Und wer denkt an Graubünden?

Der Herr Gaddafi, der ist ja ein Lausbub.

Zuerst liess er den Bundesmerz ein lustiges Tänzchen aufführen und lachte sich wohl den revolutionären Arsch wackelig, als er das Schweizer Medienecho darauf vorgelesen bekam. Und dann steht in der Zeitung, dass er der UNO-Vollversammlung (der Libyen nächstes Jahr übrigens vorsitzt) vorschlagen will, die Schweiz, den alten terroristischen Schurkenstaat, zu zerschlagen und auf die Nachbarländer aufzuteilen: die Deutschschweiz den Deutschen, die Frankophonen an Frankreich, das Tessin an Italien.

Gut, der Vorschlag wurde bereits zurückgezogen, weil er die die Satzung der UNO verletzt. Aber ist das nicht gar kleinlich? Weil, man muss ja zugeben: dies würde einige Probleme lösen. Das ganze strukturschwache Zeug ginge an Frankreich (die bekämen dann ja schliesslich auch Genf zum Ausgleich), die Tessiner sind eh wöhler in Italien und mit dem neuen Steuerabkommen sind wir ja sowieso irgendwie schon fast ein bisschen Deutschland. Herr Gaddafi ist hier also durchaus visionär, wenn nicht gar revolutionär. Aber das ist er ja sowieso schon, der Herr Revolutionsführer.

(Da fällt mir ein: Gaddafi sieht ein bisschen aus wie meine verstorbene Oma. Also, als sie noch gelebt hat, meine ich jetzt. Können wohl beide nix für, ausser dass sie beide ein Faible für Sonnenbrillen aus den 70ern haben. Bzw gehabt haben. Und übrigens hätte die ganze Libyen-Affäre gar nie stattgefunden, wenn wir den Bundesmerz vor seinem Besuch in Tripolis mit ein bisschen Lametta und einem lustigen Generalissimo-Hut eingekleidet hätten, weil do in Rome like the Romans do. Das aber nur ganz nebenbei.)

Blöderweise, bei allem VisioRevolutionismus, hapert es mit der Allgemeinbildung beim Herrn Führer. Weil, bei seiner klugen Raumaufteilung hat er die Bündner total vergessen. Scheisse auch. Die Daumenschraube hat sich mal so unverbindlich erkundigt, ob allenfalls Liechtenstein (noch so ein Streitpunkt) die Bündner übernehmen würden. Leider kam da schon eine Absage, man habe schon jetzt kaum genug Briefkästen für alle EinwohnerInnen und man studiere ebenfalls an einem Anschluss ans Reich herum, sie haben deshalb kein Interese am Graubünden. Auch Österreich will nicht: man habe bereits genug starrsinnige Bergler und Steinböcke finde man per se schiach, also naa und schleichts eu, seavus.

Schade eigentlich.

Eine Möglichkeit wäre natürlich, Graubünden zu einer libyschen Exklave zu machen. Mit dem vom Bundesmerz verbockten ausgehandelten Vertrag wäre das kein Problem; wir haben ja neu schon libysches Recht hier. Ausserdem, wenn man einen Bündner mit einem Bettlaken und einer Porno-Sonnenbrille ausstaffiert, dann sieht der voll aus wie ein libyscher Revolutionsführer, merkt jetzt keiner den Unterschied. Reden tun beide in unverständlichem Idiom, also bitte. Jetzt müsste man den Laden nur noch in “Grübien” umbenennen und fertig wäre der Kuchen.

Ist halt alles eine Frage der Definition. So wie bei den Geiseln: die sind neu Geschäftsleute auf Libyenbesuch, die zufälligerweise Visa-Probleme haben. Auch der Bundesmerz-Besuch ist als Erfolg zu werten, schliesslich haben wir unsere Geiseln bereits nach zwei Tagen aus dem Gefängnis gehabt, während andere Länder ihre Krankenschwestern jahrelang in Kerkern schmoren lassen – sch’gengdas.

Und so ist wohl auch Merz’ Ankündigung, er werde sein Gesicht verlieren, wenn die Geiseln (pardon: Geschäftsleute) bis am 1. September nicht zurück sind, zu verstehen: nicht als konkrete Zusage, sondern als Wunschvorstellung.


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