Verschneit
Schnee wird ja generell ein wenig überschätzt, ist es doch nichts anderes als eine Form von Niederschlag mit sehr unterschiedlichen Ausprägungen. Gut, ein frisch verschneiter Wald an einem sonnigen Neujahrsmittag ist etwas ausgesprochen Schönes. Ein Gang durch eine graue und vermatschte Innenstadt inklusive Matschspritzern von Lkws bis aufs Trottoir hingegen ist eine Plage. Und doch reden wir von der praktisch gleichen Sache, Wasser in kristallinem Zustand.
Man muss sich ja mal vergegenwärtigen, dass eine ganze Industrie darauf setzt, dass dieser bessere Regen sich jedes Jahr wieder auf die Berge legt. Und darauf Myriaden von willigen Wintersportlern mit tausenden von Unfällen die SUVA beinahe in die Insolvenz treiben, von den Staus morgens und abends gar nicht zu sprechen.
Gut, vielleicht spricht da auch ein wenig meine schwedische Vergangenheit aus mir heraus, aber ich habe vor meiner gesellschaftlich-finanziellen Flucht in die Schweiz wirklich jedes Jahr während mindestens sechs Monaten inmitten von Kubikmetern von Schnee gelebt. Das ist irgendwann nicht mehr so romantisch. Und im durchorganisierten urbanen Raum hat ein überraschender Schneefall das Potenzial, innerhalb von einer halben Stunde einen generellen Notstand zu provozieren. Da drehen die Leute vorzugsweise gleich im Rudel durch, erfahrene ÖV-Benutzer berichteten wiederholt von kannibalistischen Handlungen unter Passagieren.
Da kann es eigentlich nur eine Antwort darauf geben: Gelassenheit.
Womit wir bei meinem ultimativen Tipp für 2009 angelangt wären: Wenn die Welt am durchdrehen ist, dann entspannt man besten ein wenig. Tönt zwar antizyklisch, ist aber sehr effizient. Und solange der Boden nicht unter den Füssen nachgibt, gibt es beileibe keinen Grund, hysterisch zu werden.
In diesem Sinne wünsche ich der werten Leserschaft ein entspanntes 2009 mit vielen guten Momenten und einer ruhigen Hand für nachhaltige Entscheidungen.


