Kuriositäten aus der Hauptstadt

Auf ins Getümmel, denke ich mir, und weiss bereits zu diesem Zeitpunkt, dass dies wohl eine, na ja, sagen wir mal nicht so blendende Idee ist. Aber dem Konsum muss gefröhnt und das Geld unter die Leute gebracht werden. Frei nach dem Motto: Wir trotzen der Finanzkrise!

Ein Warenhaus und unzählige Ellbogenstösse und kreischende Kinder später, breche ich das Experiment Einkauf resigniert ab. Überall Konsumopfer am Rande des Nervenzusammenbruchs. Egal, dann gibt es halt dieses Jahr wieder einmal keine Geschenke. Irgendwie werde ich meinem Patenkind schon beibringen, dass diese Konsumgüter viel zu wichtig genommen werden und Weihnachten nur eine Erfindung der Spielzeugindustrie ist.

Draussen sieht die Welt schon wieder anders aus. Es schneit in wunderbar grossen Flocken und ich fühle mich sofort zuhause. Aga, das alte Nordlicht, perkele!

Ich bleibe vor dem Bundeshaus stehen. Das Wahltheater ist vorbei und damit auch die vage Hoffnung, dass doch noch alles anders kommen könnte. Egal, es ist wie es ist. Und überhaupt. Wobei ich die Aussage vom Hanf-Ueli, “Frauen und Umwelt verursachen nur Aufwand und Kosten” ziemlich legendär finde. Solch ein weltoffener Zeitgenosse hat ja wohl nichts anderes verdient, als unser Land mitzuregieren! Wie wärs denn mit der Abschaffung des Frauenstimmrechts als nächster Schritt? Wird eh überbewertet…

Etwas weiter in der Innenstadt begegne ich schon der nächsten Grausamkeit: Alljährlich um diese Zeit bewaffnen sich die Heilsarmisten mit Gitarren und Triangel, schmieren ihre Stimmbänder, ziehen musizierend herum und den Leuten das Spendengeld aus der Tasche. Eine leichte Aggression macht sich in mir breit. Ich verweise auf die Strassenaktivitätenverordnung, Art. 3 Abs. 1 “Kulturelle Strassenaktivitäten dürfen nicht zu unzumutbaren Belästigungen führen…” Wenn diese Frömmler mal keine Belästigung darstellen, dann weiss ich auch nicht. Diese grinsen weiterhin von Gott erleuchtet und dümmlich vor sich hin. Oh du Fröhliche…

Ich habe genug, gehe nach Hause, lasse die Welt hinter mir, schliesse die Augen und konzentriere mich nur noch auf die Stimme von Sophie Hunger. Wunderbar.


One Response to “Kuriositäten aus der Hauptstadt”

  1. Reto



    Yes, Hunger rulez! Auf jeden Fall Sophie. Wenn auch Bang-Bang auf dem Album fehlt …

Leave a Reply

CAPTCHA-Bild