Päng
Das muss ich mir mal in Ruhe auf der Zunge zergehen lassen.
Der hiesige Herbst wird jedenfalls spannend.
Das muss ich mir mal in Ruhe auf der Zunge zergehen lassen.
Der hiesige Herbst wird jedenfalls spannend.
War ja klar, dass sich ein verklemmt-konservativer Schreiberling nicht entblöden würde, zu den aktuellen Glaubenskrisen von gestandenen Verfechtern konservativen Gedankenguts (hier und hier) seinen Mist dazu zu karren.
Well, allow me to retort.
Wir haben das Argument “Die verstehen nichts von Wirtschaftspolitik” schon in anderem Zusammenhang geniessen dürfen (wenn der bei den anstehenden Wahlen mal nicht in deinem Füdli explodiert, Blochers Chrigel…), doch leider zündet dieses Argument ungefähr so gut wie ein frisch gebadeter Frauenfurz.
Muss ich den Unterschied zwischen Put und Call denn kennen, um dieses System der Wetten in der Hochfinanz völlig hirnbefreit zu finden? Muss ich im Detail wissen, wie die grossen Buben um Rohstoffpreise zocken, um das komplett bireweich zu finden?
Also bitte.
Es würde wohl keinem halbwegs gescheiten Linken einfallen, den Sinn von Handel, Kapital und Co. ernsthaft zu bezweifeln, und der real praktizierte Kommunismus ist auch schon ein Weilchen tot. Das hat sich in sozialdemokratischen Kreisen im Fall schon rumgesprochen.
Von konservativer Seite hingegen sind immer noch Lobeshymnen auf Frau Thatcher zu hören, die zwar die gröbsten Probleme in UK damals behoben hat, aber auch die Türen für hardcore-Kapitalismus der niederen Art geöffnet hat. Die Tories unter John Major haben dann den Rest erledigt.
Back to zero, rinse and repeat.
Oder vielleicht doch lieber ein Zitat aus weiter oben erwähntem Artikel gefällig?
“Genau besehen ist die Geschichte des Kapitalismus eine einzige Abfolge von Boom und Crash”
Toll, und das macht jetzt jede Kapitalismuskritik überfällig, oder wie? Ist das der Grund, warum man vielleicht nicht ein klitzekleines bisschen an dem System schrauben sollte, damit nicht jeder Depp seine Pensionskasse an der Börse verjubeln kann?
Ich erinnere hier nur am Rande an Andreas Thiel, der sich ebenfalls nicht entblödete, sein pseudoliberales Gedankengut rauszuposaunen, währenddessen Pensionskassen-Guthaben im Tempo von Taschentüchern abbrannten. Keine Spur von Selbstkritik, während des eigenen Geistes Kinde in der Wirtschaft amok läuft.
Bleibt noch das Argument “selbst Schuld, wenn man sein PK-Guthaben ins Wirtschaftscasino trägt”.
Wer hat den Leuten denn diese Empfehlungen gegeben? Wer zum Teufel will denn keinen Reibach machen?
Ich gehe schliesslich auch zum Arzt, wenn Hausmittel nicht mehr helfen. Mein Hausarzt hat mir jedenfalls bis dato noch kein lebensbedrohliches Gift verschrieben.
Nein, was mich unglaublich fest im Arsch schmerzt, sind diese völlig übertriebenen und komplett sinnbefreiten Systeme, wo man auf den Preis von lebensnotwendigen Rohstoffen wettet, wo Leute dazu verführt werden, mit ihrer Rente Roulette zu spielen, wo man auch als halbintelligenter Mitbürger einfach keinen Plan mehr hat, was wo durchläuft und wer wieviel kassiert.
So was geht einfach gar nicht.
Wir brauchen ein Wirtschaftssystem, dass alle zockwilligen und deregulierungsgeilen Hardliner in einen (örtlich wie von der Restwirtschaft) isolierten Ort abschiebt, wo sie tun und lassen können, was sie wollen. So eine Art Casino für Kapitalismus-Irre, am besten mit integrierter Self-Service-Euthanasie-Station für die ganz gross Gescheiterten.
Aber bitte, for fuckin’ fucks sake, lasst die Restwelt mit dem Scheiss in Ruhe.
Bin bekennendermassen kein Fan der Linken, obwohl ich denen eindeutig mehr zustimme als dem rechten Rand im grossen Drama der Politik. Und Aufzeichnungen von Reden im Deutschen Bundestag schauen ist auch kein Hobby von mir, da fällt mir nur schon beim Gedanken daran das Gesicht ab.
Aber es gibt sie, diese Momente, wo die real herrschenden Verhältnisse für einen Deppen wie mich absolut verständlich und nachvollziehbar erklärt werden.
Einen solchen Scoop hat der werte Gregor Gysi gelandet, auf Umwegen bin ich auf eine Rede von ihm gestossen. Irgendwie kann ich das nicht für mich behalten, also bitteschön:
Mahlzeit.
Iron Maiden ist eine Band, die ich als pubertierender Jugendlicher durchaus zu schätzen wusste. Mittlerweile kann ich das bei Nüchternheit natürlich nicht mehr ernst nehmen, aber heute lassen wir eine Fünf mal gerade sein.
Ich erinnere mich noch ganz schwach daran, wie ich mal mit dem Herrn Beinhart darüber sinnierte, dass man Wasted Years unbedingt in einer Bossa Nova Version reproduzieren müsste.
Ich wurde erhört, wenn auch nur zum Teil.
Denn Andy Rehfeldt hat das produzieren von Remixes inklusive Videodub zum Hobby und gehört offenbar zu den besten seiner Zunft.
Zu meinem grossen Vergnügen hat er sich unter anderem Iron Maiden vorgeknöpft.
Das Resultat finde ich sensationell, daher Bühne frei für Virgem De Ferro mit El Tropa:
Mahlzeit!
Kulturpessimismus ist eigentlich nicht so meins.
Doch jüngst hatte ich wohl so etwas wie eine kleine Krise in meinem Optimismus-System. Jedenfalls war mein Flow irgendwie komisch an dem Tag.
Erst war der Blätterwald voll mit Sperminators freakiger (ex-)Haushälterin, irgendwo posierten Floncine Jordast total verliebt bis verblödet, der Toni Rominger schaute eine Spalte daneben ohne Hund traurig ins Nirgendwo und mitteilungsbedürftige Nobodies gaben ihren Senf ab zur Frage, bis zu welchem Oberschenkeldurchmesser man Leggings tragen darf.
Schlagartig wurde mir klar: Fukushima ist auf einem anderen Planeten, der Klimawandel ist ein Lüge und Rihanna ist die Göttin des zeitgenössischen Entertainments.
Gut, vielleicht sollte ich meinen Prinzipien besser treu bleiben und es sein lassen, den Blick zu lesen. Was ich eigentlich fast immer tue. Oder eben sein lasse, je nach Blickwinkel.
Item, auf jeden Fall fand ich es in besagter Situation eine gute Idee, doch lieber zu SPON zu wechseln und mir den Feuilleton zu gönnen. Ein bisschen Kultur und so.
Mein Flow baute sich wieder auf zu seiner üblichen Geschmeidigkeit, dann stolperte ich über Frau Berg, genauer über eine ihrer Kolumnen. Nämlich diese da.
Danach war er wieder kaputt, mein schöner Flow.
Also tat ich, was ich in solchen Situationen immer tue. Ich wandte mich den bildenden Künsten zu.
Mein jüngster Erwerb in Form einer Silikatscheibe mit organisierten Klängen darauf nennt sich Insides und stammt aus der Feder von Jon Hopkins.
Was für ein grandioses Album. Die sorgfältig arrangierten und gefrickelten Sounds kitzeln das Ohr, streicheln den Bauch und lassen die Seele durch subtile, klickende und vor Strom bruzzelnde Landschaften schweben.
Etwas vom Besten, was ich seit langem gehört habe. Unbedingte Kaufempfehlung.
Wenn sich also der Weltuntergang ankündigt und alle hysterisch um ihr Leben rennen, werde ich mein mobiles Musikabspielgerät einschalten, die Kopfhörer überstülpen und mit einem epischen Soundtrack im Ohr still und andächtig verdampfen.
Soll mal einer sagen, ich wäre nicht vorbereitet.
Viel zu viel zu tun. Daher nur ein kurzes Intermezzo aus der Abteilung “breath to music”:
Mahlzeit!
Verleser der Woche:
Ach so, nein, ich dachte hier bloss, das wäre ein Verleser gewesen. Beziehungsweise: es war wohl mein Wunschdenken, das mir gesagt hat, dass dies bloss ein Verleser war. Und mit dem Wunschdenken, das weiss man ja, ist das immer so ein zweischneidiges Schwert.
Das wird auch Nadine Masshard noch merken, ihres Zeichens im Herbst Kandidierende für den Nationalrat. Frau Masshard hat einen Haufen Kollegen zusammengetrommelt und einen tollen Werbefilm ins Internetz gestellt, bei dem man sich das Zürcher SP-Zebra wieder sehnlichst herbeiwünscht. Immerhin konnte das Zebra (wenn auch nur züri-)deutsch und immerhin wirkte das Zebra nicht ganz so hirn- und blutleer wie die DarstellerInnen des Masshard’schen Werbefilmchens.
Fragen, die sich beim Betrachten des Films spontan stellen:
Aber wir wollen den Film jetzt nicht weiter rezensieren, es gilt ja schliesslich nach Fukushima: Hauptsache “äckolotschikäl”.
Letzthin erzählte mir jemand von jemandem, dem vom Chefredakteur eines der einflussreichsten Print-Magazine der Schweiz “lebenslanges Schreibverbot in dieser Publikation” ausgesprochen wurde. Jetzt mal ernsthaft: wie verdammt endgeil ist das? Wenn ich wählen könnte, ob ich zB lieber in der “New York Times” publizieren oder von selbiger ein lebenslanges Publikationsverbot ausgesprochen bekommen wolle, ich würde keine Sekunde zögern, mir das Verbot schriftlich bestätigen lassen, es rahmen, mit mir herumtragen und es hegen und pflegen und stolz jedem zeigen, der mir auf der Strasse begegnet, unabhängig von dessen Wille oder Kooperation.
Stellt euch doch mal nur folgende Visitenkarte vor:
Dschango Beinhart
Autor(Hat lebenslanges Schreibverbot in der “Weltwoche”.)
Oder, noch besser:
Dschango Beinhart
Autor“Welches VERDAMMTE ARSCHLOCH hat dem ÜBERHAUPT eine Kolumne gegeben?!?”
(R. Köppel)
Sorry Leute, gebt mir Whirlpools voll Koks, schnelle Autos, vierzig Jungfrauen, ein Pferdegestüt und dazu noch Roger Federer als persönlichen Balljungen – ich würde alles zurückweisen, dürfte ich mich stattdessen mit so einer Visitenkarte schmücken.
Was damit nur sehr weit aussen am Rande etwas zu tun hat, ist, dass ich und mein Schurni-Kumpel neulich merkten, dass wir beide eine gleiche Beobachtung gemacht haben. Und zwar insofern, als dass immer mehr Leute, wenn sie doch eigentlich von sich selbst erzählen, in der dritten Person berichten: man ist frustriert, man war extrem schockiert, man musste sich am Riemen reissen, wenn es doch eigentlich das Ich ist, das da seine Seele ausbreitet.
Des Schurnis These war, dass das unpersönliche “man” als emotionale Notbremse dient, um eine gewisse Distanz zwischen dem Erzählten und dem Erzähler zu bringen. Dies vor allem bei Geschichten, die für den Erzähler schwierig zu akzeptieren sind, tief in seinem Innersten wühlen und leichter aus der Distanz des Beobachters wiederzugeben sind. Gleichzeitig, so merkte er an, gleichzeitig dient das “man” auch als Berufung auf eine Authorität: wenn ich beim Fischen Regenwürmer gegenüber Mehlwürmern bevorzuge, ist das eine Meinung. Wenn man Regenwürmer nimmt, ist es allgemein anerkannter Fakt. Er ergänzte seine Beobachtung mit der Bemerkung, dass er dieses Verhalten vor allem von mittelständischen Agglomerations- und Talschaftsbewohnern her kennt.
Die Beobachtung des Phänomens an sich konnte ich bestätigen, jedoch fällt mir diese Tatsache vor allem im Umfeld von Doku-Soap-Prolo- und sonstigem Infotainment-TV-Müll auf. wo man halbstundenweise mit indirekter Rede belästigt wird, dabei geht es doch eigentlich um den Erzähler, vom Erzähler selbst erzählt. Subjekt ist das Stichwort hier, direkte Rede. Meine These war also, dass dies eine Art sprachliches Mem darstellt, das, einmal spontan aufgetreten, sich nun über die TV-Netze verbreitet und damit traurigerweise Eingang in den allgemeinen Sprachgebrauch findet.
Gut, ich verbringe jetzt, sagen wir mal, deutlich weniger Zeit in bäuerisch geprägten Agglomerationsgemeinden als mein Schurni-Kumpel. Konkret verbringt er ungefähr gleichviel Zeit in Hägerfultiwolfenosterkringen wie ich im Prolo-TV. Genauer: bei der Betrachtung desselben. Und nur so kann ich mir erklären, dass ich meinem Schurni natürlich Recht geben muss (so ein Studium lohnt sich hin und wieder eben schon!), weil mir der klassische Fehler unterlaufen ist, dass ich Ursache (wut ze Schurni sed) mit Wirkung (Prolo-TV) verwechselt habe.
Eieieieieiei. Da hat mir wohl der Kulturzyniker in mir einen Streich gespielt.
Dasselbe ist wohl auch der Knalltüte passiert, die – wie so viele Knalltüten vor und wohl noch unzählige nach ihr – den Weltuntergang vorhergesagt und ihn anschliessend wieder verschoben hat.
Wirkung: Weltuntergang.
Postulierte Ursache: Gott.
Tatsächliche Ursache: Wunschdenken.
Autsch, und schon steckt man in der argumentatorischen Zwickmühle. Besagte Knalltüte hat jetzt nochmal nachgerechnet und den Weltuntergang auf Oktober verschoben; letztes Wochenende hat einfach mal das Jüngste Gericht begonnen, wo Jesus die Schafe von den Böcken trennt. Und wenn man sich mal anschaut, wie lange so Prozessvorbereitungen schon nur auf Erden dauern können, wo es im Vergleich zum Richten über die gesamte Menschheit nur um Pipifax geht, kann man sich vorstellen, dass das schon ein paar Wochen in Anspruch nehmen kann, bis die da soweit sind und mal die paar ersten verdammen können. Also: Geduld ist angesagt.
Meine Theorie ist ja, das der Apokalypt einfach auf Zeit spielt. Getreu dem Motto: die Welt, das bist du. Und die Welt geht dann unter, wenn du untergehst. Hach, jetzt werden wir aber arg philosophisch hier, das hält auf Dauer ja keine Sau aus. Welche uns über Umwegen zu unseren vierbeinigen Freunden bringt.
Diese Annonce, gefunden in der Länggasse, bekommt den soeben geschaffenen “Dschango lacht sich an der Busstation den Ranzen kaputt und kriegt sich nicht mehr ein”-Award, mit Zusatzpunkten in den Sparten Kreativität und Lolwut:
Würde dort tatsächlich eine Telefonnummer stehen, ich täte ja sowas von anrufen und wenn schon nicht die “Katze” abholen, so doch einen Kasten Bier spendieren.
Und wenn wir schon in der Tierwelt angelangt sind: letzthin musste ich mich über meinen Hasen ja sowas von ärgern. Beim Gang aufs WC stiess ich mir nämlich den Fuss am Altpapierständer, weil sich dieser auf der Wegstrecke zum WC befindet und meine Wenigkeit mit viel Elan und wenig Aufmerksamkeit um die Ecke geschossen kam. Keine Sorge, bis hierhin ist Hase noch komplett unschuldig und mein Ärger bezog sich da noch auf die Massenträgheit von Altpapierständern und fehlende Knautschzonen an Füssen. Beim Reiben meiner Extremitäten, hilflos am Boden liegend, fiel mein Auge aber auf den Altpapierständer, und was musste ich da, lieblos weggeworfen, entdecken? Den Jahresbericht 2010 der Zahnmedizinischen Kliniken der Universität Bern!
Manchen wird nun immer noch nicht klar sein, warum ich Hase in der Folge zürnte, deshalb helfe ich euch auf die Sprünge. In besagtem Jahresbericht nämlich, da steht einiges an Interessantem und Wissenswertem. Beispielsweise steht da, dass im 2010 an der Klinik für Zahnärtzliche Prothetik eine Dissertation abgeschlossen wurde, die den folgenden schönen Titel trägt:
Untersuchung zur Zementierung von Einzelzahnimplantatkronen unter Berücksichtigung des Abutmentdesigns: Haftkräfte von zehn Zementen bei Implantatrekonstruktionen nach 48-stündiger Lagerung in 0.9%iger NaCl-Lösung bei 37°C: eine In-vitro-Studie.
Hallo? Wie geil ist das denn? Davon muss die Welt doch wissen! Es kann doch nicht angehen, dass solche Informationen einfach mir nix, dir nix, im Altpapier verschwinden! Alleine das Wort “Abutmentdesign”: gäbe es das Wort nicht bereits, man müsste es dringend erfinden!
Nun steht aber das Wochenende vor der Tür (bzw, es ist bereits in der Wohnung und fläzt auf dem Sofa) und ich möchte, um oben beschriebenen Ärger zum Vorteil aller Betroffenen etwas zu mildern, noch ein pikantes Detail aus des Dschangos amourösem Nachrichtenverkehr erzählen. Neulich smste (so sagen die Jungen heute doch, oder?) ich Hase nämlich den folgenden Text:
bi hüt im studio, ha do so ne hookline, womer nüm usem gring goht…
Antwort von Hase:
was o immer e hookline isch, houptsach si het keni brüscht, de hesch mi säge…
Fragt sich noch irgendjemand, warum ich diese Frau liebe?
Nachdem der Weltuntergang jetzt doch noch um fünf Monate verschoben wurde, können wir ja getrost weiterbloggen. Schwein gehabt, das war ja haarscharf! Ärgerlich nur, dass nicht ich auf die geniale Idee gekommen bin, dem Beruf des Predigers nachzugehen und mittels lustigen Prognosen die Gläubigen um die Ersparnisse zu bringen. Scheint mir ziemlich lukrativ, zumal der Spruch “das letzte Hemd hat keine Taschen” bei dieser Spezie offensichtlich immer zieht. In diesem Sinne: Respect, Mr. Camping!
Nun denn, erstaunt hat diese Tage wahrlich etwas anderes: Die maskuline, testosterongesteuerte Medienpräsenz war zuweilen kaum erträglich. Kurz: Der Arnie hat mit der “Miss Cleaning Lady 1995″ einen kleinen Terminator gezeugt, welcher sich bei diesen Genen wohl auch ein Leben lang wünschen wird, seine Mutter hätte stattdessen bei Charlie Sheen geputzt. Ziemlich witzig finde ich ja auch die Begrüssung auf Arnies Website, welche denn lautet: “Stay tuned for my next move”. So harren wir gespannt der Dinge, die da noch kommen mögen…
Dominique Strauss-Kahn hingegen wollte die Putzfrau nicht schwängern sondern nur vergewaltigen. Hier spielte eine verherrende Mischung aus Macht, Selbstgefälligkeit und -überschätzung zusammen, welche in den meisten Fällen bekanntlich einen tiefen Fall generiert, gellen Sie Monsieur DSK! Vraiment dégoûtant, würde da selbst der werte Monsieur Punaise sagen.
Und wäre das alles nicht genug, lese ich doch tatsächlich heute im journalistisch wertvollen Blick am Abend die Headline “Was Rocker in der Hose haben”. Untertitel: “Steven Tyler hat die Latte hoch gelegt”. Bitte? Nein, ich will nicht wissen, wieviele Frauenhände es benötigt, um Steven Tylers bestes Stück komplett zu bedecken und schon gar nicht, wessen “Bandnudel auf Tauchstation geht”.
Too much information!
Ha!
Ging also doch schneller als erwartet, die Sache mit dem Familienbusiness, da oben in Schweden. Kalt war’s auch, nur so nebenbei.
Dank dem lieben Punaise, der seinem Ruf als verpeilter Kulturfuzzi wieder mal völlig gerecht wurde und jede Deadline erfolgreich zu überschreiten wusste, war die Dreifaltigkeit auf dem Schräubchen gewährt.
Merci anyway, mon cher, wenn du schon mal einen Account hast, dann kannse auch gleich hier bleiben, ne!? Dann wird die Dreifaltigkeit halt eben zu einer Quadrille. Ihr hört also noch von JB, aber fragt bloss nicht wann.
Ja, und wenn man sich mal hier umsieht…
Die lieben Gründer-Kollegen von der Redaktion scheinen ja alle beide momentan einen regelrechten Höhenflug zu geniessen, da komme ich gerade recht, um das allgemeine Niveau wieder ein bisschen an die Realität anzunähern. Kann ja nicht ewig so weitergehen, wer braucht schon einen Pulitzer-Preis?
Eben.
Genau das oder ähnlich habe ich gedacht, als ich diesen Quatsch bekommen habe. Mannmannmann.
Wenn man lieber Schulbuben verklagt als anständige Sicherheitssysteme zu bauen, dann passiert so ein Mist eben. Auch toll, dass man erst nach langem Zaudern und Zögern an die Kunden herangegangen ist, danke bestens.
Mein Pech, dass ich jetzt Freunde dazu auffordern durfte, ihre Kreditkartenabrechnungen die nächsten Monate bitte etwas genauer unter die Lupe zu nehmen.
Nicht gerade heimelig.
Da habe ich übrigens gestaunt. Meine lieben Nachbarn, die Dänen, drehen schon fast ein bisschen durch, jedenfalls Teile von denen. Anders kann man sich solche Sachen nicht erklären.
Oh mein Gott, die Finnen waren ja auch noch. Man fragt sich auch hier: War es zu viel Lapin Kulta oder sind da ein paar Leute zu lange in der Sauna geblieben?
Echt abgefahren, was da politisch in Europa im Moment vorgelegt wird, man weiss gar nicht, wo man hinschauen soll.
Auch wenn die hysterische Fliege Longchamp im Bezug auf die herbstlichen Wahlen hierzulande bereits ihre Runden dreht, so sind die Helvetischen Hunde grösstenteils doch noch am schlafen, zumindest an der Leine.
Mal sehen, wie es tönt, wenn die Scharfmacher warm gelaufen sind.
Top-Verleser diese Woche:
Es muss daran liegen, dass die Christen mal wieder ihren Gott an die Latten genagelt haben, was am Freitag ja bekanntlich geschehen ist:

Und jetzt alle!
Da geht es mir schon bedeutend besser, weil mein Gott kam am Freitag persönlich nach Bern in den Dachstock und rockte das verdammte Haus. Jawoll, Beardyman war bei uns und ich hatte die Kaoss-Pads Gottes ungefähr 50 Zentimeter vor meiner Nase. Es war die Sensation, auch wenn man den Eindruck hatte, dass Beardy nicht wirklich topfit war – die Interaktion war auf ein Minimum beschränkt (“put your hands up in the air” und “make some noise” in der Endlossschleife), was daran gelegen haben mochte, dass das bescheuerte Berner Publikum auch nach der zweiten Erklärrunde nicht in der Lage war, des Künstlers Namen ordentlich zu schreien. Für alle deshalb nochmal zum Mitschreiben: er heisst weder “Birdyman” (*tschilp*) noch “Beerdyman” (*glugg*) – got it?
Aber mit diesen ausländischen Sprachen ist es halt ein weites Minenfeld. Das musste auch der Bund-Schurni erkennen, der auf die Veranstaltung hinzuweisen sich bemühte. Ist ein Ane Hebeisen, seines Zeichens immerhin ehemaliger Gesangsbrüller der damals noch kongenialen Swamp Terrorists und Pionier in Sachen Sampling, zu uninformiert, zu gestresst oder einfach zu blöd, um 2 Sekunden Recherche zu betreiben und herauszufinden, dass des bärtigen Mannes Instrumente eben nicht Chaos-Pats (Chaos-Tätschler? WTF?), sondern Kaoss-Pads heissen? Was zugegebenermassen der Welt scheissegal ist und höchstens die Korg-Marketingabteilung und Nerds wie mich zu mehr als 2 Sekunden Nachdenken bringt.
Apropos Nerd: so einer war ja auch die Vorgruppe namens NEMOY. Ein verfetteter auch noch, der wahrscheinlich im Keller vom Mami haust und dort den lieben langen Tag Instrumente quält. Und das tut er gut! Der Mann schaffte es, in einem Set, das die hundertachzig Tage von Sodom in gefühlter Echtzeit abbildete, ganzganz viele Instrumente ganzganzganz schlecht zu spielen, und damit extrem langweilige Songs zu produzieren. Überraschende Momente gab es immer dann, wenn wieder mal ein Timing danebenlag (öfter) oder ein Sample ins Kraut schoss (ständig). Fehlendes Können wurde virtuos mit übersteuerten Bässen kompensiert, es war also ein eher zweischneidiges Vergnügen. Konsequent erhielt der Künstler auch immer am Ende eines Songs wahnsinnig viel Applaus, das lag aber daran, dass die Leute jedesmal meinten, die Qual hätte nun ein Ende. Der fette Nerd (übrigens sexy im Synthetik-Rollkrägeler – wirklich ein Outfit, das optimal zu jedem Körper und jedem Mass an individueller Schweissabscheidung passt) hatte aber mehr Ausdauer, als alle meinten. Kurz, bevor er von der Bühne geholt wurde, hörte er dann aber doch noch auf, was reihum als provisorischer Höhepunkt des Abends interpretiert wurde.
Übrigens kam der obligate Dachstock-Besucher, der mir jedesmal ein Bier übers T-Shirt leert, am Freitag nicht. Wahrscheinlich hatte er etwas besseres zu tun, Götter nageln oder so. Ist ja jedem unbenommen. Aber zum Glück hatte er eine Urlaubsvertretung geschickt, nämlich den obligaten Dachstock-Besucher mit üblen Blähungen, der das ganze Konzert vor mir steht. Konstante Begasung, gepaart mit opto-akkustischer Folter durch NEMOY – ich sage euch, sowas halte ich nur und ausschliesslich nur für Beardyman durch.
Oder für Hasengötter, selbstredend. Dass das Frühlingsfest der Ostera von fundamentalistischen Christen zu einem alternierenden Jammer- und Jubelfest umfunktioniert wurde, darüber kann man als aufgeklärter Zeitgenosse ja noch schmunzelnd hinwegsehen. Es ist aber definitiv genug der eitlen Possen, wenn Kleriker dem Hasen-Evangelium die Gültigkeit versagen:
Wer Ostern auf den Hasen reduziert, verliert diese Hoffnung auf ein Leben, das auch im Tod Bestand hat.
Der hat ja keine Ahnung – wie sollte er auch? Als ordentlicher Katholen-Kasperl wird er ja wohl keinen Hasen haben, bzw nur einen unsichtbaren, oder einen, von dem niemand wissen darf, schon gar nicht dann, wenn der Hase männlich und/oder minderjährig sein sollte. Also, Herr Stadtdechant, bei dessen Titel ich mehr an “dekantieren” denn an predigen denken muss, was aber wohl im Sinne des Worterfinders sein möge, das nächste Mal muss das Motto lauten, sich erstmal gründlich über Hasen zu infomieren, bevor man gross die Klappe aufreisst und der Welt zeigt, dass man genau überhaupt nichts verstanden hat. Man könnte auch mal vorgängig jemanden fragen, der was davon versteht. Soweit klar? Gut!
(Nebenbei: versteht jemand das obige Zitat? Ein Leben, das im Tod Bestand hat? Are you fucking shitting me?)
Aber zurück zu Göttern, die an Kreuze genagelt werden. Hase hat mich vorhin gefragt, warum man denn am Karfreitag eigentlich Fisch essen müsse und ich wusste da keine vernünftige Antwort drauf. Klar, Freitag ist sowieso Fischtag, weil Fasten und Leiden und Ohjeohje und so, aber warum ausgerechnet Fische? Macht irgendwie keinen Sinn.
Ich musste also Hase recht geben: am Karfreitag wäre das rituelle Verspeisen von Holzwürmern wirklich angemessener.
Interessant ist es, morgens aufzuwachen, und den Wettermann aus dem Radio sagen zu hören: “…es muss stellenweise mit Hodenfrost gerechnet werden“. In meiner Schlaftrunkenheit sinnierte ich über die Bedeutung des soeben Gehörten nach und kam zum Schluss, dass dies wohl ziemlich ungemütlich sein muss. Glücklicherweise ja nicht für mich, Schwein gha!
Da der angekündigte Hodenfrost erfreulicherweise auch für meinen Liebsten keine grossen Auswirkungen hatte, konnten wir getrost das geplante Konzert in Angriff nehmen. Dazu ist zu sagen, dass ich aus einer sehr musikalischen Familie komme. Um etwas präziser zu sein: Eigentlich hat die Muse so ziemlich alle geküsst ausser mich. Ich kann es verkraften. Die Band meines Bruders hatte also einen Auftritt an einer Mittelalterparty. Es war mir bis zu diesem Zeitpunkt weder bewusst, dass es tatsächlich eine aktive Mittelalterszene in der Schweiz gibt, noch hätte ich je Protagonisten derselbigen getroffen. An der Kasse konnte ich mir ein “Gewähret mir Einlass” nicht verkneifen und bei der Frage nach den Namen auf der Gästeliste, verkündete ich theatralisch: “Kunigunde!” Irgendwie waren jedoch die dort anwesenden edlen Recken ziemlich ernste Gemüter, welche nur ein genervtes Augenrollen für mich übrig hatten.
Es ist ja jetzt nicht so, dass ich noch nichts gesehen hätte. Aus alten Technozeiten sind mir Jungs mit Staubsaugern und ähnlichen abartigen elektronischen Geräten auf dem Rücken durchaus bekannt. Was ich aber an diesem Fest an Verkleidung zu sehen bekam, war der absolute Oberkracher: Die männliche Spezies wartete heroisch mit Pfeilbogen, Schwerter und Lanzen, Helmen und Schnabelschuhen auf, die holde Weiblichkeit kokettierte mit Häubchen und langen Gewändern. Es passiert mir nicht oft, aber ich muss zugeben, irgendwie war ich wohl mit Jeans und T-Shirt ein klitzekleines Bisschen underdressed. Tussi meets Burgfräulein, oder so.
So standen wir also mit unseren gefüllten Trinkhörnern etwas abseits und beobachteten fasziniert das Geschehen. Unsereiner steht ja üblicherweise kopfnickend an einem Konzert, wippt ein bisschen im Takt der Musik, nicht zu dolle, um das Bier im Plastikbecher nicht zu verschütten und singt bei Textsicherheit lautstark mit. Aber nicht bei einer Mittelalterparty, nein! Da wird getanzt und gestampft, bis der Arzt kommt. Die folgenden Tanzstile fand ich dabei besonders inspirierend:
Riverdance meets Dudelsack
Man fixiere die Arme senkrecht am Körper, hebe den Kopf gen Himmel und bewege von Scheitel bis Hüfte keinen Zentimeter. Sodann wird gehüpft, was das Zeug hält und macht lustige Bewegungen mit seinen Füssen.
Ritterpogo
Die ganze Tanzfläche wird genutzt um in einem Affentempo hin und her zu springen. Hier muss lediglich aufgepasst werden, dass die mitgebrachte Lanze nicht versehentlich ein Massaker anrichtet.
Improvisationstanz
Klar, früher kannte man D! ja noch nicht, folglich gab es auch keine Choreographien. Dementsprechend fühlte man die Bewegungen (oder bewegte die Gefühle). Dabei ist es wichtig, die Arme ganz weit vom Körper zu heben, als würde man fliegen, die Augen werden verträumt geschlossen und der Gesichtsausdruck bleibt sanft und entspannt.
Ihr ahnt es, wir konnten keinen der oben beschriebenen Tänze überzeugend darbieten, so wippten und nickten wir gewohnt vor uns hin. Wir versäumten es denn auch nicht, das obligate Fettnäpfchen auszulassen: Nach dem ersten Lied klatschten und pfiffen wir, was das Zeug hielt. Etwas peinlich, wenn die ganze Meute nur mit erhobener Faust “Jubel, Jubel!” schreit. Ja so warn’s die alten Rittersleut…
Auch ein guter Verleser: Popelfee statt Popelfe. Gelesen im Zusammenhang mit Annet Louisan.
Und maintenant un petit amuse-geule für einen gelungenen Wochenstart:
David Armand ist ein englischer Schauspieler/Autor/Komiker, der vor allem durch seine pantomimischen Interpretationen von Pop-Songs bekannt wurde.
Zu recht, wie wir finden.
Auf youtube gibt es eine tolle Auswahl an Clips, die ihn in Aktion zeigen, da geht’s lang.
Einer meiner absoluten Favoriten ist dieser:
Hier der direkte Link zum Video.
Ja ja, immer diese Engländer. Wir wünschen eine gute Woche.
Verleser diese Woche:
Langsam bekommen diese Verleser bei mir einen hermeneutisch-prophetischen Anstrich, irgendwie.
Bester Spam diese Woche:
Sie kennen bereits XYZ oder haben erste Erfahrungen bereits mit uns gesammelt? Auf Ihre Resonanz bin ich gespannt.
Jau, auf meine Resonanz bin ich selbst gespannt wie die E-Saite eines hochgestimmten Basses. Man nennt mich schliesslich nicht umsonst den wandelnden Resonanzkörper.
Darf ich übrigens mal auf einen Missstand aufmerksam machen, der mir die letzten Monate, wenn nicht Jahre, immer wieder über den Weg läuft und der sich partout nicht verscheuchen lässt? Es geht da um die üble Unsitte, hochdeutsche Ausdrücke und Phrasen auf Biegen und Brechen zu mundartisieren, ohne Rücksicht auf Verluste, was zu üblen Ergebnissen führen kann, vor allem dann, wenn man den ursprünglichen Ausdruck überhaupt nicht kapiert hat. Exemplarisch dafür:
De zieh ni de angeri Siite uuf!
Oder, gerück-hochdeutscht: “Dann ziehe ich andere Seiten auf!”, was nicht nur falsch, sondern komplett sinnentleert ist.
Ein anderes Beispiel: das Wort “Schmutz” kannte ich im idiomatischen Gebrauch bis vor Kurzem entweder als Kuss oder als eingesottenes Schweinefett. Ich habe keine Ahnung, warum ein- und dasselbe Wort für zwei derart unterschiedliche Dinge stehen können; vielleicht müsste man dazu mal einen Linguisten befragen. Aber auch dem Linguisten wird aufgefallen sein, dass seit einiger Zeit die Bedeutung “Dreck” über die Grenze einwandert, für genau dasselbe Wort. Warum nun in der Werbung “Schmutz” verwendet wird, wenn es offensichtlich darum geht, den Dreck aus der Wohnung zu bringen, das muss uns schleierhaft bleiben. Vielleicht kann die gute Hausfrau gerade noch ertragen, dass ihr Heim schmutzig ist; wenn es aber dreckig wäre (*kreisch!*), würde der Himmel über ihr einstürzen, weshalb man sich in deutschen Marketingzentralen wohl gesagt hat, nun gut, die Schweizer Hausfrauen, die sind bekanntlich von recht fragiler Struktur, dann gönnen wir denen halt mal was Beruhigendes. Schön für die Hausfrauen! Dass dann aber auf der anderen Seite ein Dschango steht, der kaum mehr zwischen Dreck, Kuss und Schweinefett unterscheiden kann und die konkrete Bedeutung jeweils mühsam aus dem Kontext herausdestillieren muss, das ist diesen deutschen Werbefuzzis natürlich scheissegal.
Apropos scheissegal: weiss überhaupt noch jemand, was “Fukushima” schon wieder war? Ich liess ja letzthin den Optimisten raushängen und meinte, dass dies bis zu den nächsten Wahlen bereits Schnee von gestern sein werde. Schön wärs, weil in der Realität hat es dann keine zwei Wochen gedauert. Dazu passt, dass gestern Morgen die Kantonspolizei mit mindestens 2×2 Schnäutzen bei uns im Quartier herumschlich und buchstäblich dabei zuschaute, wie ein überschneller Porsche Cayenne um ein Haar ein Grosi auf dem Fussgängerstreifen über den Haufen gefahren hätte, während die Staatsgewalt damit beschäftigt war, Velos auf Reifendruck und korrekte Beleuchtung zu kontrollieren.
Man wird bei der SVP gelernt haben, dass man sich einfach einen neuen, weniger wehrhaften Gegner suchen muss, wenn man den ursprünglichen Kampf verloren hat. Und wäre die FDP etwas intelligenter, würde auch sie die Konsequenzen ziehen und mit einer Studie beweisen, dass sich sowohl der Klimawandel als auch Fukushima in Nichts auflösen, wenn man bloss den am besten verdienenden 1% der Bevölkerung genügend grosse Steuergeschenke macht. Wobei man ehrlicherweise zugeben muss, dass dies mehr oder weniger die Botschaft war, die der Bundesrat bezüglich “äs isch jetz doch chly angerscht aus mer gmeint hei”-Unternehmenssteuerreform II letzthin dem Volk verkündet hat, und im Bundesrat ist die FDP ja glaub immer noch dabei.
Ich finde es übrigens recht funny, wie jetzt alle rumnölen, die FDP solle doch mit den Grünliberalen fusionieren. Ist ja etwa so, als ob der Papst beim russischen Patriarchen anklopfen und meinen würde, sorry Dude, da Konzil von Nizäa, vergiss es, wir waren ja so total von der Rolle da – können wir sonst für ein Weilchen bei euch unterkommen?, also das sähe ich jetzt gar nicht, und nicht nur, weil weder Ratzinger noch Pelli ein anständiges Russchisch sprechen. Und ob es jetzt um pro/contra Gotteskörper Jesu’ geht oder um antietatistische Haltung im Prinzip, aber Nanny-Staat in einem einzigen, ganz konkreten Fall, das ist doch jetzt wirklich Jacke wie Hose, so unterschiedlich sind die einzelnen Religionen nun auch wieder nicht.
Aber nun zu etwas ganz anderem. Dass ich ein Faible für seltsame Namen habe, ist der werten LeserInnenschaft wohl hinlänglich (wenn nicht gar schädlich) bekannt. Gestern früh kam es im Tram zu einem unkontrollierten Lachanfall meinerseits, weil im 20Min ein Artikel über einen Glarner Radiopiraten drinstand, der, im Haupterwerb als Agronom tätig, eine thailändische Freundin hat. Soweit, so belanglos, könnte man meinen. Lustig beginnt es dann zu werden, wenn man weiss, wie der Glarner Bauer heisst: Balz Wichser. Zum Brüller wird die Geschichte, wenn man weiss, wie die thailändische Freundin mit Vornamen heisst: Supaporn. Und das Zwerchfell explodiert spätestens dann, wenn man eins und eins zusammenzählt und sich überlegt, wie die arme Frau heissen wird, wenn sie erstmal ihren Glarner Bauern nach Schweizer Recht geheiratet hat.
Und wenn wir schon bei der Balz sind: in der allseits beliebten Blabend-Rubrik “Single des Tages” (wieviel Sinn macht eigentlich eine Rubrik “… des Tages” in einer Zeitung “… am Abend“? Egal.) vom Montag liess sich Tobias aus Bülach ZH mit den Worten zitieren:
Eine Frau muss mir ins Auge stechen.
Soll doch jeder seinem Fetisch frönen, wie es ihm gerade plaisiert, und beinhalte dieser auch das Penetrieren von Sehorganen mit spitzen Gegenständen.
Man möge mich jetzt eine Memme schimpfen, aber – ich für meinen Teil würde dann doch Wichsen mit Supaporn bevorzugen.
Ich hätte ja nie gedacht, dass ich sowas mal sage bzw schreibe, aber im Moment ist die SVP von allen bürgerlichen Parteien wohl die einzige, die zumindest eine in homöopathischen Spuren erkennbare Form von Eiern zeigt.
Es ist ja schön und gut, dass jetzt alle plötzlich die grüne Spitzwende machen. Aber nimmt das irgendjemand überhaupt noch ernst? Während sich AKW-Betreiber auf den Standpunkt stellen, jetzt bezüglich Atom-Ausstieg ja nicht voreilige Schlüsse zu ziehen, sind die Meinungen bezüglich Nicht-Ausstieg und Sicherheit längst schon gemacht. Bundesrätin Leuthard tanzt im Viereck und präsentiert uns beinahe täglich eine neue Vision der zukünftigen Energiepolitik, die sich nur in dem einen Punkt überschneiden, dass man ja keiner Lobby weh tun möchte.
Dann schon lieber wie die SVP: wenn man merkt, dass man Scheisse erzählt hat, ist die beste Strategie, erstmal die Fresse zu halten und den Sturm an sich vorüberziehen lassen. Anstatt sich mit Me-Too-Appeasement dem gedrehten Meinungswind anzupassen, bleibt sich die SVP treu und macht das, was sie am besten kann: Angriffe auf die Demokratie, unter dem Deckmantel der (natürlich exklusiven) Wahrung der Volksrechte.
Klar ist, dass der Fukushima-Effekt spätestens mit dem nächsten Hitzesommer, dem nächsten Fleischskandal, dem nächsten nahöstlichen Diktatorsturz oder der nächsten provinzpolitischen Posse hinweggespült werden wird. Spätestens im Herbst, wenn Parlamentswahlen anstehen, wird sich der realpolitische Amnesieschleier wieder erfolgreich über die Bedenken und Sorgen der Bürger legen und man wird wieder diejenigen Lobbyisten wählen, die einem das altbewährte Evangelium vom “auch du könntest morgen Milliardär sein” herunterbeten. Mühleberg wird noch ein paar Stahlklammern mehr bekommen, statt Gadaffi wird ein neuer Diktator mit Waffen und Know-How versorgt und den Rest der Bevölkerung wird primär interessieren, ob die leckeren Sushi von der Strahlenbelastung her jetzt eigentlich noch bedenkenlos geniessbar sind.
Da passen ja die nächsten zwei Punkte wie die Faust aufs Auge!
Der eine nämlich ist ein reiner Veranstaltungshinweis, nämlich auf den 22. April 2011, wo Gott persönlich im Dachstock in Bern vorbeikommt. Aufmerksame LeserInnen dieser kleinen Netzpublikation wissen bereits von Beardyman und welchen Status er bei der Daumenschraube-Redaktion geniesst. Wer dies verpasst, ist wirklich selbst schuld. Keine Ausrede, kein gar nix. Also: Ticket kaufen und schon mal paar Suggestions für Spontan-Songs brainstormen! Und übrigens: wer auf die Idee kommt, Beardymans erstes Album “I done a album” per Filesharing herunterzuladen (baad!) oder gar zum Download anzubieten (baaaaaaaaaaad!), dem wünsche ich hiermit mittels altem Zigeunerfluch einen Fuchs an die Eichel. Alternativ ins Wohnzimmer, je nachdem, was als schlimmer empfunden wird. Hier verstehe ich dann genau überhaupt keinen Spass, im Fall!
Der zweite und letzte Punkt ist ein hoffnungsfroher Versuch, im bzw mit dem Internet Geld zu verdienen. Deshalb möchte ich meine werte LeserInnenschaft auf den Umstand hinweisen, dass ImageLine ihr Produkt “FL Studio” seit kurzem in der Version 10 veröffentlicht hat (für die Angelsachsen, damit sie den Scheiss Link auch finden: FL Studio 10 has been launched) und zu diesem Behufe einen Viral-Marketing-Wettbewerb ausgerufen hat, was ja schon an sich recht peinlich ist, fast so peinlich, wie der Versuch, auf diesen Zug aufzuspringen und die Knete abzugreifen. Klar ist, dass REAPER nach wie vor die bessere, günstigere und performantere DAW ist, aber wenn ich bedenke, dass ich für $1010 ca. 6 kommerzielle bzw 25 reduzierte REAPER-Lizenzen kaufen könnte, ist dies schon eine interessante Vorstellung.
Immerhin ist ja auch schon bald Herbst.
Chères et chers, me voilà. Bitte um Verzeihung, es hat ein wenig länger gedauert als geplant.
Es war nicht etwa eine falsche Einschätzung meines werten Kollegen Magnussen, der sich ja jetzt in Schweden einen abfriert, nein, ich wurde schlicht und einfach von meinem noch nicht ganz ausgereiften Zeitmanagement und ein paar kleinen Sachzwängen abgelenkt.
Und was ganz blöd ist: Meine Themen, die ich abzuhandeln plante, sind zum einen leider in nuklearem Rauch aufgegangen und werden zum anderen in diesem Augenblick von der zerstrittenen Nato abgeklatscht.
Realität essen Text auf.
Ich wage es aber nicht, hier einfach so mit leeren Händen aufzukreuzen.
Darum werfen wir einen Blick auf ein Thema, das eigentlich auf immer und ewig brandaktuell ist, aber momentan im allgemeinen Bomben- und Nuklearhagel leicht untergeht.
Donc: In Deutschen Landen, wo ich übrigens die eine Hälfte meiner doppelt gemoppelten Staatsangehörigkeit her habe, wurde in Sachsen-Anhalt die Landtagswahl abgehalten.
Eigentlich ist es ja beruhigend zu berichten, dass es die NPD nicht in den Sächsischen Landtag geschafft hat. 4,6 Prozent Wählerstimmen reichen nun mal nicht. Mais attention, mesdames et messieurs, denn Sachsen-Anhalt hat knapp 2,4 Millionen Einwohner. Das heisst also, dass mindestens zig-tausende Wähler diesen Connards und ihren verblödeten Kameradschaften ihre Stimme gegeben haben.
Das ist nach wie vor beachtlich und für mich weiterhin ein solider Grund, eine persönliche Sperrzone um den Deutschen Osten, zumindest Teile davon, zu legen.
Schauen wir nun ein paar Steinwürfe westwärts, in meine zweite Heimat Fronkräisch.
Etwas gar gemischte Gefühle habe ich bei Marine Le Pen, Anwältin, stramme Französin und Tochter des alten Fröntler-Haudegens Jean-Marie Le Pen, die anfangs Jahr zur Chefin des Front National gewählt wurde.
Im Vergleich zum polternden Papa ist die Dame geradezu dezent und aerodynamisch, man könnte schon fast sagen angenehm. Jedenfalls scheinbar, denn der Inhalt ist natürlich immer noch übelst rechtsnationalistisch und rassistisch, die Verpackung aber ist einiges dezenter.
Ein Drachen im Schafspelz, sozusagen.
Während Jean-Marie Le Pen, der ja eigentlich unwählbar ist, es sogar bis in die Stichwahl gegen Chirac schaffte, kann man sich sein Töchterchen auch ohne viel Fantasie problemlos als Präsidentin vorstellen, spätestens seit speedy Sarkozy sind die Türen weit offen für solche Szenarien.
Im heutigen politischen Klima ist so eine Person für viele Leute wählbar, gerade weil sie sich von dem ganzen Fröntler-Kram distanziert und Fragen stellt wie “ist es denn falsch, für die Interessen Frankreichs und seine Identität einzustehen?”.
So etwas sagen in Frankreich auch Sozialisten.
Gerade dieser Ton, diese Musik, gibt freiheitsliebenden Demokratie-Fans wie mir unheimlich zu denken.
Es wäre nicht das erste mal, dass der Front National nach einer freundlichen Einleitung das Schafskostüm ablegt und sein wahres Naturell zeigt.
Die Frage spaltet die Nation: darf Satire in Zeiten explodierender Atommeiler überhaupt noch aus dem Haus oder hat sie sich gefälligst im Hinterzimmer zu verstecken, bis der Normalzustand wieder hergestellt ist? Meinereiner hat da ja eine dezidierte Meinung, und dies nicht nur deshalb, weil ich sowieso bei der Mühleberg-Abstimmung ein “Nein” eingelegt und somit ein irgendwie reineres Gewissen als die Mehrheit des Kantons habe.
Klingt vielleicht doof, aber wenn jetzt die grosse (also die wirklich ganz, ganz grosse) Katastrophe kommen würde, dann könnte ich zumindest zum Atompilz hochschauen, der sich über dem AKW Mühleberg bildet, und während meine Augen aus den Höhlen verdampfen und während sich mein Schatten in die Wand hinter mir einbrennt, währenddem könnte ich also die noch verbliebene Augenbraue hochziehen und sagen: “Äbe.”
Aber auch, wenn ich jetzt zu der kurzsichtigeren Hälfte der Berner Bevölkerung gehören würde, müsste ich hier klar sagen: Satire darf alles. Und vor allem: immer.
Ist ja jedem seine eigene Entscheidung, klar. Ich verstehe die beiden Subventionskomiker G&M schon auch, dass sie nicht die “glatten Sieche” spielen wollen, wenn vor und nach ihnen Bilder von havarierten Reaktoren zu sehen sind. Ich frage mich aber: wo ist die Grenze? Wäre eine Satiresendung noch dringelegen, wenn ein Kleinflugzeug abgestürzt wäre? Ein Jumbo, aber ein unbemannter? Ein unbemannter Jumbo, abgestürzt über einem vollen Kindergarten? Einer AIDS-Klinik? Oder kurz: wieviele Tote muss man kurz vor- oder nachher gesehen haben, damit eine Satire-Sendung “nicht mehr verantwortbar” ist? Ein Minenfeld tut sich auf und Dschango empfiehlt allen Berufs-Clowns, statt zu Jammern einfach ihren verdammten Job zu machen.
Ferner wäre noch zu klären, was denn eine adäquate Trauerzeit in Zeiten von Natur- und Menschenkatastrophen wäre. Ist relevant, ab wann in einem Katastrophengebiet keine Menschen mehr sterben oder machen wir dies vom aktuellen Medieninteresse abhängig? Weil, dann wäre beispielsweise klar: über Japan darf man momentan keine Witze reissen. Über Libyen darf man wieder.
Übrigens ist jetzt ja Hochsaison für mein Lieblingswort “betroffen” in all seinen Varietäten. Letzthin habe ich ja schon das Phänomen der Drittbetroffenheit demonstriert, diese Woche habe ich dank der Tagesschau auch noch herausgefunden, dass es da ganz verschiedene Formen von Betroffenheit gibt, sogar eine Steigerung zu “sehr betroffen” ist möglich. Doris Leuthart hat sich ob des Tsunamis immerhin als “sehr betroffen” eingeschätzt – irritierend, wenn man weiss, dass es hier gar keine Tsunamis gibt.
Gibt es eigentlich so wie bei der Richter-Skala eine Betroffenheits-Skala? Ich meine, wo 2 “ich bin schon auch irgendwie betroffen, aber irgendwie geht es mir auch am Arsch vorbei” bedeuten würde, aber eine 10 wäre dann “ich bin so derart betroffen, meine Betroffenheit entwickelt gerade eine eigene Betroffenheit meiner betroffenen Betroffenheit gegenüber”? Man könnte sich dann extrem viele Floskeln sparen und sachlich mitteilen: “meine Betroffenheit ereichte gestern Nacht noch keine 4.2 auf der nach oben offenen Betroffenheitsskala, heute Morgen sah ich dann, dass der kritische Betroffenheitswert von über 7 erreicht wurde” und allen wäre klar, was gemeint ist.
Bei der ganzen Atomdiskussion ist es ja immer wieder dieselbe Leier: was macht man mit dem nuklearen Abfall? Wie entsorgt man potentiell gefährliche, tumbe Bolzen, die völlig nutzlos sind, aber immer noch blödsinnig vor sich hinstrahlen? Im Fall Erich J. Hess wurde diese Woche ein Pilotprojekt gestartet, das aufhorchen lässt: offenbar übernimmt der ORF dankend solche Elemente und integriert sie auch noch in ihre Sendegefässe. Ich wittere hier ein Zukunftsmodell – falls die Österreicher den Fuchs, den Blocher und den Mörgeli auch noch wollen, einfach Bescheid geben, sind alle gratis abzugeben (müssen aber an der Grenze abgeholt werden).
Ich finde es übrigens funny, wieviele Grünparteien wir auf einmal in der Schweiz haben. Plötzlich nimmt sogar “sowohle-alse-auche”-Pelli das Wort “Aussstieg” in den Mund, ohne dass gleich das Wort “Versorgungslücke” hinten nachgeschoben wird. Und vom glühenden, um nicht zu sagen strahlenden Kernkraft-Evangelisten Christian Wasserfallen hört man momentan auch verdächtig wenig.
Sowieso, das arme Wort “Versorgungslücke”… war es vor einem Monat noch der Star unter den Wörtern, blickt es heute schon neidisch zu seinem alten Kumpel “Kernschmelze” hoch, der sich da oben im Scheinwerferlicht feiern lässt. Plötzlich sieht man in allen TV-Kanälen, wie unbeherrschbar Atomenergie ist. Wie wenig wir über die Pulverfässer wissen, die wir zwischen unseren Ärschen und gigantischen Vulkanen installieren. Und wurde anlässlich der Bekanntmachung von Dagobert “Bäre-Babsi” Hayoz’ Rücktritt im “Bund” noch mit apokalyptischen Worten davor gewarnt, dass der Stadt Bern die Katastrophe einer übermächtigen Rot-Grün-Regierung drohe, ist heute allen Kommentatoren klar, dass der Atomausstieg nichts als logisch und eine Frage der Vernunft sei und sie das alles ja schon immer gesagt hätten.
Man muss annehmen, dass gewisse Journalisten und Politiker bereits die Nase zu tief in die Fukushima-Reaktoren gesteckt und sich dabei seltsame DNS-Mutationen eingefangen haben. Weil, Gummihälse, die sind in der Natur sonst eigentlich nicht lebensfähig.
Die Welt ist anders geworden. Irgendwie. Oder vielleicht ich älter. Früher traf man sich auf der Strasse und der Dialog, welcher folgte, lautete in etwa so:
- Geits?
- Iiu, es muess u dir?
- Tiptop.
Oder alternativ:
- Wie tuets dir?
- Cha nid chlage u säuber?
- Me schlaht sech düre, gäu.
Die Befindlichkeiten waren besprochen und alles war gut. Wenn man an weitere Informationen gelangen wollte, fragte man nach. Wenn das Interesse eher bescheiden war, kam der Satz “auso i muess” und gut war.
Heute gibt es Facebook. Und damit verbunden Informationen, oder anders gesagt Statusmeldungen, die die Welt nicht braucht. Früher hiess es “fishing for compliments”, heute wohl eher “fishing for comments”. Das Prinzip funktioniert so: Man postet eine Statusmeldung über den momentanen Zustand und wartet auf möglichst breiten Zuspruch in Form eines Kommentars. Meine diesbezüglichen Favoriten:
Zugegebenermassen, aus voyeuristischer Sicht ist Facebook super. Aber die Zeit ist gekommen, sich von den trashigen Mitteilungen der virtuellen Freunde zu verabschieden. In diesem Sinne: Aga ist dann mal weg!
Da gibt es ja diesen SVP-Politiker, der sich in seiner Freizeit als serbischer Nationaldichter betätigt. Blöderweise hat er noch eine Frisur, die der meinen auf den ersten Blick sehr ähnlich ist, wobei man klar unterscheiden muss: Freysinger trägt die Nazi-Variante zu langhaarig (Seiten kurzrasiert) und nur weil er auch ein paar Strähnen hinten zusammenbindet, verbrüdert uns das noch lange nicht. Musste einfach mal gesagt werden.
Also dieser serbische Dichterfürst, der war kürzlich ganz fest traurig, weil er in einer Zeitung sein Bild neben dem des Führers abgebildet sah. Damit hat der Oschki normalerweise zwar überhaupt kein Problem, geärgert hat ihn bloss, dass es der falsche Führer ist. Nicht der in Herrliberg lebende Wirschaftsflüchtling aus Deutschland, neben dem er sich oft und gerne abbilden lässt, sondern der olle Adolf, wie Freysinger selbst ein aus seinem Heimatland ausgewanderter Österreicher und erfolgloser Künstler, der sich dann aus Frust der Politik zugewandt hat.
Man muss sich die Frage stellen: was hat Freysinger eigentlich gegen Österreicher? Ist das so eine Art übermotivierter Integrationswillen? Die Daumenschraube empfiehlt auch hier, Gelassenheit walten zu lassen. Man kann Österreicher erfolgreich integrieren, dazu braucht es nicht mal Minarette. Freysinger muss hier, ähnlich wie Lumengo, als statistischer Ausreisser verbucht werden, quasi als die Ausnahme, ohne die die Regel nur eine vage Abmachung ist.
Davon völlig abgesehen war letzthin in der SF-Tagesschau ein Wirtschaftsexperte am salbadern, und er sprach von “… Deutschland, China und anderen Schwellenländern”. Fand ich noch so beachtlich. Ein anderer Experte, er sprach davon, wie sich die Lage in Ägypten weiterentwickeln werde, meinte fachmännisch, dass “die Situation besser werden könnte, sie könnte aber auch genausogut schlechter werden”. Wie viele Jahre muss man wohl studieren, um derart tief Sinn schürfen zu können?
Im Übrigen nehme ich mit grossem Erstaunen zur Kenntnis, was momentan im Nahen Osten abgeht. Finde ich ja gut, dass die jetzt alle Demokratie wollen, auch wenn die keinen blassen Dunst haben, worauf sie sich einlassen. Bei einer Diktatur ist man als Volk immerhin nicht verantwortlich für die Vollidioten, von denen man regiert wird. Aber das müssen die ja selbst wissen, da im Nahen Osten unten, ich kann mich nun wirklich nicht um alles kümmern.
Aber Demokratie hin oder her, wirklich bedenklich stimmt mich die Tatsache, dass es jetzt Millionen von guten Witzen gibt, die sich während dreissig Jahren erfolgreich an der Spitze meiner persönlichen Witz-Hitparade halten konnten und denen nun bald der Schnauf ausgeht. Beispiel gefällig? Wuala:
Q: Was heisst “Kuhstall” auf Arabisch?
A: Muh-Barack!
Man stelle sich vor: während dreissig Jahren konnte man an jede Party all around se globe gehen und diesen Witz zum Besten geben. Es haben nicht immer alle gelacht, aber immerhin haben ihn alle, die mehr als einmal pro Jahr Zeitung lesen, verstanden. Und nun hockt die Witzfigur im Taucherparadies und popelt sich in der Nase, bis sowohl sein Name als auch der Witz aus der kollektiven Erinnerung der Menschheit gelöscht sind. Es wird bald die Zeit kommen, wo man diesen Witz erzählt und das Gegenüber schaut einen nur blöd und verständnislos an. So wie mein Stift, als ich ihm sagte, dass er mit seiner Zigi im Mundwinkel ein bisschen aussehe wie James Dean und der Stift mich fragte, wer denn James Dean sei. Das sind eben die Opfer, die auf dem Schlachtfeld der Geschichte liegen bleiben und verantwortungsvolle Bürger wie mich machen solche Dinge tief betroffen.
Oh, von wegen Betroffenheit: während wir uns auf der Bettmeralp die Sonne auf den Pelz scheinen liessen, war ja da der grosse Heim-Skandal mit dem pädophilen Pfleger. Ganz, ganz üble Sache dies, da fallen nicht mal mir mehr blöde Sprüche ein dazu. Jedenfalls keine, die ich nüchtern auch noch lustig finden würde. Also, wie es sich gehört, wurde flugs ein Ziischtigs-Club (ja, ich weiss, dass der schon seit ca. 1821 nicht mehr Ziischtigs-Club sondern nur noch “der Club” heisst, aber das geht mir jetzt wirklich am Arsch vorbei) organisiert und das Thema mit tieftraurigen Mienen dem Volk lang und breit dargeboten. Ich mag jetzt nicht mehr die ganze Sendung schauen, aber irgendwann sagte jemand mehr oder weniger wörtlich:
Ich bin zwar nicht direkt selbst betroffen, spüre aber eine tiefe Betroffenheit mit den Betroffenen und möchte ihnen an dieser Stelle meine Betroffenheit aussprechen.
Es muss wohl ein Experte gewesen sein.
Ich schwöre übrigens, dass der Gaddafi, je älter und wirrer er wird, mehr und mehr meiner verstorbenen Om ähnelt (das hab ich schon mal gesagt hier, oder? Egal, was wahr ist, darf auch wiederholt werden). Der Gesichtsausdruck, die Kleidung, der Bart – alles stimmt. Vor allem, wenn er rumkeift und mit seinen Gesichtszuckungen anfängt, würde ich am liebsten an den TV gehen und ihm sagen, so Oma, ist gut jetzt, hier ist dein Rollator, jetzt geh wieder an dein Strickzeug oder verprass deine AHV am Kirchgemeinde-Lotto. Und das ist vor allem auch deswegen erwähnenswert, weil es zu der Zeit, als meine Oma den Schirm zutat, noch gar keine Rollatoren gab. Vielleicht hat man den Rollatoren damals auch ganz anders gesagt und ich weiss das bloss nicht, es werden ja ständig neue Wörter erfunden. Aber von den Rollatoren mal abgesehen: Manchmal habe ich sogar das Gefühl, ich höre in Gadaffis Reden einen Glarner Dialekt raus. Und das ist dann echt gruselig.
Wie ist das eigentlich, wenn der Gadaffi abdankt – kriegt dann der Merz sein Gesicht zurück?
Und wenn wir schon beim Thema “Realitätsverweigerung” sind, zieht euch doch bei Gelegenheit mal dieses Video rein. Der Star der Sendung ist Shirley Phelps-Roper, ihrerseits eifrige Missionarin der Westboro Baptist Church und Tochter des Gründers derselben. Shirley bekommt vor laufender Kamera sowas ähnliches wie eine schallende Internet-Watsche und dieses Video wird ein Klassiker werden, der den Mubarak-Witz um mindestens hundert Jahre überleben wird, davon bin ich fest überzeugt.
Oh, und noch wegen dem serbischen Nationalpoeten: der hat doch mal ein Gedicht über den Bortoluzzi geschrieben. Aus aktuellem Anlass hätte ich ihm sonst noch einen Reim auf “Amstutz”, der in die gleiche Kategorie passen würde.
Einfach melden, ich helfe ja gern.
Wir haben ja in der Schweiz auch unser Akte-X-Format, es nennt sich Abstimmungssontag. Und auch dort ist die Wahrheit irgendwo da draussen.
Anders kann man nicht erklären, warum Alf vorerst die meisten Stimmen geholt hat, der alten Klapperkiste Mühleberg und den unverbesserlichen Atomköpfen von der BKW (wenn auch umstritten) das Vertrauen ausgesprochen wird und man doch lieber hundertausende Knarren in Haushalten hat als nicht.
Aber die Auswirkungen sind auch lokal nicht zu unterschätzen.
Somit dürfen wir uns im Kanton Bern für die nächsten zehn Jahre von jeglichem Fortschritt jedweder Couleur verabschieden. Mit Alf im Ständerat (muss zwar erst noch passieren, aber viel steht da nicht mehr im Weg) würden die feuchten Träume der Aufrechten ein kleines bisschen wahrer, und mit dem Volksvorschlag zur Fahrzeugbesteuerung gehen wir ökologisch zurück in die roaring eighties.
Zudem haben wir es jetzt amtlich: Es gibt Leute, die immer noch nicht begriffen haben, wie man abstimmt. Da staunt der Laie und wundert sich der Fachmann.
Apropos, grosses Kompliment an die Limmat zur Waffeninitiative. Liebe Stadtzürcher, ihr habt den ganzen Kanton gerettet. Wir fühlen mit euch, wir wissen was es heisst, in einem grossen Kanton von Hillbillies umzingelt zu sein. Nicht schön.
Aber darum geht es ja gar nicht, obwohl ich von dem ganzen Volkswillen(TM) vorerst mal die Schnauze gestrichen voll habe.
Meinereiner muss zurück in die kalte Heimat, es gibt dort akut Familienbusiness zu erledigen. Könnte ein wenig dauern, daher sage ich vorläufig mal leise Tschüss.
Ich habe aber für Stellvertretung gesorgt, unser neuer Kollege wird sich diese Tage vorstellen und meine Lücke ohne Probleme füllen.
Ich wünsche euch derweil viel Spass mit den Ewiggestrigen und ihren liebsten Spielzeugen namens Offroader, Brennstab und Sturmgewehr.