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Aga T. Korhonen

Als vorerst einziger weiblicher Part im Autorentrio hat Aga T. erfolgreich die Besetzungscouch durchlaufen. Aufgewachsen in Helsinki verbindet sie die finnische Zurückhaltung mit dem kosmopolitischen Weitblick. Die Unbeschwertheit der langen Sommernächte mit der Melancholie der dunklen Wintertage. Den Genüssen des Lebens nicht abgeneigt, den seelischen Abgründen zugeneigt. Ihre Leidenschaft ist das Reisen in ferne Länder, Literatur in den eigenen vier Wänden, das Kochen für gute Freunde sowie das Philosophieren bei einer guten Flasche Wein.

Aga T. Korhonen
aga@daumenschraube.ch

Aga T. Korhonens Artikel:


Jetzt gehts aufwärts…

Charmebolzen

Charmebolzen

…oder wer wäre wohl besser geeignet, den UBS-Karren aus dem Dreck zu ziehen als der Herr Grüsel Grübel?  Dieses sympathische Zwänzg-ab-Achti Mäulchen, dünkt mich, lässt doch die Fehlinvestitionen und Milliardenverluste subito vergessen und optimistisch in die Zukunft schauen. Da kommt wieder Vertrauen auf und man möchte diesem Mann das Batzeli am liebsten persönlich in die Hand drücken. 

Also auf, liebe Leute, es ist an der Zeit eure Geldsäcke unter dem Kissen zu befreien und husch, husch zur nächsten UBS-Filiale zu bringen.

Oder können diese Augen lügen?




Aber, aber…

Ja, liebe/r BZ Redaktor/in, da muss wohl das Orthographie Semester nochmals wiederholt werden. Ist aber auch ein schampar langer Artikel…




Spassbremsen

Brazil is calling!

Eine lüpfige Sambamelodie im Kopf und im Geiste schon den Rucksack am packen, gratulierte ich mir zu dem Entschluss, auch dieses Jahr wieder unbezahlten Urlaub zu beziehen und mein Kusinchen in Brasilien zu besuchen. Manchmal habe ich echt gute Ideen.

Ausnahmsweise konnte mir an diesem Tag nicht einmal der vor sich hin stinkende Sitznachbar im Bus meine gute Laune nehmen. Und das will etwas heissen. Im Normalfall können mir – im Gegensatz zum lieben Dschango – solche vermaledeiten Körperausdünstungen aber sowas von den Tag vermiesen…

Die Freude über meine Pläne wurden jedoch bereits am nächsten Tag getrübt, als sich morgens zwei E-Mails von besorgten Familienmitgliedern mit Links zu den EDA-Sicherheitshinweisen in meinem Postfach fanden. Dass ich nicht bereits beim lesen dieser erschossen wurde, grenzt an ein Wunder. Spätestens beim Besteigen des Flugzeuges muss ich mich dann wohl langsam mit dem Gedanken abfinden, mich endgültig von der Welt zu verabschieden. Ja, schön wars…

Ist ja putzig, wenn sich Mitmenschen um einen sorgen. Aber meine Güte, ich flieg doch nicht in den Gazastreifen! Und ein Besuch in den Favelas ist auch nicht vorgesehen. Also, calm down, tudo bem.




Yoga und andere Vorurteile

Ja, ich habe mich gesträubt, geziert und mich lustig drüber gemacht: Yoga ist was für Wollpullis tragende Veganer/innen. Solche, die Batikkurse in der Toscana besuchen. Oder wahlweise im Jura. Müeslipickers, die zu faul zum Joggen sind – das geht ja schliesslich in die Knie. Kann man auch so schlecht mit homöopathischen Kügelis kurieren.

Aber irgendwann kam er, der Gruppendruck. “Was, Du hast noch nie Yoga gemacht??” Dieser Satz häufte sich in meinem Umfeld, stets verbunden mit einem leichten, ungläubigen die-Augenbrauen-hochziehen. Na gut, ihr habt es alle so gewollt, ich habe mich tatsächlich in die Höhle des Löwen gewagt. Sozusagen. Schliesslich kann man nur über etwas urteilen, das man auch ausprobiert hat. Das übliche Bla-Bla eben…

Natürlich fand ich mich nach wie vor viel zu cool – ein sehr uncooles Wort, ich weiss – für so was. Mein Ding ist das Konditionstraining, da muss alles schön rausgeschwitzt werden, die Trainingsklamotten müssen nass sein, die Lunge schmerzen und das Herz pumpen (danke der Nachfrage, gesundheitlich ist alles in Ordnung bei mir…).

power-yoga

Jedenfalls habe ich nun mein erstes Mal hinter mir. Ich habe sie alle gemacht, das Sonnengebet, den Pflug, den Hund, die Kobra und den Fisch – ja gar die Heuschrecke. Ich habe durch den linken Arm eingeatmet, um gleich wieder über das Brustbein durch den rechten Arm auszuatmen. Wie das funktioniert? Keine Ahnung, normalerweise mache ich das mit der Nase. Aber…es war gut!

Vor lauter Konzentration habe ich sogar vergessen, mich auf meine Mit-Yoga-Streiter zu achten. Aber ich glaube mich zu erinnern, dass ich keine Strickpullis gesichtet habe.

Mann, bin ich entspannt…und frei von Vorurteilen!




Shake it…

Shake it

Deutsche Sprache, schwere Sprache. Da gestaltet sich selbst der einfache Versuch, ein entspannendes Bad zu nehmen zu einem grammatikalischen Hürdenlauf. Aus “schütteln” und “umschütten” wird kurzerhand “umzuschütteln” – grossartig. Ja-ha, auch die Pharmaindustrie muss sparen!

Egal, einmal grosszügig in die heisse Wanne verteilt – und weg ist der Schüttelfrust Schüttelfrost…




Music for the jilted people

Also doch: es gibt sie noch, die Gutmenschen unserer Zeit. Menschen, die sich ganz uneigennützig und selbstlos um jene kümmern, die auf der Schattenseite des Lebens stehen. Oder wie lässt es sich sonst erklären, dass P. Diddy aka Puff Daddy aka….who cares…den Obdachlosen in New York zur Weihnachtszeit grosszügig iPods verteilte – nota bene ausschliesslich mit Songs von Mister Habdenbezugzurrealitätverloren.

Ja-ha, der Puffvater hat sich dabei schon was gedacht:

Wintermäntel? Viel zu konventionell, die trägt ja jeder entlang der 5th Avenue.

Essen? Keine gute Idee beim aktuellen Skinny Look. Da wäre ein Wohlstandsbäuchlein definitiv fehl am Platz.

Warme Schuhe? Nee, lass mal, die können eh nur eine Saison getragen werden.

Und da ja an jeder Strassenecke New Yorks Steckdosen zu finden sind, bei welchen die iPods auch wieder aufgeladen werden können, bietet sich dieses Geschenk natürlich absolut an.

Eine explosive Mischung aus unsagbarer Dummheit und miserablen PR-Beratern verbunden mit einer gehörigen Portion Realitätsverlust. Respekt…




Geschenke machen Freu(n)de

Der Countdown läuft, letzte Gelegenheit, sich zu überlegen, ob Weihnachten dieses Jahr wieder einmal aus Überzeugung boykottiert oder ob der wohlverdiente Bonus doch noch in ein Geschenk für die Liebsten investiert werden sollte.

So oder so: Geschenke machen Freu(n)de, deshalb hier noch einige Tipps für Kurzentschlossene:

1. Arto Paasilinna: Der wunderbare Massenselbstmord

Arto Paasilinna

Der ärgste Feind der Finnen ist die Melancholie: Trübsal, grenzenlose Apathie“.

Olli Rellonen will seinem Leben ein Ende setzen und verfasst eine Annonce in der Zeitung: “Denkst Du an Selbstmord? – Hab keine Angst, du bist nicht allein”. Es melden sich unerwartet viele Gleichgesinnte und kurzerhand wird ein Bus gemietet und die Truppe startet ihre Reise ohne Wiederkehr.

Ein grossartiges Buch, ernsthaft und humorvoll, feinfühlig und irrwitzig. Und ein erfrischender Kontrast zu der allgegenwärtigen penetranten Besinnlichkeit. Wer die skurrilen Antihelden bei Kaurismäki mag, wird Paasilinna lieben!

2. Vibratoraufsatz für Zahnbürsten

Tingle Tip

Für alle, die nicht genau wissen, ob es der Liebsten an Hygiene oder Befriedigung fehlt. Das ultimative Kombigerät, frei nach dem Motto: Heute basteln wir aus einer handelsüblichen Zahnbürste einen Vibrator.

Achtung: Eine unsachgemässe Anwendung kann zu unschönen Verletzungen führen!

Apropos: Ich würde wirklich gerne wissen, wer solche Sachen kauft – und benutzt. In diesem Sinne: Allfällige Erfahrungsberichte von Daumenschraubenleser/innen nehme ich gerne entgegen (aga@daumenschraube.ch)

3. Eine Fahrt ins Pfefferland

Oder alternativ ans Ende der Welt. Eine schöne Art, einem Menschen zu sagen, dass man auch im nächsten Jahr auf seine Anwesenheit verzichten kann. Aber aufgepasst: Mit der Vergabe solcher Reisegutscheine sollte sparsam umgegangen werden. Es könnte sonst ziemlich einsam werden!

In diesem Sinne: Ein frohes Fest oder wie es bei Aga heisst: Joulutervehdys!




Kuriositäten aus der Hauptstadt

Auf ins Getümmel, denke ich mir, und weiss bereits zu diesem Zeitpunkt, dass dies wohl eine, na ja, sagen wir mal nicht so blendende Idee ist. Aber dem Konsum muss gefröhnt und das Geld unter die Leute gebracht werden. Frei nach dem Motto: Wir trotzen der Finanzkrise!

Ein Warenhaus und unzählige Ellbogenstösse und kreischende Kinder später, breche ich das Experiment Einkauf resigniert ab. Überall Konsumopfer am Rande des Nervenzusammenbruchs. Egal, dann gibt es halt dieses Jahr wieder einmal keine Geschenke. Irgendwie werde ich meinem Patenkind schon beibringen, dass diese Konsumgüter viel zu wichtig genommen werden und Weihnachten nur eine Erfindung der Spielzeugindustrie ist.

Draussen sieht die Welt schon wieder anders aus. Es schneit in wunderbar grossen Flocken und ich fühle mich sofort zuhause. Aga, das alte Nordlicht, perkele!

Ich bleibe vor dem Bundeshaus stehen. Das Wahltheater ist vorbei und damit auch die vage Hoffnung, dass doch noch alles anders kommen könnte. Egal, es ist wie es ist. Und überhaupt. Wobei ich die Aussage vom Hanf-Ueli, “Frauen und Umwelt verursachen nur Aufwand und Kosten” ziemlich legendär finde. Solch ein weltoffener Zeitgenosse hat ja wohl nichts anderes verdient, als unser Land mitzuregieren! Wie wärs denn mit der Abschaffung des Frauenstimmrechts als nächster Schritt? Wird eh überbewertet…

Etwas weiter in der Innenstadt begegne ich schon der nächsten Grausamkeit: Alljährlich um diese Zeit bewaffnen sich die Heilsarmisten mit Gitarren und Triangel, schmieren ihre Stimmbänder, ziehen musizierend herum und den Leuten das Spendengeld aus der Tasche. Eine leichte Aggression macht sich in mir breit. Ich verweise auf die Strassenaktivitätenverordnung, Art. 3 Abs. 1 “Kulturelle Strassenaktivitäten dürfen nicht zu unzumutbaren Belästigungen führen…” Wenn diese Frömmler mal keine Belästigung darstellen, dann weiss ich auch nicht. Diese grinsen weiterhin von Gott erleuchtet und dümmlich vor sich hin. Oh du Fröhliche…

Ich habe genug, gehe nach Hause, lasse die Welt hinter mir, schliesse die Augen und konzentriere mich nur noch auf die Stimme von Sophie Hunger. Wunderbar.




Nuscheln am Sonntag

Nuschelalarm in der heutigen SonntagsZeitung: Ein typischer Fall von Alkohol am Arbeitsplatz? Man weisch esch nischt scho genau…

Grieschenland

Grieschenland




Wo ist Walter…äh…Axl?

Eine bizarre Meldung, auf welche man heute in diversen Online-Medien stösst: “Wo ist Axl Rose?”

Wanted!

Wanted!

Im ersten Moment dachte ich, es handle sich um ein lustiges Wimmelbildchen, mit welchem man sich eine Weile beschäftigen kann, bis man das Antlitz des bis zur Unkenntlichkeit gelifteten Altrockers gefunden hat. Aber nein, der Herr ist tatsächlich verschwunden – also so richtig weg – und das, trotz aktueller Veröffentlichung des neuen Albums “Chinese Democracy” (welch lustiges Wortspiel).

Ja gibts denn sowas? Da soll der doch das neue Album promoten und hat sich stattdessen so mir nichts dir nichts in Luft aufgelöst. Ich gehe ja stark davon aus, dass der Herr Rose auf spektakuläre Weise direkt aus der Schönheitsklinik entführt wurde und ihm nun in Fernost gezeigt wird, was dort unter dem Begriff Demokratie verstanden wird. Ihr wisst schon, ist bestimmt nicht angenehm. Um es mal vorsichtig auszudrücken.

Also, falls jemand sachdienliche Hinweise zum Aufenthalt der gesuchten Person machen kann: Der nächste Boulevardjourni ist für jede kleinste Information dankbar. Schliesslich muss auch der seine Brötchen verdienen.

Sachen gibts.




Daumenschraube des Monats (November 2008)

Nachdem die US-Wahlen nun endlich über die Bühne sind und die Zeitungen sich wieder anderen Themen widmen können, steht erneut das nächste Polittheater ins Haus: Die Bundesratswahl.

Wär ja an und für sich ein interessantes Thema, schliesslich wird wieder mal bestimmt, wer denn in den nächsten Jahren unser Land mitregieren soll. Leider überrascht es jedoch wenig, dass der selbsternannte und einzige Retter unseres Landes die ganze Angelegenheit einmal mehr zu einer Schmierenkomödie verkommen lässt: Christoph B. is back to save our kleine Schweiz. Er würde die Bürde auf sich nehmen und sehe in sich den einzig valablen Kandiaten für den freien Bundesratssitz (an dieser Stelle Applaus bitte für soviel Selbstironie!)

Obwohl mittlerweile selbst die Darsteller des Zürcher Flügels eingesehen haben, dass eine erneute Alleinkandidatur von Herrn B. aus H. im Parlament wohl möglicherweise nicht ganz so gut ankommen wird, gibt der Märtyrer selbst in jedem Interview trotzig zum Besten, dass er einen Auftrag zu erfüllen habe. 00Blocher mit der Lizenz zum Politisieren? Oder wie muss man das verstehen? Das sieht vielmehr danach aus, als ob da jemand nicht akzeptieren kann, dass seine Zeit abgelaufen ist.

Um eines vorweg zu nehmen: Die Wahlen, Herr Alt-Bundesrat Blocher, werden Sie nicht gewinnen, jedoch die Daumenschraube des Monats für soviel Uneinsichtigkeit! Ist doch auch was, oder? Und jetzt können Sie meinetwegen ganz still und leise in die Opposition oder zu Zottel in den Stall verschwinden. Der Schmierenkomödie letzer Akt hat für Sie begonnen und bald wird der Vorhang fallen.




Ein bisschen Mitleid bitte…

Gute Nacht!

Den armen Raser plagen nächtens anscheinend unsägliche Albträume, da wird kurzerhand mit dem Mami das schlechte Gewissen weggekuschelt.

Ts, ts, wer konnte denn auch ahnen, dass das Nichtbeherrschen des Fahrzeugs, massiv überhöhte Geschwindigkeit, zuviel Testosteron und Selbstüberschätzung zu einem solch tragischen Unfall führen könnte!

Da bleibt einem doch glatt die Züpfe im Hals stecken…




Junge, Junge…

Aus der Reihe:

Agamobil


Eigentlich bin ich davon ausgegangen, dass der Begriff metrosexuell ein alter Hut sei, seit David Beckham für sich beschlossen hat, wieder ein ganzer Kerl zu sein. Und das ist auch gut so. Also nicht, was dieser Spasti beschliesst, sondern dass dieser ich-bin-auch-eine-Frau-Trend etwas nachlässt.

Heute morgen also wurde ich wieder einmal eines Besseren belehrt. Soll vorkommen. Jedenfalls traf ich im Bus auf ein Individuum, welches mir bereits frühmorgens trotz – oder gerade wegen – grosser Müdigkeit einen gewaltigen Lachkrampf beschert hat. Da steht doch so ein Kerlchen vor mir mit rosa Lacoste Shirt Marke “Habsch-gekauft-in-Türggei”, weisser Jacke mit putzigem Fellkragen, goldigen Schühchen und den ganz widerlichen Bling-Bling-Dingens im Ohr. Das war ja alles schon sehr amüsant. Aber der Knüller war wirklich das wunderbare Vokuhila-Frisürchen, mit neckischen Mèchesträhnchen. Diese äusserst feminine Fussballerfrisur (oder sollte ich besser sagen dieses Verbrechen?) war schon früher in Kombination mit Schnauz und dünnem Lederkrawättchen nicht zu ertragen und das Tragen derselben sollte unter Höchststrafe stehen!

Ach, liebe Männer, ihr habts nicht einfach mit uns Frauen: Mal sollt ihr sensibel sein, mal ganze Kerle, mal zuhören können, mal eine starke Schulter zum anlehnen bieten, mal sanft, mal leidenschaftlich. Das kann durchaus etwas verwirrend sein. Lasst euch gesagt sein, ihr seid wunderbar. Aber bitte: Überlasst Kleider in Pastelltönen, Strähnchen im Haar und Kajal einfach uns Frauen. Und vergesst, dass der Begriff metrosexuell je existiert hat…


Bisher in Agamobil erschienen:
  1. Junge, Junge…
  2. Erziehung mal anders
  3. Zuggeschichten




Winter Song

Es gibt Songs, die zaubern ein Lächeln aufs Gesicht, die trotzen der Finanzkrise, lassen den Schnee schmilzen, kümmern sich nicht um nicht erhaltene Konzessionen, sind einfach da und verzaubern. Da wird einem warm ums kalte Winterherz. Deshalb: Kaffeemaschine angeschmissen, ab aufs Sofa, Volumen aufgedreht, “Fix it” reinziehen und Schande über jeden, der diesen fantastischen Künstler des Namens wegen mit Bryan Adams verwechselt…




Bildungsauftrag nicht ganz erfüllt

aua

Mein Lieblingssatz der Woche, aufgeschnappt beim gemütlichen durchzappen:

Ich ging nach Gabi, dem Helmut seine Frau, die wo noch immer meine Nachbarin ist“.

Respekt! Kein Wunder kräuselts da dem Herrn Reich-Ranicki die Zehennägel…




Genug gespielt

Da titelt doch der Bund vom Montag mit folgender Schlagzeile: “2011 ist Irak-Krieg zu Ende”.

Na, das ist doch mal eine Ansage, ein einwandfreies Termingeschäft sozusagen. Da haben die Amis wohl keine Lust oder kein Geld mehr (ein Hurra auf die allgegenwärtige Finanzkrise) und meinen, och nö, genug gespielt und zerstört im Irak, lasst uns mal in drei Jahren das kriegerlen beenden. Von einem Abkommen ist die Rede, gemäss welchem die letzten Soldaten den Irak verlassen sollen, “sofern die Lage dies zulässt“.

Da reibt sich der Laie erstaunt die Augen und denkt wohl berechtigterweise, ausser Spesen nix gewesen: Osama verbreitet weiterhin fröhlich seine Videobotschaften und der irakischen Bevölkerung geht es wohl kaum besser, seit der Herr Hussein aus dem Erdloch geborgen wurde und medienwirksam dem Galgen zum Opfer fiel. Da nützt es auch nichts, dass dieser Galööri, formerly known as Tschortsch Dabeliu, nach wie vor die in den sinnlosen Krieg investierten Milliarden und die unzählig geopferten Soldaten vehement verteidigt.

Der Ausgang der Geschichte ist wohl schon jetzt klar: Westliche Firmen werden sich eine goldene Nase beim Wiederaufbau verdienen während sich die Schiiten weiterhin mit den Sunniten blutig bekämpfen. Ach ja, und  die Individualreisenden und Katastrophentouristen werden bald den Irak als neue Trenddestination entdecken, nachdem Afghanistan mittlerweile schon wieder zu kommerziell ist, seit es eine eigene Rubrik im Lonely Planet erhalten hat…

Poor world.




Mundartlyrik

Es ist eine Krux mit den zeitgenössischen helvetischen Sängern: Seichte Texte über zigmal gehörte Themen, unterstrichen durch ein Popgeplänkel, welches zeitweilig den Ausdruck Ohrenterror mehr als verdient hat. Vom heimwehgeplagten Bergler in der Stadt bis zum Büezer, der über den Spangen tragenden Schwan sinniert: Mal ehrlich, wo sind die etwas anspruchsvolleren Texter geblieben, welche das Wort lieben und sich nicht in erster Linie über eine Platzierung in den Charts definieren? Mit Ausnahme von Künstlern wie Stephan Eicher oder Kuno’s Truppe, sind sie leider rar geworden, die Troubadours der heutigen Zeit.

Dies ist mir bewusst geworden, als ich vor kurzem beim Herumstöbern auf eine Mani Matter LP gestossen bin (ja Kinders, das ist das grosse schwarze Ding mit Rillen, ein Relikt aus Aga’s Jugend…). Mit einem Schlag wurde ich sowas von in meine Kindheit zurückversetzt und ich erinnerte mich, wie mein Bruder und ich sämtliche Texte auswendig konnten. Irgendwo existiert sogar noch kompromittierendes Tonmaterial, worauf ich lautstark (und vor allem wohl in schiefer Tonlage) geschlagene 90 Minuten die Matter Lieder am trällern bin (muss glaub mal ein ernsthaftes Wort mit meinen Eltern sprechen – so von wegen Beweismaterialvernichtung und so…) Kurzum: Mani Matter war unser Held.

Zugegeben, der grosse Musiker war er nicht aber die Kunst des Wortes hat er wie kein anderer beherrscht. Hab ich als Kind über die Texte gelacht (“zwe Boxer im Ring, gä enang ufe Gring…”), war ich als Erwachsene beeindruckt von den gesellschaftskritischen Seitenhieben und der Gabe, das Leben stets mit einem Augenzwinkern zu betrachten. So staunte ich nicht schlecht als mein vierjähriges Patenkind kürzlich ihr Sangestalent unter Beweis stellen wollte und mir lautstark folgendes Liedchen zum Besten gab:

Är isch vom Amt ufbotte gsy, am Fritig vor de nüne,
by Schtraf, im Unterlassigsfall, im Houptgebäud, Block zwo,
Im Büro 146 persönlich ga z’erschiine,
Und isch zum Houptiigang am haubi nüüni inecho.

Vom Iigang, d’Schtäge uf, und de nach rächts het är sech gwändet,
isch dürne länge Gang, de wider rächts und de graduus,
de zrügg, und wider links, bis wo der Korridor het gändet,
de wider zrügg und gradus – witer meh und meh konfus.

I sött doch – het er dür die lääre Gäng grüeft – vor de Nüne,
by Schtraf im Ungerlassigsfall im Houptgebäud Block Zwo,
im Büro 146 persönlech ga erschiine und dür die lääre Gäng
da het me s’Echo ghört dervo.

Hie bini- het är dänkt – scho gsy, nei dert bim Egge chumme
ni villech wider… nei s’isch anders – warum geit’s jetz da,
i ha doch gmeint… aha.. jetz no dert vorne einisch ume,
was isch de das, da geits… jetz weis i nümme woni schtah.

Und dä wo isch ufbotte gsy am Fritig vor de nüne,
by Schtraf im Ungerlassigsfall im Houptgebäud Block Zwo,
im Büro 146 persönlech ga z’erschiine,

isch immer witergloffe und isch nie meh ume cho.

Weniger die Tatsache, dass ein vierjähriges Mädchen einen solchen Text zum Besten gab sondern vielmehr, dass Mani Matter auch heute noch mit seiner Mundartpoesie begeistern kann, lässt mich hoffen, dass dieser auch bei der jüngeren Generation nicht in Vergessenheit gerät. Zgrächtem nid, himmustärne!




Erziehung mal anders

Aus der Reihe:

Agamobil


Aga fährt Tram

 

Szene:
5er Tram, irgendwann nach Feierabend

Eine Frau, Typ Ökotusse mit strähnigem Haar, farbigen Socken und ganz doll lustigem rotem Hut unterhält sich mit einem ungefähr 8jährigen Knirps:

- Gehst du jetzt nach Hause?

- Mh-mh

- Deine Mami hat bestimmt schon gekocht. Isst du überhaupt etwas? Du bist so klein und dünn..

Der Junge nestelt unsicher an der Kordel seiner Jacke und schaut verlegen auf seine Schuhe.

- Du musst Deinem Mami mehr folgen, gell. Und geh doch mal Fussball spielen. In deinem Alter muss man doch ein Hobby haben.

- …

- Du hast ja jetzt Herbstferien, das wär doch eine gute Gelegenheit, mit dem Fussball spielen zu beginnen.

- Mh-mh

- Ich möchte auch wieder Kind sein. Oder Lehrerin. Da hat man ja nur Ferien. Wobei, wenn ich es mir so überlege: Ich wär eine böse Lehrerin. Ich würde mit der Steinschleuder auf Kinder zielen, die nicht artig wären. Oder mit dem Luftgewehr in die Zehen schiessen.

- ???

- So, ich muss jetzt aussteigen. Grüss deine Mami von mir. Und sei schön artig.

Sachen gibts.


Bisher in Agamobil erschienen:
  1. Junge, Junge…
  2. Erziehung mal anders
  3. Zuggeschichten




Immer mitten in die Fresse rein…

…kommt mir da spontan in den Sinn. Pfui! Bei diesem hausgemachten, rechten Schwachsinn, den diese Kreatur von sich gibt, wäre nicht nur wie aktuell verdientermassen geschehen ein Abwürgen, sondern ein absolutes lebenslängliches Redeverbot angebracht. Jawohl.





Dem Dativ sein Tod

Miss Schlag-mich-tot

Es gibt gewisse Sachen, die gehen einfach gar nicht. Auch nicht wenn ein gewiefter Werbefuzzi meint, das sei ganz doll lustig. Nein. Einfach nicht. Seit einigen Tagen begegnet mir auf meinem Arbeitsweg ein Werbeplakat eines Kaffeeherstellers. Darauf ist eine der unzähligen Schlag-mich-tot-Ex-Missen zu sehen, lasziv in die Linse blickend. Nun gut, adrett ist sie ja wirklich. Anyway.

Da steht also in grossen Lettern über der blonden Schönen: “Ich liebe jedem seiner Stärken“. Ha! Ich kann ihn direkt vor mir sehen, den für diesen Schund zuständigen Werber. Rechteckige, vorzugsweise schwarze Hornbrille, die leicht angegraute Mähne lässig mit Gel nach hinten gepappt, schwarzes Sakko, junge Modelfreundin, Lieblingsclub: Kaufleuten. Halt eben Klischeewerber mit Jahreseinkommen eines Bundesrates. Hat zwar den Vorteil, dass man sich wenigstens die renommiertesten Herzchirurgen leisten kann. Aber das ist ein anderes Thema.

Nun gut, einen kurzen Moment dachte ich ja noch, dass hier eine übereifrige Werbeassistentin den Druckauftrag etwas zu voreilig erteilt hat. Aber nein, das ist voll Absicht! Frei nach dem Motto: Wenden wir doch mal den Dativ falsch an. Was mit Verona Feldbusch Poth (oder wars Buschpoth-Feld?) vor zig Jahren in Deutschland funktioniert hat, ist doch bestimmt auch in der Schweiz lustig. Hat sich der Herr Werber gedacht. Nein, meine Herren Kreativen, ist es nicht. Es ist bloss eine billige Kopie des abgedroschenen “Hier werden Sie geholfen” Slogans.

Da muss wohl das nächste Mal etwas intensiver gebrainstormt werden, dann klappts dann vielleicht wieder mit dem Idee…