Romand mon oeil!

Es ist kompliziert. Eigentlich bin ich ja der alte Schwede, ich könnte aber auch ein alter Romand sein. Oder ein Franzose, oder ein Norweger, oder ein Schweizer mit etwa fünf verschiedenen europäischen Nationen in seinem Blut vereint, wer weiss das schon ganz genau?

Tatsache ist, dass gestern im Club auf SF1 um die Frage “Was ist ein echter Romand?” (im Zusammenhang mit der anstehenden Wahl eines Nachfolgers vom alten Kuschbrot) diskutiert wurde. Ich habe mir in etwa die ersten 15-20 Minuten der Sendung angetan, danach wusste ich (zumindest gefühlt) bescheid.

Besonders negativ aufgefallen ist mir Claude Ruey, der wirklich alles erdenkliche dafür tat, als romand-rassisches Arschloch mit ganz komischen Anwandlungen bezüglich seines Romand-Daseins aufzufallen. Positiv aufgefallen ist mir der scharfzüngige Jean-Martin Büttner, der Claude Ruey und besonders die historische Konnotation seines “Romands” ziemlich angriff. Gut so.

Wer aber waren die wirklichen Sieger des Abends? Natürlich die Bastarde! Diejenigen, die zwischen den Welten gehen, die beides kennen, die sich in beide Seiten einfühlen können. Also wir.

Ein Weltengänger würde sich nie um solch eine relativ stupide Frage kreisen. Warum kann man nicht einfach die Person nehmen, die am meisten nach vorne schaut, die die besten Ideen hat, die diesem Land effektiv dienen will?

Genau das war meiner bescheidenen Meinung nach die Quintessenz der gestrigen Sendung, auch wenn ich sie, zugegebenermassen, nicht fertig gesehen habe. Ich bekomme immer noch Vögel, Pickel, Würmer, wasauchimmer, wenn irgendwelche Leute mit einer bestimmten “Herkunft” die selbige glorifizieren und allgemeingültige Werte daraus heraufbeschwören. Der Begriff des Romands und die Entstehung dessen ist mit einer Geschichte des Rassismus (siehe die 30er und 40er Jahre im Welschland) und der Ausgrenzung verbunden.

In diesem Kontext kann die Frage nicht wirklich lauten: brauchen wir einen Romand im Bundesrat?, sondern sie muss lauten: Bekommen wir bitte einen fähigen Schweizerbürger zum Bundesrat, der ein gutes Gespür für die Westschweiz und Lebenserfahrung in derselbigen hat? Solche Leute hat es in diesem Land glücklicherweise genug, und sie müssen halt auch nicht zwangsläufig aus der Romandie stammen, so viel ist klar.

Merci, circulez, il y a rien à voir.


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