den Stall verschwinden. Der Schmierenkomödie letzer Akt hat für Sie begonnen und bald wird der Vorhang fallen.




Ein bisschen Mitleid bitte…

Gute Nacht!

Den armen Raser plagen nächtens anscheinend unsägliche Albträume, da wird kurzerhand mit dem Mami das schlechte Gewissen weggekuschelt.

Ts, ts, wer konnte denn auch ahnen, dass das Nichtbeherrschen des Fahrzeugs, massiv überhöhte Geschwindigkeit, zuviel Testosteron und Selbstüberschätzung zu einem solch tragischen Unfall führen könnte!

Da bleibt einem doch glatt die Züpfe im Hals stecken…




Junge, Junge…

Aus der Reihe:

Agamobil


Eigentlich bin ich davon ausgegangen, dass der Begriff metrosexuell ein alter Hut sei, seit David Beckham für sich beschlossen hat, wieder ein ganzer Kerl zu sein. Und das ist auch gut so. Also nicht, was dieser Spasti beschliesst, sondern dass dieser ich-bin-auch-eine-Frau-Trend etwas nachlässt.

Heute morgen also wurde ich wieder einmal eines Besseren belehrt. Soll vorkommen. Jedenfalls traf ich im Bus auf ein Individuum, welches mir bereits frühmorgens trotz – oder gerade wegen – grosser Müdigkeit einen gewaltigen Lachkrampf beschert hat. Da steht doch so ein Kerlchen vor mir mit rosa Lacoste Shirt Marke “Habsch-gekauft-in-Türggei”, weisser Jacke mit putzigem Fellkragen, goldigen Schühchen und den ganz widerlichen Bling-Bling-Dingens im Ohr. Das war ja alles schon sehr amüsant. Aber der Knüller war wirklich das wunderbare Vokuhila-Frisürchen, mit neckischen Mèchesträhnchen. Diese äusserst feminine Fussballerfrisur (oder sollte ich besser sagen dieses Verbrechen?) war schon früher in Kombination mit Schnauz und dünnem Lederkrawättchen nicht zu ertragen und das Tragen derselben sollte unter Höchststrafe stehen!

Ach, liebe Männer, ihr habts nicht einfach mit uns Frauen: Mal sollt ihr sensibel sein, mal ganze Kerle, mal zuhören können, mal eine starke Schulter zum anlehnen bieten, mal sanft, mal leidenschaftlich. Das kann durchaus etwas verwirrend sein. Lasst euch gesagt sein, ihr seid wunderbar. Aber bitte: Überlasst Kleider in Pastelltönen, Strähnchen im Haar und Kajal einfach uns Frauen. Und vergesst, dass der Begriff metrosexuell je existiert hat…


Bisher in Agamobil erschienen:
  1. Junge, Junge…
  2. Erziehung mal anders
  3. Zuggeschichten




Winter Song

Es gibt Songs, die zaubern ein Lächeln aufs Gesicht, die trotzen der Finanzkrise, lassen den Schnee schmilzen, kümmern sich nicht um nicht erhaltene Konzessionen, sind einfach da und verzaubern. Da wird einem warm ums kalte Winterherz. Deshalb: Kaffeemaschine angeschmissen, ab aufs Sofa, Volumen aufgedreht, “Fix it” reinziehen und Schande über jeden, der diesen fantastischen Künstler des Namens wegen mit Bryan Adams verwechselt…




Bildungsauftrag nicht ganz erfüllt

aua

Mein Lieblingssatz der Woche, aufgeschnappt beim gemütlichen durchzappen:

Ich ging nach Gabi, dem Helmut seine Frau, die wo noch immer meine Nachbarin ist“.

Respekt! Kein Wunder kräuselts da dem Herrn Reich-Ranicki die Zehennägel…




Genug gespielt

Da titelt doch der Bund vom Montag mit folgender Schlagzeile: “2011 ist Irak-Krieg zu Ende”.

Na, das ist doch mal eine Ansage, ein einwandfreies Termingeschäft sozusagen. Da haben die Amis wohl keine Lust oder kein Geld mehr (ein Hurra auf die allgegenwärtige Finanzkrise) und meinen, och nö, genug gespielt und zerstört im Irak, lasst uns mal in drei Jahren das kriegerlen beenden. Von einem Abkommen ist die Rede, gemäss welchem die letzten Soldaten den Irak verlassen sollen, “sofern die Lage dies zulässt“.

Da reibt sich der Laie erstaunt die Augen und denkt wohl berechtigterweise, ausser Spesen nix gewesen: Osama verbreitet weiterhin fröhlich seine Videobotschaften und der irakischen Bevölkerung geht es wohl kaum besser, seit der Herr Hussein aus dem Erdloch geborgen wurde und medienwirksam dem Galgen zum Opfer fiel. Da nützt es auch nichts, dass dieser Galööri, formerly known as Tschortsch Dabeliu, nach wie vor die in den sinnlosen Krieg investierten Milliarden und die unzählig geopferten Soldaten vehement verteidigt.

Der Ausgang der Geschichte ist wohl schon jetzt klar: Westliche Firmen werden sich eine goldene Nase beim Wiederaufbau verdienen während sich die Schiiten weiterhin mit den Sunniten blutig bekämpfen. Ach ja, und  die Individualreisenden und Katastrophentouristen werden bald den Irak als neue Trenddestination entdecken, nachdem Afghanistan mittlerweile schon wieder zu kommerziell ist, seit es eine eigene Rubrik im Lonely Planet erhalten hat…

Poor world.