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Aga T. Korhonen

Als vorerst einziger weiblicher Part im Autorentrio hat Aga T. erfolgreich die Besetzungscouch durchlaufen. Aufgewachsen in Helsinki verbindet sie die finnische Zurückhaltung mit dem kosmopolitischen Weitblick. Die Unbeschwertheit der langen Sommernächte mit der Melancholie der dunklen Wintertage. Den Genüssen des Lebens nicht abgeneigt, den seelischen Abgründen zugeneigt. Ihre Leidenschaft ist das Reisen in ferne Länder, Literatur in den eigenen vier Wänden, das Kochen für gute Freunde sowie das Philosophieren bei einer guten Flasche Wein.

Aga T. Korhonen
aga@daumenschraube.ch

Aga T. Korhonens Artikel:


It’s a man’s world

Nachdem der Weltuntergang jetzt doch noch um fünf Monate verschoben wurde, können wir ja getrost weiterbloggen. Schwein gehabt, das war ja haarscharf! Ärgerlich nur, dass nicht ich auf die geniale Idee gekommen bin, dem Beruf des Predigers nachzugehen und mittels lustigen Prognosen die Gläubigen um die Ersparnisse zu bringen. Scheint mir ziemlich lukrativ, zumal der Spruch “das letzte Hemd hat keine Taschen” bei dieser Spezie offensichtlich immer zieht. In diesem Sinne: Respect, Mr. Camping!

Nun denn, erstaunt hat diese Tage wahrlich etwas anderes: Die maskuline, testosterongesteuerte Medienpräsenz war zuweilen kaum erträglich. Kurz: Der Arnie hat mit der “Miss Cleaning Lady 1995″ einen kleinen Terminator gezeugt, welcher sich bei diesen Genen wohl auch ein Leben lang wünschen wird, seine Mutter hätte stattdessen bei Charlie Sheen geputzt. Ziemlich witzig finde ich ja auch die Begrüssung auf Arnies Website, welche denn lautet: “Stay tuned for my next move”. So harren  wir gespannt der Dinge, die da noch kommen mögen…

Her mit den Puppen

Dominique Strauss-Kahn hingegen wollte die Putzfrau nicht schwängern sondern nur vergewaltigen. Hier spielte eine verherrende Mischung aus Macht, Selbstgefälligkeit und -überschätzung zusammen, welche in den meisten Fällen bekanntlich einen tiefen Fall generiert, gellen Sie Monsieur DSK! Vraiment dégoûtant, würde da selbst der werte Monsieur Punaise sagen.

Und wäre das alles nicht genug, lese ich doch tatsächlich heute im journalistisch wertvollen Blick am Abend die Headline “Was Rocker in der Hose haben”. Untertitel: “Steven Tyler hat die Latte hoch gelegt”. Bitte? Nein, ich will nicht wissen, wieviele Frauenhände es benötigt, um Steven Tylers bestes Stück komplett zu bedecken und schon gar nicht, wessen “Bandnudel auf Tauchstation geht”.

Too much information!




Jubel, Jubel!

Interessant ist es, morgens aufzuwachen, und den Wettermann aus dem Radio sagen zu hören: “…es muss stellenweise mit Hodenfrost gerechnet werden“. In meiner Schlaftrunkenheit sinnierte ich über die Bedeutung des soeben Gehörten nach und kam zum Schluss, dass dies wohl ziemlich ungemütlich sein muss. Glücklicherweise ja nicht für mich, Schwein gha!

Da der angekündigte Hodenfrost erfreulicherweise auch für meinen Liebsten keine grossen Auswirkungen hatte, konnten wir getrost das geplante Konzert in Angriff nehmen. Dazu ist zu sagen, dass ich aus einer sehr musikalischen Familie komme. Um etwas präziser zu sein: Eigentlich hat die Muse so ziemlich alle geküsst ausser mich. Ich kann es verkraften. Die Band meines Bruders hatte also einen Auftritt an einer Mittelalterparty. Es war mir bis zu diesem Zeitpunkt weder bewusst, dass es tatsächlich eine aktive Mittelalterszene in der Schweiz gibt, noch hätte ich je Protagonisten derselbigen getroffen. An der Kasse konnte ich mir ein  “Gewähret mir Einlass” nicht verkneifen und bei der Frage nach den Namen auf der Gästeliste, verkündete ich theatralisch: “Kunigunde!” Irgendwie waren jedoch die dort anwesenden edlen Recken ziemlich ernste Gemüter, welche nur ein genervtes Augenrollen für mich übrig hatten.

Es ist ja jetzt nicht so, dass ich noch nichts gesehen hätte. Aus alten Technozeiten sind mir Jungs mit Staubsaugern und ähnlichen abartigen elektronischen Geräten auf dem Rücken durchaus bekannt. Was ich aber an diesem Fest an Verkleidung zu sehen bekam, war der absolute Oberkracher: Die männliche Spezies wartete heroisch mit Pfeilbogen, Schwerter und Lanzen, Helmen und Schnabelschuhen auf, die holde Weiblichkeit kokettierte mit Häubchen und langen Gewändern. Es passiert mir nicht oft, aber ich muss zugeben, irgendwie war ich wohl mit Jeans und T-Shirt ein klitzekleines Bisschen underdressed. Tussi meets Burgfräulein, oder so.

So standen wir also mit unseren gefüllten Trinkhörnern etwas abseits und beobachteten fasziniert das Geschehen. Unsereiner steht ja üblicherweise kopfnickend an einem Konzert, wippt ein bisschen im Takt der Musik, nicht zu dolle, um das Bier im Plastikbecher nicht zu verschütten und singt bei Textsicherheit lautstark mit. Aber nicht bei einer Mittelalterparty, nein! Da wird getanzt und gestampft, bis der Arzt kommt. Die folgenden Tanzstile fand ich dabei besonders inspirierend:

Riverdance meets Dudelsack

Man fixiere die Arme senkrecht am Körper, hebe den Kopf gen Himmel und bewege von Scheitel bis Hüfte keinen Zentimeter. Sodann wird gehüpft, was das Zeug hält und macht lustige Bewegungen mit seinen Füssen.

Ritterpogo

Die ganze Tanzfläche wird genutzt um in einem Affentempo hin und her zu springen. Hier muss lediglich aufgepasst werden, dass die mitgebrachte Lanze nicht versehentlich ein Massaker anrichtet.

Improvisationstanz

Klar, früher kannte man D! ja noch nicht, folglich gab es auch keine Choreographien. Dementsprechend fühlte man die Bewegungen (oder bewegte die Gefühle). Dabei ist es wichtig, die Arme ganz weit vom Körper zu heben, als würde man fliegen, die Augen werden verträumt geschlossen und der Gesichtsausdruck bleibt sanft und entspannt.

Ihr ahnt es, wir konnten keinen der oben beschriebenen Tänze überzeugend darbieten, so wippten und nickten wir gewohnt vor uns hin. Wir versäumten es denn auch nicht, das obligate Fettnäpfchen auszulassen: Nach dem ersten Lied klatschten und pfiffen wir, was das Zeug hielt. Etwas peinlich, wenn die ganze Meute nur mit erhobener Faust “Jubel, Jubel!” schreit. Ja so warn’s die alten Rittersleut…




Status quo

Die Welt ist anders geworden. Irgendwie. Oder vielleicht ich älter. Früher traf man sich auf der Strasse und der Dialog, welcher folgte, lautete in etwa so:

- Geits?
- Iiu, es muess u dir?
- Tiptop.

Oder alternativ:

- Wie tuets dir?
- Cha nid chlage u säuber?
- Me schlaht sech düre, gäu.

Die Befindlichkeiten waren besprochen und alles war gut. Wenn man an weitere Informationen gelangen wollte, fragte man nach. Wenn das Interesse eher bescheiden war, kam der Satz “auso i muess” und gut war.

Heute gibt es Facebook. Und damit verbunden Informationen, oder anders gesagt Statusmeldungen, die die Welt nicht braucht. Früher hiess es “fishing for compliments”, heute wohl eher “fishing for comments”. Das Prinzip funktioniert so: Man postet eine Statusmeldung über den momentanen Zustand und wartet auf möglichst breiten Zuspruch in Form eines Kommentars. Meine diesbezüglichen Favoriten:

  1. X ist gerade traurig
    Who cares, erzähl das deinen Freunden im wirklichen Leben, die können dich im Ernstfall aufpäppeln.
  2. X @ home
    Auch das interessiert – ausser den potentiellen Stalker  – wohl eher niemanden.
  3. X hat den Glauben verloren
    Das habe ich schon lange, muss dies jedoch nicht der virtuellen Welt mitteilen.
  4. X was geht?
    Abgesehen davon, dass der Satz grammatikalisch nicht geht, geht es grundsätzlich überhaupt nicht.

Zugegebenermassen, aus voyeuristischer Sicht ist Facebook super. Aber die Zeit ist gekommen, sich von den trashigen Mitteilungen der virtuellen Freunde zu verabschieden. In diesem Sinne: Aga ist dann mal weg!




Die Leiden des jungen Toni

Die Welt ist schampar ungerecht, hat doch die SRG jüngst dem linken Rebellen und “s’isch mini Idee gsi”-Erfinder Roscheee Vieräzwänzg Schawinski eine Plattform in Form einer Talkshow zur Verbreitung seiner Anti-SVP Parolen geboten. Das passt dem Brunner Toni selbstredend überhaupt nicht und er und seine Politsekte verlangen flugs einen Gebührenboykott gegen die SRG .

Ist ja auch ein ziemlich diffuser Plan der SRG die “SVP im Wahljahr ausschalten” zu wollen. Da kann sich Brunners Toni ein Angstbisi kaum verklemmen und hat einen super Slogan (um nicht zu sagen Hilferuf) kreiert: “Schweizer wählen SVP und wollen eine ausgewogene SRG“. Bravo, sag ich da nur, nehmt Nadine Borter den Titel Werberin des Jahres wieder weg und übergebt diese Trophäe umgehend und subito an den blonden Lausebengel aus Ebnat-Kappel!

Ist ja nicht zu übersehen, dass dieser linke Pöbel bei der SRG nur ein Ziel verfolgt, nämlich die SVP und ihre Anhänger aus dem Programm zu verbannen. Dies ist mehr als offensichtlich mit Sendungen wie beispielsweise “Hopp de Bäse”, “Samschtig-Jass” und “Ab auf die Alp”, welche vorzugsweise von linken Chaoten konsumiert werden.

Ja ja, der Brunner Toni hat es nicht leicht: Seine Ideenflüsterer Blochers Stöffeli, Grinsekatze Mörgeli und nicht zuletzt Alf verwirren den Stallburschen dermassen, das kann schon mal eine Angstattacke provozieren. Aber Roscheee zum Wahlkampfthema zu machen ist in etwa so hanebüchen wie die restlichen Themen dieser Spasspartei. Ist halt einfacher, grinsend und händeringend Angst zu schüren als mühsam mit fundierten Argumenten zu politisieren. Voilà.




Ironie des Schicksals

Ja, auch einem Minarett jagt es von Zeit zu Zeit den Nuggi use, wenn es wochenlang öffentlich diffamiert wird. Da kann man schon verstehen, wenn die Nerven blank liegen. Aber ob eine solche Racheaktion dem Zweck dient?

Irgendwie witzig, diese Minarette…




Weisste Bescheid!

Was ist denn da los? Seit dem letzten Abstimmungswochenende hat irgendwie jeder das Gefühl, er müsse seinen mehr oder minder wertvollen Kommentar zum Ergebnis der Minarettinitiative auf irgendeiner Online Plattform oder wahlweise lautstark im vollen Bus  bekanntgeben. Politisieren und eine fundierte Meinungsäusserung ist ja durchaus sehr wertvoll, dieses Stammtischniveau ist jedoch höchst bedenklich.  Da wurde aus einer einfachen Bauvorlage eine Grundsatzdiskussion über die beginnende Islamisierung (mein Favorit für das Unwort des Jahres) und geht nun bis hin zum Burkaverbot (ja gellen Sie, Frau Schwarzer, auch so kann man, exgüsé, frau sich wieder einmal ins Gespräch bringen). Etwas mehr Bildung und etwas weniger dummes Geschwätz wäre doch irgendwie wünschenswert. Auso ehrlech…

Und nun zu etwas ganz anderem.

Einen gelungenen Übergang zu finden ist jetzt etwas schwierig, ich versuchs trotzdem: Alsoder Clou….Meine Fresse… Nee, geht nicht, diesen Themawechsel müsst ihr jetzt verkraften:

Editors! Da gabs gestern im Bierhübeli keine müssigen Diskussionen irgendwelcher Türmchenphobiker sondern nur grossartige Musik und einen Sänger mit einer Stimme, die Frau Korhonen in den Wahnsinn treibt (wieder einmal ganz pathetisch…).

Von einem Geheimtipp kann wohl keine Rede mehr sein, trotzdem kann ein Erwerb dieses Tonträgers im Plattenladen Eures Vertrauens ohne Vorbehalt empfohlen werden!

Isso.




Wir wolln den Jesus sehen!

Es war einer dieser tristen Novemberabende als sich Nasse und meine Wenigkeit zusammen mit unseren Liebsten auf eine Reise in die tiefste Teenievergangenheit aufmachten: Depeche Mode in da House oder besser gesagt in Genf…

Gut, ist jetzt nicht Prince, aber da ich dessen Auftritt bekanntermassen so was von verpasst habe, war ich sehr erfreut über die Tatsache, den Dave ansabbern zu können…ähm…die wunderbare Musik von DM geniessen zu können (etwas Contenance, Frau Korhonen, also wirklich!).

Nach ein paar Bierchen vergassen der Nasse und ich dann auch prompt unser nordisch-zurückhaltendes Temperament und hüpften rum wie zwei Springböcke auf Speed. Und -- um ehrlich zu sein -- trotz der fantastischen Mucke und der wunderbaren Show, wollten wir im Grunde doch nur eines hören:

Mei, war des scheen!




Stiefelknechte oder ich bin auch ein Auge

Da haben sich wohl einige Bauern aus dem Jura ein gutes Beispiel am irakischen Schuhwerfer genommen:

Schau mir in die Augen, Kleines

Schau mir in die Augen, Kleines

Das Bundesratsdorli wurde doch tatsächlich anlässlich einer Rede an der Käseolympiade in Saignelégier von einer erzürnten Menge der Bauerngewerkschaft mit Stiefeln beworfen.

Das ist ja jetzt an und für sich nicht sehr originell. Was mich an dieser Geschichte viel mehr interessiert: Kann sich der Hypnoseblick unserer Volkswirtschaftsministerin im Schockzustand wohl noch intensivieren? Man weiss es nicht genau…




Prioritätenmanagement

Montag Morgen, 06.30 Uhr, der Kaffee dampft, die Frisur sitzt. Die Themen in Presse und Radio:

  • Was bedeutet die neue deutsche schwarz-gelb Regierung (YB-Koalition quasi) für die Schweiz? Wird der Herr Westerwelle, seines Zeichens Aussenminister in spe, aufgrund seiner sexuellen Präferenzen bei einem allfälligen Iranbesuch umgehend vom Achmeschlagmichtod verhaftet und gefoltert?
  • Ist die Verhaftung des Herrn Polanski gerechtfertigt oder bloss ein weiterer Versuch der Schweizer Regierung, das Ansehen im Ausland aufzupolieren? Ein Aufschrei geht durch die lokale Filmszene (ist ja auch unverschämt, einem flüchtigen Kinderschänder den Prozess zu machen, auso ehrlech!).
  • Ach ja, fast vergessen: Die neue Miss Matterhorn wurde ja auch noch gekürt. Blondiert und streng gläubig – eine verheerende Mischung aus dumm und weltfremd.

Zur Erinnerung: Am Wochenende haben wir über die eine oder andere wichtige Vorlage abgestimmt. Ich finde es irgendwie seltsam, dass dies in der Montagspresse und den Onlinemedien mehr oder weniger als Randnotiz zu finden war. Eine Prioritätenanpassung im Newsbereich wäre wünschenswert.




Nastrovje!

Na, da war ja heute wieder mal was los in Bern: Scharfschützen auf den Dächern rund ums Bundeshaus, ein Balkon-Betret-Verbot für Anwohner, Personenkontrollen durch eine Hundertschaft von Polizisten (…i wott doch nume zum Kiosk!), Umleitungen, welche die Innenstadt in ein unübersichtliches Labyrinth verwandelten und Pendler, welche rundum zum lustigen Such-Deinen-Bus-Spiel animiert wurden.

Nein, es handelte sich dabei nicht um eine Grossoffensive der EU, die Schweiz mit Waffengewalt einzunehmen, Grund dafür war vielmehr eine Kurzvisite des russischen Präsidenten. Der Obama des Ostens sozusagen. Eine wahre Schmierenkomödie oder – um es einmal ganz salopp im Stammtischjargon auszudrücken: Da freut man sich als Steuerzahler über die judihui verprassten Millionen, welche hier wahnsinnig sinnvoll in die Sicherheitsvorkehrungen gesteckt wurden.

Fazit: Einem (oder in diesem Falle zwei) geschenkten Bärli schaut man wohl nicht ins Maul…




Henusode

Ob es ein Zufall ist, dass die Wahl des neuen Bundesrates gleichzeitig mit dem Todesurteil unseres Autos erfolgte? Man weiss es nicht so genau, irgendwie ist beides Schrott…




Mission Aga

Nachdem sich mein lieber Freund Nasse das eine oder andere Mal doch eher kritisch über das Land ennet dem grossen Teich geäussert hat (siehe hier, hier und auch da), habe ich mich entschlossen, die vorgebrachten Kritikpunkte vor Ort einer näheren Inspektion zu unterziehen. Da kann ja jeder erzählen…

Deshalb: Flug gebucht, Reiselaune aktiviert und ab mit der Aga auf grosse USA Reise.

In diesem Sinne Orövuar…oder so!




Prince vs. Wedding

Es gibt diese Momente im Leben, da möchte man sich selbst in den Hintern beissen, den Kopf in monotoner Regelmässigkeit wieder und wieder auf den Tisch schlagen und in lauter Wut den Fuss in die Tür treten. Nein, ich bin nicht aggressiv. Nehein…

Warum diese leicht schlechte Laune? Nun, es ist so, dass ich quasi glückliche Besitzerin eines begehrten Prince Tickets war. So weit so gut. Bis zu diesem Zeitpunkt war das Leben ja auch noch in Ordnung. Noch im Freudentaumel machte sich jedoch schleichend ein leicht schlechtes Gefühl bemerkbar, das innere Ich, welches mir auf eine ziemlich penetrante Weise etwas mitteilen wollte. Nun, ich Gutmensch höre ja auf mich (was ich lieber nicht getan hätte) und so sah ich plötzlich das böse Wort in aller Deutlichkeit vor meinem Geistigen Auge: Hochzeitseinladung! Das war der Zeitpunkt, wo ich den ersten klitzekleinen Ausraster zu bewältigen hatte.

Kennt ihr das? Irgendwann zwischen Spargel- und Wildsaison haben alle das Bedürfnis zu heiraten. Was dazu führt, dass der gesamte Sommer von solchen – in den meisten Fällen – Pflichtterminen besetzt ist. Schlimmstenfalls beginnt das ganze Spektakel in der Kirche (schliesslich muss von ganz oben die Erlaubnis erteilt werden….üble Sache, Maloney!) und endet wahlweise bei lustigen Kinderbilderdiashows (haha!), Gedichte vortragen (hahaha!) oder Partyspielchen (ich schmeiss mich weg). Es ist mir sowieso ein Rätsel, wieso Leute bereit sind, an einem einzigen Tag ein gesamtes Jahresgehalt auszugeben, um ein paar Jahre später nochmals ein solches in den Scheidungsanwalt zu investieren. Aber nun gut, jeder wie er will. Aber bitte nicht am selben Tag, an dem ich eigentlich in Montreux bei Prince sein sollte!

So werde ich also an besagter Hochzeit zusammen mit der Braut ein Tränchen verdrücken, jedoch nicht aus Empathie sondern vielmehr vor lauter Selbstmitleid.




Schnapsidee

Auch Aga entstaubt mal kurz ihre Tastatur und meldet sich zurück zum Dienst: Die Schräubler sind also wieder komplett und voller Tatendrang. In diesem Sinne: An die Arbeit!

Apropos Arbeit. Ich sah mich während meiner vierwöchigen Abwesenheit wieder einmal mit einem mir bestens bekannten Phänomen konfrontiert. Ob es die frische Luft Skandinaviens oder die Schnäpse waren, kann ich nicht sagen (wohl eher letzteres) aber jedenfalls verspürte ich grosse Lust mein berufliches Leben umzukrempeln und etwas Neues zu beginnen. Der Geist lechzte nach neuem Stoff, die Gehirnzellen tanzten Tango vor lauter Vorfreude, sich neues Wissen anzueignen. So weit so gut. Was aber dann kam, nennt sich wohl gemeinhin das Drehen im Kreis. Zahlreiche Möglichkeiten habe ich durchgespielt, vom Marketingplaner (nein, ich will kein Werbefuzzi werden) zum fachhochschulischen Abschluss der Betriebsökonomie (gähhhhhhhhhn…) bis hin zu den Medienwissenschaften (Matur nachholen? Studium? Bis zum Abschluss steh ich kurz vor der Pensionierung). Die Juristerei fällt dann auch glatt ins Wasser – denn da häng ich ja seit einigen Jahren fest. Nun gut.

Wieder zuhause angelangt, ist der Geist zwar immer noch willig, das Fleisch aber etwas schwach geworden. Ist halt so eine Geschichte mit den guten Vorsätzen. Jedenfalls habe ich mich doch noch aufgerafft und mich für das Advanced Diplom angemeldet. Isch geng das! Die erste Frage beim Eintrittstest war dann auch gleich: “why do you want to get an English certificate?” Eine bessere Antwort als “actually, I don’t know, maybe it’s because of the Finnish booze” fiel mir in diesem Moment irgendwie nicht ein.




Lazy days

Gerüchten zum Trotz bin ich weder untergetaucht noch habe ich mich aus der Daumenschraube-Redaktion verabschiedet. Auch ein Workaholic braucht mal ein paar ruhige Stunden. So verbringe ich derzeit einige Tage im hohen Norden, lasse mich von den Eigenarten der Landsleute inspirieren, gönne mir das eine oder andere Lapin Kulta und geniesse die hellen Nächte und die Leichtigkeit des Seins. Kurz: Aga haut ganz in finnischer Manier auf den Putz!

In diesem Sinne: Bis die Tage!




Unter das Volk gemischt

Ein weiteres seltsames Kapitel aus der Reihe “Reichtum schützt vor Dummheit nicht”:

Da wollte Carl Hirschmann medienwirksam “den Puls der Gesellschaft spüren in dieser wichtigen Zeit” und mischte sich mal so ganz spontan und neugierig unter die 1. Mai Demonstranten um zu sehen, wie das Proletariat so feiert. Diese soziale und noble Geste wurde dann auch prompt an der unbewilligten Nachdemo mit einer Ladung Gummischrot belohnt (ich kann mir an dieser Stelle ein klitzekleines Lächeln echt nicht verkneifen). Carl Hirschmanns erstaunliche Erkenntnis: “Wrong place, wrong time”. Wo er Recht hat, wer konnte denn auch ahnen, dass  ausgerechnet am 1. Mai in Zürich die Demo ausarten wird….wirklich dumm gelaufen.

Ist irgendwie erbärmlich, nach der ersten Demoerfahrung gleich weinend zum nächsten Journi zu rennen und seine Leidensgeschichte zu publizieren. Zumal das Ziel, “den Puls der Gesellschaft zu spüren“, ja ziemlich offensichtlich erreicht wurde. Deshalb mein Tipp: Das nächste Mal wieder gemütlich beim Sechseläuten mit den Zünftlern mitmarschieren und das Demonstrieren den Leuten überlassen, die wirklich etwas zu sagen haben.




Zuggeschichten

Aus der Reihe:

Agamobil


Diese Woche im Zug von Neuenburg nach Bern. Mir gegenüber sitzen zwei ältere Damen – nennen wir sie der Einfachheit halber klischiert Rösi und Klärli – , das AHV GA schon fest in den knorrigen Händen, damit dieses sofort dem Kondukteur unter die Nase gehalten werden kann.

Rösi: Du, der Housi sieht ja ganz schlecht aus. Ganz schlecht.
Klärli: Uhh ja, der war gar nicht zufrieden mit dem Essen im Spital. Und mit den Schwestern konnte er es auch nicht. Nur das schwarze Meitli war eine liebe. Hat er gesagt. Hat sich gut gekümmert um den Housi.
Rösi: Jäja, die müssen halt auch sparen im Spital, gell. Ich habe ja auch immer noch Probleme mit meinem offenen Bein…
Klärli: Dem Dr. Meier hat mein Husten auch nicht gefallen. Aber das kommt halt mit dem Alter, gell. Immerhin können wir noch solche Reisli unternehmen. Da muss man zufrieden sein.
Rösi: Jäja….hmhm…schau mal wie schön die Blumen blühen!
Klärli: Uhhh ja…schön…
Rösi (zu mir): Frölein, gellen Sie, das ist schon der Zug nach Bern?
Ich: Kopfnick, jäja!
Rösi: Jetzt dachte ich schon…wir sind drum aus dem Zürcher Oberland und da kennt man sich im bernischen halt nicht so aus, gell Klärli!
Klärli: Jäja…schau mal das wunderschöne Bauernhaus mit den Geranien, das sieht ganz ordentlich aus!
Rösi: Da merkt man halt schon, dass man in der Schweiz ist. Alles so schön aufgeräumt.
Klärli: Hä ja, das wurde uns ja auch gelehrt, gell! Ich muss dem Spitex Frölein auch immer zeigen, wie man den Boden richtig aufnimmt. Die jungen Meitli heute können das ja nicht mehr. Die können ja auch nicht mehr richtig kochen. Da erstaunt es mich nicht, dass heutzutage so viele wieder scheiden. (Zu mir) Gellen Sie Frölein. Sind sie denn auch verheiratet?
Ich: Kopfschüttel, nenei…Aber ich kann kochen…
Rösi: Henusode, der Frühling ist wunderschön. Nicht so heiss wie im Sommer. Hmhm…
Klärli: Jäja…


Bisher in Agamobil erschienen:
  1. Junge, Junge…
  2. Erziehung mal anders
  3. Zuggeschichten




Jung und willig

Es ist ja bekanntlich immer etwas schwierig, wenn ältere Semester sich der Jugendsprache bedienen um ihrem Ausdruck eine flotte Note zu geben. Das dies zeitweilig in eine – in diesem Falle wohl nicht ganz beabsichtigte – komische Richtung gehen kann, zeigt ein Auszug einer gestern im Bund publizierten Todesanzeige:

Ein Schelm, der Böses dabei denkt…




Schwein gehabt

arme sau

arme sau

Man nehme

- ein armes Schwein
- einen viralen Infekt
- eine grosse Portion Angstmacherei
- eine Prise Spekulation
- ein paar schreibwillige Journalisten

Einmal gut umrühren und fertig ist das mediale Süppchen. Ein dankbares Thema, nachdem die Wirtschaftskrise nicht mehr allzu viel Stoff hergibt. Bon appétit…




Real pacman

Um jeglichen Spekulationen vorzubeugen: Nein, es handelt sich bei den Protagonisten nicht um die Daumenschraube-Redaktion…