Wie jetzt? Schon wieder Frühling?

Dschango Beinhart


Letzthin hat der Schweizer Souverän (sowie seine Souveräne) ja den Tierschutzanwalt wuchtig verworfen. Es ist halt so, dass des Eidgenossen liebstes Tier das Kotelett ist und selbiges am artgerechtesten in der Pfanne gehalten wird. Simple Fakten des Lebens. Letzthin im Büro hatte ich aber mit dem neuen Coder-Gspändli eine Diskussion über Guinness. Nämlich, dass dieses schöne Getränk, von dem sich in Irland ganze Familien schon seit Generationen mehrheitlich ernähren,  hierzulande gleich vierfach vergewaltigt wird:

  • Es ist hier nur in der Memmen-Version “Draught” erhältlich
  • Es wird gerne in Büchsen kredenzt, mit so einer grausligen Gummikugel drin (soll wohl das Überschäumen verhindern)
  • Es wird hier ungern bei mehr als molligen 4° Celsius ausgeschenkt
  • Um das Büchsen-Feeling zu verschwammen, setzt man in hiesigen Gaststätten das aus der Hülse ins Glas gestürzte Bier auf einen Mini-Vibrator, welcher dann dem Guinness aus der Dose zur arttypischen, schaumigen Krone verhilft.

Man kann das oben zusammenfassen mit: schmeckt voll Scheisse.

Und daraus entwickelte sich dann die Idee: wir lancieren einen Bierschutzanwalt! Der dann von Pub zu Pub geht, mit einem Thermometer in der Hand, und überprüft, ob alle Biere auch artgerecht gehalten werden. Dieser Anwalt müsste gleichzeitig natürlich auch Kläger, Richter und Henker sein können – wir dulden keine Toleranz gegenüber Bierquälern!

Das Traurige an der Sache ist: käme so ein Seich an die Urne, das Verhältnis Ja/Nein wäre wohl gerade umgekehrt wie beim Viecheranwalt.

Die ollen Katholen

Jaja, die Mutter aller Kirchen ist mal wieder am Pranger. War ja alles in den Medien, Kindsmissbrauch hier und da, grosses Drama, die Obrigkeit hält sich mit systeminterner Kritik nobel zurück, unterstützt die Täter und fordert von den Opfern Initiative, die verklemmte Haltung zur Sexualität ist sicher nicht der Grund, neineneineinen, also alles wie gehabt. Wäre da nicht ein gewisser Bischof Mixa, der meint, diese Vorfälle wären auch Ergebnis der “sogenannten sexuellen Revolution“.

Seltsam, wie eine gesellschaftliche Entwicklung just in der Institution, die sich dieser Entwicklung seit jeher am vehementesten entgegenstemmt hat, ihre reichste Blütenpracht entfalten kann.

Confessions of a Stupid Old Man

Apropos traurig: da war ja neulich im TagiMagi ein Artikel über den Peter Bichsel, der nur noch als Karikatur seiner selbst auftritt (die Parodie von Mike Müller wirkt mittlerweile echter als das Original). Ganz besonders witzig ist der Bichselsche Gottesbeweis, den ich hier in verkürzter Form wiedergebe:

  • Prämisse 1: In Solothurn lebt ein vom Leben und sich selbst enttäuschter alter Mann, der früher mal ganz OK geschreibt hat.
  • Prämisse 2: Dieser alte Mann bringt es nicht auf die Reihe, aus eigenem Antrieb Lebenssinn zu entwickeln, sondern meint, dass dieser Sinn ihn gefälligst in einer Beiz anspringen solle.
  • Prämisse 3: Der alte Mann weiss zwar nicht, ob er an Gott glaubt, braucht ihn aber, um Sinn zu schaffen und damit sich der Bichsel noch auf etwas freuen kann.
  • Logische Schlussfolgerung: Gott existiert!

Lieber Peter, such dir doch ein Fumoir und bleib da drin, bis die Asche, die du produzierst, von dir selbst nicht mehr zu unterscheiden ist. Die Tour de France findet ihren Weg über den TV auch ins Flora – da musst du nicht unbedingt einen Dokumentarfilmer bis in ein Pariser Hotelzimmer mitschleppen.

Evi löst das Problem der Jugendgewalt

Mittlerweile weiss man ja, wo das Hauptproblem der Jugend zu verorten ist. Es ist nicht die Unwilligkeit der Politik, massiv in Bildung zu investieren. Es ist auch nicht die krude Auffassung von Integration, die hierzulande gepflegt wird (“lasst sie einfach alle kommen, es wird ihnen derart gefallen hier, dass sie sich von selbst integrieren”). Und natürlich ist auch nicht der Leistungsdruck schuld, nicht der alltägliche Medienwahn, nicht die fehlenden Zukunftsperspektiven. Es liegt nicht daran, dass wir als Gesamtgesellschaft kein Bild davon haben, wohin wir uns entwickeln sollen und auch nicht daran, dass die einzigen Führerfiguren, die wir haben, wirklich das sind: führende Figuren.

Nein, Schuld an allem sind Killerspiele.

Schon nur das Wort: ich kenne Kartenspiele, da spielt man mit Karten. Ich kenne Brettspiele, die spielt man mit Brettern. Gesellschaftsspiele werden in Gesellschaft gespielt, Geschicklichkeitsspiele benötigen Geschicklichkeit. Und Killerspiele? Benötigt man da Killer dazu? Spielt man diese mit anderen Killern? Oder dient der Killer gar als Spielfeld? Man weiss es nicht.

Obwohl also eine gewisse Unschärfe bezüglich dieses Begriffs besteht, ist man sich darüber einig, dass solches verboten gehört. Wegen den Kindern. Und ja, nicht nur für Kinder verboten, sondern für alle. Weil es ja bekanntlich allen Kindern schadet, wenn ein Erwachsener zum Zwecke des Zeitvertreibs auf animierte Pixel schiesst. Das Statement von Rolf Schweiger in 10vor10, das betreffe ja sowieso nur ein paar tausend Leute, die Einschränkung der Freiheit sei hier also zumutbar, finde ich schon noch bemerkenswert, vor allem von einem FDPler. Wieviele Millionäre gibt es in der Schweiz? Nur ein paar tausend? Warum beschlagnahmen wir denen nicht ihr Prvatvermögen und senken dafür die Steuern für alle anderen? Sind ja nur ein paar tausend, die Einschränkung deren persönlicher Freiheit ist hier also, da der Gesamtgesellschaft förderlich, durchaus zumutbar. Und denkt endlich mal jemand an die Kinder?!?

Dschango denkt natürlich an die Kinder. Und er weiss, dass heutige Kinder ihren Erziehungsberechtigen in technologischer Hinsicht weit voraus sind. Die Tatsache, dass sich ein in der Agglomeration amtierender und vom Zufall in die Politik gespülten Lehrer von einem Verkaufsverbot davon abhalten lässt, ein “Killerspiel” zu spielen, beweist nur, dass der Lehrer eine vorgestrige Nulpe ist. Es gibt kein Spiel, keinen Film und kein Buch, das heute nicht innert Minutenfrist auf die heimische Festplatte gesaugt werden kann. Minimales technisches Verständnis vorausgesetzt, das bei der Zielgruppe (Kinder) vorhanden ist, bei den Bedenkenträgern aber komplett fehlt.

Und da ja das Kinder-Argument immer verfängt: wieviele Kinder sterben jedes Jahr durch den Strassenverkehr? Wieviele Kinder und Jugendliche werden jedes Wochenende in den Entnüchterungszellen eingeliefert? Muss die Konsequenz nicht sein, dass man Autofahren und Alkohol verbietet, um die armen, armen Kinder zu schützen? Und wenn wir Gewaltverherrlichendes und Intolerantes konsequent verbieten wollen: wo ist der Bann für die Bibel? Für den Koran? Das SVP-Parteiprogramm?

Ja, noch wegen SVP… obwohl ich mir jetzt wohl einen Monat lang die Hände zwangswaschen muss: der Führerlehrling Erich J. Hess setzt sich in einem überparteilichen Kommitee dafür ein, dass dieses Verbot nicht durchkommt. Und vorgestern im 10vor10 hat er fast intelligent gewirkt, wie er da seinen auswendig gelernten Satz aufgesagt hat. Ist ein bisschen wie beim Matthias Stürmer, der einerseits als von mir hochgeschätzter Kämpfer für Open Source Software agitiert, andererseits aber auch ein Jesus-Fundi mit gesellschaftlichen Ansichten aus der Bronzezeit ist.

Hat eben alles zwei Seiten. Mindestens.

Die grössten Kritiker der Elche…

… waren früher selbst mal welche, so sagt bekanntlich der Volksmund, der ja immer recht hat. Sagt ihrerseits zumindest wieder die SVP, die aber im Moment ein grosses Problem hat: wie macht man dem unfehlbaren Volk klar, dass man zwar einen Haufen Abzocker in den eigenen Reihen hat, deshalb eigentlich gegen jegliche regulative Eingriffe in die Wirtschaft ist, sich aber gleichzeitig gegen die Linke positionieren muss, die blöderweise ein recht populäres Anliegen bereits seit gefühlten zwei Milliarden Jahren predigt, das von der SVP, andererseits, wiederum seit gefühlten vier Milliarden Jahren, verlacht und verhetzt wird, wie also macht man diesem Volk weis, dass man doch auch irgendwie gegen Abzockerei in der Wirtschaft ist? Ganz einfach: man nimmt denjenigen Herrn, der in den 90ern das Mantra des “mehr, mehr, mehr!” erfolgreich in der Schweiz eingeführt hat, schliesse diesen mit dem nicht wirklich mit Intelligenz und politischem Gespür gesegneten Initianten der Abzocker-Initiative eine Woche lang in einen fensterlosen Raum, und voilà, schon haben wir:

  • eine eigentlich sinnvolle Initiative, die ständig davor bedroht ist, zurückgezogen zu werden
  • einen Gegenvorschlag, der in den Erweiterungen interessant, im Kern aber jämmerlich ist
  • einen gescheiterten Alt-Bundesrat, der endlich mal wieder Auftritte im TV bekommt und sich als (millionenschwerer, aber egal) Paulus und volksnahen Kümmerer aufspielen kann.

Es kann einfach nur Gewinner geben. Genau wie bei der Sicherheits-Initiative, die von Philippe “was tut der eigentlich genau?” Müller erfolgreich aufgegleist wurde und an der Urne jämmerlich gescheitert ist. Am Montag nach der Abstimmung fühlte sich der Dschango dann im komplett falschen Film, weil sowohl Müller als auch die Medien die Ablehnung der Initiative als Sieg für Müller werteten.

Und in neun Tagen sind Grossratswahlen im Kanton Bern. Am liebsten würde ich mich schon heute ins Koma saufen.




Wir lieben Suchmaschinen

Nasse Magnussen


Eine Suche nach Leuthard ohne L kann bei der Suche auf 20min.ch unerwartete Resultate hervorbringen:

Danke an 20min.ch für diese kleine Erheiterung…




Gott und Teufel

Nasse Magnussen


Der Teufel lebt scheints im Vatikan. Ich habe immer gemeint, der sei im Detail. Henusode…

Und Gott ist ein Chatter namens dustball. Oder auch nicht. Gefunden auf ibash.de:

<dustball> ich BIN gott.
<dustball> so und nu versuch ma meine macht zu wiederlegen
<Toxic Soul> widerlegen
<dustball> touché




Eintopf mit Genudel

Nasse Magnussen


Es ist beinahe schon Realsatire: Zwei Drittel der Redaktion befinden sich momentan im Überlebenskampf mit einem Arbeits-Tsunami, während das dritte Drittel den Kopf im Arsch des Winters stecken hat und kaum wieder raus bringt. Daumenschrauben wo man hinschaut, ob Wirtschaft oder Wetter.

Egal, denn die Welt dreht sich weiter.

Zum Beispiel wurde letztes Wochenende abgestimmt. Keine Überraschungen so weit, aber das Resultat beim Tieranwalt hat mich dann doch ein wenig geknickt. Offenbar ist die “aufgeklärte” Menschheit noch nicht reif dafür, sich vom Menschen-zentrierten Weltbild zu lösen und auf Augenhöhe mit Tieren zu leben. Schade, wieder eine verpasste Chance mehr, denn die Tiere hätten es wahrlich nötig und sind es allemal wert.

Ein Skandälchen könnte sich bei den scheints extensiven Ermittlungen der Bundesanwaltschaft bei den Hells Angels abzeichnen. Man findet offenbar nix von Relevanz, jedenfalls nicht im Vergleich mit den Deutschen Gesinnungsbrüdern. Finde ich aber gar nicht so schlimm. Und deppert sind solche uniformierten und durchorganisierten Töffbubenclans sowieso. Oder, um es mit Janis Joplin zu sagen: Freedom’s just another word for nothing left to loose.

Zitat des Tages: “So schön kann Gewalt sein!”. Und so witzig und geistreich kann Videogame-Journalismus sein. Es geht immer nur um Kontext, Baby.

Last but not least meine Empfehlung des Tages für das elektronischen Klängen zugeneigte Ohr. Gepflegten Drum’n'Bass aus aller Welt gibt es bei bassdrive.com, meinem Lieblingssender der Stunde. Ob beim Schreiben oder Zocken, die DJs wissen mich immer wieder zu verzaubern.

E guete.




Sechs, setzen.

Nasse Magnussen


Unser Parlament respektive eine seiner Arbeitsgruppen dreht durch.

Geht gar nicht, hatte ja hier schon deswegen rumgemeckert.

Hier kannse unnerschreibn, echt jetzt bitte.

Da ist kompetenter Lesestoff, falls noch Fragen offen sind.

Es ist doch immer das gleiche Theater, wenn geistig Benachteiligte solch komplexe Themen in Angriff nehmen. Ich hasse es.

Update: Es gibt auch bei Facebook eine Gruppe zum Thema.




Comme il faut not

Nasse Magnussen


So gehts nicht:




Comme il faut

Nasse Magnussen


Die Engländianer wissen, wie’s gemacht wird:

Mal ‘ne Scheibe davon abschneiden, wa!?




Leistungsindex schmerzbefreit

Nasse Magnussen


Aus der Reihe:

Nasse lernt kloppen


Neulich in der Garderobe, kurz vor dem Training.

Nasse: “Du, Housi, bin ich eigentlich auch im Plan für die Gelbgurtprüfung im Frühling?”
Housi: “Nööp, du bist noch zu schlecht dafür.” (breites Grinsen)
Nasse: “Mir würden im Fall deine markigen Statements fehlen, wenns die mal nicht mehr gäbe…”
Housi: “Ich mags halt direkt. Dann weisst du wenigstens, woran du bist.”
Nasse: “Ach Housi, wenn ich mal gross und stark bin, dann lege ich dich auch auf die Matte.”
Housi: “Du bist schon gross und stark. Jetzt musst du halt noch lernen, deine Masse anständig zu bewegen. Technik ist das Stichwort. Und dreissig Jahre Erfahrung.”
Nasse: *seufz*

Wenigstens kann ich jetzt den Obi Knoten.


Bisher in Nasse lernt kloppen erschienen:
  1. Nasse und die Kampfkunst
  2. Gut gerollt
  3. Ballistische Erfahrung
  4. Leistungsindex schmerzbefreit



Brechreiz

Nasse Magnussen


Immer und immer wieder die katholische Kirche. Das ist kein Zufall. Bei der Durchlese dieses Interviews habe ich kurz mal das kalte Kotzen bekommen.

Diese Institution ist wirklich mit bemerkenswerter Konsequenz dabei, sich selbst zu demontieren. Jetzt bitte bloss nicht aufhören, dann erlebe ich vielleicht auch noch das Ende der Katholen und überhaupt der Religionen als evolutionsbiologisch völlig, komplett, so was von obsoletes Element aus der Vergangenheit.

Ich ertrage es nicht, wenn sich Arroganz (der Anspruch auf Gottgleichheit fällt der Einfachheit halber auch in diese Kategorie), Unwissen, Unfähigkeit und Deckung bis in die höchsten politischen Kreise auf so hässliche Art und Weise vereinen.

Daumenschrauben auf Kosten des Hauses für alle Erwähnten, ultra tight und mit dem extra Dreh. Echt jetzt.




Ze Dschörman Gründlichkeit

Nasse Magnussen


Da haben wir den Salat. Jahrelang ist es gut gegangen, nun knallt es das eine ums andere mal. Alle wollen sie uns ans Ersparte.

Ich bin der Sache gegenüber, gelinde gesagt, etwas ambivalent. Da ist einerseits diese unmögliche Schweizer Tugend, dass wir jahrelang von jedem Dahergelaufenen dankbar jede Kohle angenommen haben. Und ja, wir haben gewusst, mit was für dubiosen Gestalten wir da geschäften. Und nein, wir haben nicht hingeschaut, woher die Knete kommt.

Andererseits gibts diesen klammen Riesenstaat nördlich von uns, dem die letzte territoriale Akquisition finanziel nicht so bekommen ist. Schon klar, vierzig Jahre Sozialismus kann man nicht eben schnell mal in ein paar Jahren weg sanieren.

Und dann gibt es noch so etwas wie staatspolitischen Realismus, der jegliche moralische Diskussion überflüssig macht. Es sind nur Ideologen (sprich: Idioten), die an dem ganzen Vorgang, geklaute Daten zu kaufen und staatlich zu verwerten, moralische Kritik üben. Es gab auch schon vor 9/11 politische Vorgänge, die kaum zu ertragen sind, und doch nötig scheinen.

Wo bitte bleibt die realistische, ideologiebefreite Diskussion, wie wir mit ausgehungerten Staatsfinanzen und deren Auswüchsen umgehen sollten? Der Bundesrat (vor allem unser Appizöller Schatzchäschtlimeischter) macht die gleich dumme Fresse wie eh und jeh und übt sich in Duldungsstarre, während der Deutsche Michel das Bankenwesen von hinten pimpert. Die Presse ersäuft im populistischen Geschrei, und der einseitig informierte Schweizer Bürger hat die Hosen voll, dass uns die Deutschen nach den Jobs noch das Ersparte wegnehmen. Arme Schweiz…

Vorschlag zur Güte: Die Deutschen kriegen ihre gesammelten Vermögen zurück, zusammen mit einer Ladung Ausgewanderter, die uns ja eh nur die Jobs wegnehmen und für unsere sensiblen Öhrchen viel zu forsch tönen.

Damit hätten wir zwei Probleme auf einmal gelöst: keine Steuerprobleme mehr mit dem Land der Dichten und Lenker, und das fehlende Geld kompensieren wir mit den wegfallenden Lohnsummen unserer teutonischen, zukünftigen Ex-Kollegen.

Manchmal sind die einfachsten Lösungen am effizientesten. Ich glaube, da nehme ich zur Feier des Tages ein Gläschen darauf.




Der Mörder in uns

Nasse Magnussen


Es ist immer wieder mal interessant, sich mit dem Gewaltpotenzial im Menschen auseinanderzusetzen. Im Gegensatz zu einigen Leuten aus dem soziokreativen Gutmenschen-Bereich bin ich ja bedingungslos bereit, Gewalt als unumgänglichen Teil unseres Daseins zu begreifen.

Wenn wir jetzt noch ein wenig Medien und Konsum in diesen Cocktail mischen, landen wir bei der altbekannten Diskussion Medien und Gewalt. Wir hatten ja schon andernorts das zweifelhafte Vergnügen, mit Exponenten der Stoppt!-Killerspiele!-Fraktion und ihrer Unfähigkeit, Ursache und Wirkung richtig einzuordnen, konfrontiert zu werden.

Nun bin ich jüngst über den einen oder anderen guten Artikel gestolpert, der die oftmals erschreckend abwesende Medienkompetenz von gewissen Menschen, die teilweise in relevanten Positionen im Bildungsbereich usw sitzen, wieder mal geschmeidig illustriert.

An dieser Stelle möchte ich eine kleine Anekdote loswerden: Jüngst haben ein paar Videospiel-affine Freunde und meine Wenigkeit über die mögliche Wirkung von Videospielen mit Gewaltinhalten diskutiert, gerade im Bezug auf das Handling von Waffen und dergleichen. Es stellte sich heraus, dass ich durch Counterstrike – wen wunderts? – genau nichts über Waffen gelernt habe. Hingegen hat die Tatsache, dass ich dieses Spiel über Monate zusammen mit einem ausgebildeten Militär gespielt habe, wesentlich mehr zu meinem Wissen über Waffen und Strategie beigetragen.

Konkret hat mir also ein fachkundiger Panzerfahrer mein militärisch-strategisches Wissen beigebracht, nicht das Spielen selbst. Dass dies im Spiel durchaus eine positive Wirkung auf meine Leistung hatte, braucht nicht zu erstaunen. Genausowenig erstaunt es, dass ich ohne Weitergabe dieses Wissens im Prinzip genauso Ahnungslos geblieben wäre wie vor dem ersten Kontakt mit diesem Spiel.

Was also fehlt diesen Leuten, die immer wieder in die gleiche Falle tappen, wenn es zu dieser Diskussion kommt? Kontext, Baby. Und Medienkompetenz.

Was nützen Altersempfehlungen auf den Spielepackungen, wenn sich die Oldies nicht für die Inhalte ihrer Brut interessieren? Was nützt Aufklärung, wenn sich die immergleichen, oftmals bildungsfernen Schichten getrost darum foutieren? Was nützt Parental Control auf den Spielekonsolen, wenn sie nicht konsequent aktiviert wird?

Wir leben in Zeiten, wo es einfach nicht mehr reicht, wenn die Pornos im elterlichen Schrank eingeschlossen werden. Die allzeitige Verfügbarkeit von gratis Inhalten in Kombination mit Breitband Internet verlangt nach anderen Strategien, als man der unaufgeklärten Öffentlichkeit weismachen will.

Wir müssen uns auch von der Vorstellung lösen, dass Eltern beispielsweise die teils sehr komplexen Geräte ihrer Kinder überwachen können, das ist ein Ding der Unmöglichkeit.

Wir können aber kritische Fragen stellen. Brauchen Kinder bis 13 Jahre schon einen eigenen Computer oder gar eine eigene Spielkonsole? Muss es ein Schlag-mich-tot-Internet-fähiges Handy mit allen Schikanen und entsprechendem Abo sein? Brauchen wir nicht eine enttabuisierte, gnadenlose Aufklärung an Schulen, losgelöst vom kulturellen Hintergrund der Schüler? Brauchen wir nicht auch den Mut, von fehlgeleiteten Eltern und ihren Kindern die Bereitschaft einzufordern, sich ihren Taten zu stellen und korrigierende Massnahmen zu treffen und kontrollieren zu lassen?

Das, liebe Politiker und Sachverständige, sind allesamt Fragen, die es zu diskutieren gilt. Denn es führt kein Weg daran vorbei…




Vom Problem der Problembefreitheit

Nasse Magnussen


Ich habe ein Problem. Zugegeben, es ist ein zutiefst philosophisch anmutendes Problem. Oder anders gesagt: Die Abwesenheit von grösseren Problemen in meinem Leben führt zu einem neuen Problem. Denn die Wahrnehmung von Glück definiert sich ja bekanntermassen nicht durch die Abwesenheit von Problemen oder Herausforderungen, sondern viel eher durch die Bewältigung von Herausforderungen oder dem Erreichen von Zielen. So weit die Theorie und der aktuelle Stand der Glücksforschung.

Was tun, wenn man durch einen zusammenhängenden Fluss von mehr oder weniger gelungenen Unternehmungen eben quasi problembefreit dasteht? Man sieht sich um. Sucht das Haar in der Suppe. Regt sich über Nichtigkeiten auf, denn zu viel Harmonie schlägt aufs Gemüt. Und ganz wichtig: Man muss konsequent das bescheiden vorhandene Konfliktpotenzial aufs maximalste ausreizen.

Das tat ich und es kam genau nichts dabei heraus. Sogar das bescheidene Konfliktpotenzial in meinem Leben reicht nicht für eine schöne, ausgewachsene Kontroverse in meiner sonst so wechselhaften Gefühlswelt. Nicht einmal das jährlich wiederkehrende Un-Thema WEF kann mich aus den Socken hauen, geschweige denn das neue iPad von Apple. Beides sehr schlimm, aber nicht schlimm genug, um mich aus meinem wogenden Meer von Beziehungsharmonie und beruflichem Gelingen rauszuziehen. Next, please.

Hat jemand Haiti gesagt? Sorry, viel zu weit weg. Ausserdem kümmern sich da schon unsere Kollegen aus Hollywood und von der Glückskette darum. Das Klima? Wird dauernd mit dem Wetter verwechselt und ist auch sonst irgendwie ungeeignet für eine grössere Verstimmung. Die xenophobe Schweiz? Man gewöhnt sich irgendwie an alles, zumindest so lange man selbst bleichgesichtig durch dieses Land latscht. Religion und der Islam im besonderen? So lange kein Filmemacher oder Zeichner von einem durchgeknallten Muslim abgeschlachtet wird, wohl kaum.

Es hilft aber auch rein gar nichts, da muss ich wohl durch. Merde.




Die bunte Welt des Dschango B.

Dschango Beinhart


Jetzt müsst ihr euch alle an den Stühlen festhalten, weil jetzt kommt der Hammer: der Dschango ist seit dieser Woche eidgenössisch attestierter Berufsbilder. Huiiiuiui, jetzt sehe ich förmlich eine “WTF?!?”-Welle hierher schwappen. Ihr fragt euch jetzt sicherlich, wie das denn passieren kann, und ob jetzt dann eigentlich jeder dahergelaufene Zigeuner Jugendliche ausbilden darf.

Im Grunde genommen kann man die letzte Frage mit einem klaren  “Ja!” beantworten. Viel mehr als die Fähigkeit, während 40 Lektionen nicht extrem negativ aufzufallen, braucht man nämlich nicht, um im Kanton Bern Berufsbilder zu werden. Das schweizerische Berufsbildungssystem ist in seiner Niederschwelligkeit bezüglich den Ausbildern so sympathisch wie irritierend und ich muss zugeben, ich hätte nie gedacht, dass das System tatsächlich so funktioniert. Aber es tut es offenbar seit ungefähr viertausend Jahren.

Überhaupt nicht funktionieren tut momentan aber irgendwas auf Haiti – keine Angst, wir rufen jetzt nicht auch noch zu Spenden auf, gebt das Geld besser für ein Blümli für den Hasen oder für irgendein Sexspielzeug aus. Da haben die Haitianer nämlich genausowenig von. Aber mir ist aufgefallen, dass da eine Frau nach zig Tagen ausgegraben wurde. Also nicht das ist mir aufgefallen, weil, das steht ja momentan fast jeden Tag in irgendeiner Zeitung, dass auf Haiti eine Frau ausgegraben wurde oder gerade ausgegraben wird, nein, aber der Name der Frau ist mir aufgefallen und ich habe mir geschworen: falls mir irgendwann eine Tochter geboren werden sollte, sie müsste den Namen “Hotteline” tragen, ob sie wollte oder nicht, ob mir das Jugendamt im Nacken hängen würde oder nicht, schniezpupsegal.

Ja, mir ist auch klar, dass man den Namen wahrscheinlich als  “Ottlin” aussprechen täte, so mit französisch-stummem Asch. Würde ich aber nicht. Ich würde jeden Mittag “HOTTELIIIIIIIIINEEEEEEE!!” quer durchs Quartier schreien, mit extra stark betontem H, und ich würde mir einen Schranz in den Ranzen lachen, weil alle Nachbarn den Hals verdrehen würden, um zu sehen, welches arme Kind denn einen derart abgefahrenen Namen hat. Und Hotteline Beinhart würde zur Berühmtheit werden, nicht bloss, weil sie mit einem Natel in der Hand in einem Erdhaufen gefunden wurde, nein, sondern weil es die mit dem komplett verblödeten Vater ist, der seine Kinder nach haitischen Erdbebenopfern benamst. Und der bildet auch noch Lehrlinge aus, im Fall!

Es gäbe immerhin mehr zu reden als wenn ein Bundesrat mal wieder Gesicht und Eier verliert und vor der versammelten Presse den Hampelmann gibt. Aber halt, von der Béglé-Affäre wollte ich hier eigentlich wirklich nichts schreiben, weil auch wir bei der Daumenschraube haben gewisse Grenzen, was wir an Anti-Ästhetik unseren LeserInnen zumuten wollen. Oder eben nicht.

Da mache ich doch viel lieber ein bisschen auf Diashow und zeige euch, was mir die letzten Wochen so an lustigen Biudaleh vor die Linse gehuscht ist. Als erstes präsentiere ich euch, was die Bernischen Kornhausbibliotheken so ausgetüftelt haben, das meines Wissens einmalig in der ganzen Welt ist: in der Kornhausbibliothek kann man nämlich Bücher verlängern!

Das mag funktionale Analphabeten jetzt total kalt lassen, für mich aber ist es der Stein der Weisen. Stellt euch vor, ihr seid an einem guten Buch, die letzten zwei Seiten vor euch, und spontan denkt ihr, ha, eigentlich könnte die Story gerne noch für ein paar hundert Seiten so weitergehen. Und ihr schnappt euch den Fernsprecher oder eine Internet-Röhre und verlängert das Buch ganz einfach um ein Kapitel oder zwei, schnell und unkompliziert!

Gut, man müsste jetzt auch noch Bücher verkürzen können, weil einige Bücher schlicht zu lang sind. Ich vermute nämlich, dass beispielsweise die Bibel von ein paar über-enthusiastischen Literaturfreaks einfach ein paarmal zu oft verlängert wurde. Die Verkürzungs- komplementär zur Verlängerungsmöglichkeit wäre also durchaus angebracht, ich hoffe, dass sich die Kornhausbibliotheken da etwas überlegen.

Es wäre nämlich auch sonst noch praktisch, wenn man Bücher verkürzen könnte. So wäre beispielsweise das neueste Buch von Hans Küng in der verbesserten, weil verkürzten Version nur noch dies:

Ich habe mein Leben mit dem Glauben an unsichtbare Freunde verschwendet und muss nun rechtfertigen, warum ich keinen nützlichen Beruf gelernt habe (zB beim Herrn Beinhart).

Lobet den Herrn!

Es wäre alles viel, viel einfacher, ehrlich.

Ich kam in den letzten Wochen übrigens ab und zu in Spiez vorbei, das ist da diese flotte Party-Metropole am Thunersee. Es ist ein spassiges Käffchen, wirklich. Nicht nur, dass man dort den Jesus-Fisch sogar am Schaufenster des Frisörs findet (habe mich leider nicht getraut, den zu fötelen, weil die haben schon so apokalyptisch raus- und den Dschango angeschaut, gruslig) oder dass man auf der Website der Gemeinde Werbung für Fundi-Events macht. Nein, man zeigt sich auch gerne kreativ, wenn es um die Benennung von Firmen geht:

Gut, wenn man jetzt eine Swingerbörse aufmachen würde, da wäre “Popnet” sicher der perfekte Name für. Tun sie aber nicht, die Popnetten, die tun nämlich nur Computer vertschutten und so. Von allen guten Geistern verlassen muss aber sein, wer für seine softwareentwicklungstechnischen Bedürfnisse eine Firma engagiert, die sich “kaformatik” nennt, das “ka” auch noch fein grafisch hervorgehoben. Für Nicht-Nerds: “KA” steht für “keine Ahnung”. Also im IT-Slang, ob das bei der Firma auch extra so gewählt wurde, weiss ich natürlich nicht.

Ja, und zum Schluss möchte ich euch noch etwas mit auf den Weg geben, sozusagen mein Lebensmotte für 2010, gefunden am Bahnhof Stöckacker:

In diesem Sinne noch ein erfreuliches Wochenende – und immer schön nett bleiben, gell?




Durcheinander

Nasse Magnussen


Ja, das bin ich. Getrost. Aber auf eine gute Art. Ich habe mich zwar jüngst gefragt, ob man im Leben wirklich genügend gefordert ist, wenn man Produktbezeichnungen wie Bonding Wärmezange Advanced einfach nur geil findet.

Aber ich habe die Frage schnell wieder verworfen und daraufhin ein wenig im letzten Magazin geblättert. Da hat es in der Tat ein paar nette Schreiben drin. Es tut immer wieder gut, solches Papier in die Hände zu bekommen. Man muss zwar realistisch genug bleiben und davon ausgehen, dass nicht jede Ausgabe nur glänzen kann, aber es gelingt diesen Leuten immer wieder, tolles Material abzuliefern. Gerne wieder für meinen Teil.

Ja und sonst…? Ich finds im Moment schwierig, aus der Flut von News und Unterhaltung die richtigen Perlen zu ziehen. Ich hatte diese Woche sicher gefühlte fünfzig Momente, wo ich ein ultimatives Blog-Thema gehabt hätte. Leider war ich zu blöd, auch nur ansatzweise so etwas wie Notizen zu machen. Ging halt immer irgendwo um mich herum die Post irgendwie ab, was mich letztendlich wieder und vollständig abgelenkt hat.

Ich schwebe irgendwo zwischen gedämpfter Ignoranz und Boderline auf Valium, so in etwa. Vielleicht noch eine kleine Prise ADS-mässiges Assoziieren, und schon haben wir unseren kleinen Brei im Oberstübchen beisammen. Und wenn gar nichts mehr geht, dann spielen wir ein bisschen Musik.




Grüne Eier, unschwule Filme, nuttige Models und ein drittplatzierter alter Sack

Dschango Beinhart


Himmel, Arsch und Zwirn, wie ging es ab bei mir die letzten Wochen… meine Schräubchen-Aktivität hat darob arg gelitten, deshalb: mea culpa. Als klitzekleine Entschädigung wird dieser Artikel mal wieder epische Länge aufweisen. Genauso wie die Liste der Tags zu diesem Artikel. Soll ja niemand sagen, ich schaue nicht zu meinen LeserInnen.

Also: Jahreswechsel war bekanntlich, bzw sogar Jahrzehntewechsel; hoffe, die werte Leserschaft ist gut geflutscht. Bei Beinharts gings wie immer im entspannten Rahmen über die Bühne, unaufgeregt und inmitten vieler lieber Leute. Und ich darf beruhigen: die neue Scheisse scheint zum Glück noch 1:1 der alten Scheisse  zu entsprechen, kein Grund also, sich auch nur annähernd neu zu orientieren. Der Bundesrat ist noch genauso ratlos wie letztes Jahr, Merz hat sein Gesicht noch immer nicht gefunden, Leuthard ihr rechtes Auge noch immer nicht schliessen können und generell darf gesagt werden, dass Denkbefreitheit nach wie vor Breitensport ist.

Soweit so gut.

Eier trotz grün

Aber trotzdem gibt es ein paar Dinge, die neu sind. Da war beispielsweise ein gewisser Diego Hättenschwiler (mir bis dato völlig unbekannt, aber offenbar Delegierter der Berner Grünen), der meiner bescheidenen Meinung nach der bisher erste Grüne ist, bei dem zwischen den Beinen etwas anderes als handgerollte Filzkügelchen aus Bio-Wolle baumelt. Und genau dorthin (zwischen die Beine, aber am anderen Ende als an dem, wo idR die Kronjuwelen hängen) zielt auch die Diskussion, die Hättenschwiler anstossen will: die Beschneidung von Knaben ohne entsprechende medizinische (!) Indikation, bei Mädchen ein Straftatsbestand, müsse endlich diskutiert und verboten bzw bestraft werden. Man kann sich vorstellen, dass unsere beschnittenen Mitbürger exotischer Religionszugehörigkeiten am Toben sind.

Dschango aber sagt: Recht so! Meinen Segen habt ihr, liebe Grüne! Endlich wird an einem Tabu gerührt, das mir schon seit Jahren auf den Sack geht und anderen an die infantile Vorhaut. Ich meine: es kann ja nicht sein, dass wenn ich volljährigen, mündigen Leuten auf ihren Wunsch hin ein Piercing verpassen möchte, von Gesundheitsamt und Gewerbepolizei kontrolliert werde, es aber kein Problem darstellt, wenn tatterige Hobby-Chirurgen mit unsichtbaren Freunden auf dem Copiloten-Sitz an Geschlechtsteilen von Säuglingen herumschnippeln. Es ist mir völlig schnuppe, wenn dies zwischen Erwachsenen im Konsens geschieht. Ihr könnt euch dann gegenseitig alle möglichen Körperteile absäbeln, ob von Gott angeordnet oder nicht, ob alte oder neue Tradition, es geht mir komplett am Arsch vorbei. Aber die Lizenz zur Misshandlung von Säuglingen, nur weil man einer bronzezeitlichen Endzeit-Sekte angehört? Hallo?!?

Spassig ist die Reaktion des Schweizerischen Israelischen Gemeindebundes: erstens sei die jüdische Beschneidung eine alte Tradition (das allein rechtfertigt ja schon sämtliche Verstümmelungen), zweitens sei die Beschneidung von Juden durch die Religionsfreiheit geschützt (logo, wir stellen in der Schweiz die Religionsfreiheit grundsätzlich über alle anderen Grundrechte, vor allem über diejenigen von Dritten, und ganz besonders dann, wenn die Dritten minderjährig sind) und schliesslich habe die Beschneidung von Knaben handfeste Vorteile, denn sie vermindere das Risiko von Harnwegsinfekten und Peniskrebs. Letzteres stimmt tatsächlich, theoretisch zumindest, man kann denselben Effekt aber auch erzielen, indem man seine Nille hin und wieder “guet mit Söifi und Wassr” wischt. Das BAG hat scheints schon einen entsprechenden TV-Werbespot mit Ali Kebap in der Hauptrolle geplant – man will ja auch die muslimischen MitbürgerInnen erreichen.

Und übrigens: wenn die Theorie des SIG tatsächlich hinhauen würde, wäre Pimmelkrebs in Israel, den USA und fast allen arabischen Ländern komplett ausgerottet. Ist er das? Eben.

Abschliessend kann ich Herrn Hättenschwiler zu seinen haarigen Klöten nur eine unglaublich dicke Haut wünschen. Er wird sie, im traditionell religiösen Absurditäten Sympathie entgegenbringenden Grünen-Umfeld, bitter benötigen.

Ghey secks for teh win!

So apropos “bestens unterhalten”: wir (Hase, Dschango, der Franzose) waren neulich mal wieder im 3D-Kino, “Avatar” ansehen. Wir waren begeistert! Selten, dass ich nach Filmende das dringende Bedürfnis hatte, den Film gleich nochmal zu schauen (machen wir dann auch noch, Mitte-Mitte ist das Stichwort). Die Story ist zwar in maximal drei Hauptsätzen erzählt (ganz witzig: in der Pause haben wir drei überlegt, wie der Film weitergeht, und wir haben im Detail jeden einzelnen Strang genau so fertiggesponnen, wie er dann auf der Leinwand tatsächlich kam), das hat uns aber nicht wirklich gestört – vor lauter Gucken kommt man eh kaum zum Denken.

Weniger Freude an dem Film hatten einzelne Transgender/Schwulen/Lesben/WTF-Verbände, die auch zum Boykott gegen den Film aufriefen. Wieso das denn, könnte man sich fragen. Ganz einfach: im ganzen Film kommt kein einziger Schwuler vor, keine einzige Lesbe (OK, Frau Weaver spielt mit, immerhin), nicht ein Transgendator, keine Transen, null Sex (letzteres würde ich als valides Argument noch so halb unterstützen). Und das geht so natürlich nicht.

Ich träume schon von einer Welt, in der man keinen Film mehr machen darf, ohne nicht eine Liste von Quoten-Minderheiten rollentechnisch zu berücksichtigen. Das heisst, egal ob Krimi, Science Fiction, HdR, Kostümschinken oder Disney-Weihnachtsfilm, neu müssen folgende Sprechrollen zwingend enthalten sein (die Liste ist als ‘work in progress’ zu verstehen und muss noch durch das BunDesamt zum Schutz von Minderheiten [BDSM] freigegeben werden):

  • 3 Juden (1 orthodox,  1 liberal, 1 de facto-Atheist)
  • 1 Uigure (einfach bloss, um China anzupissen)
  • 2 Muslime
  • 5 Fetisch-Liebhaber, Ausrichtung je nach Wunsch und/oder Präferenz des Regisseurs besetzt
  • 1 Zeuge Jehowas
  • 1 Atheist
  • 2 Personen mit Schuhgrösse >= 45
  • 1 Agnostiker
  • 3 Schwule (davon mind. 1 Ledertrine, kann nicht anstelle eines Fetisch-Liebhabers [s.o.] besetzt werden!)
  • 2 Lesben
  • 8 Informatiker
  • 1 abgehalfteter Ex-Bundesrat mit Profilneurose, Messias-Komplex und Verfolgungswahn (guckt nicht so: endlich ein Job, für den der Mann wirklich die beste Wahl ist!)
  • 6 Hundehasser
  • 1 Outdoor-Fanatiker
  • 2 Bisexuelle
  • 2 Vegetarier
  • 24 Zigeuner (kann man immer, in jedem Film brauchen!)
  • 1 Asexueller
  • 3 Versicherungsvertreter
  • 1 Kleinwüchsiger
  • 3 Schwarze, die Afroamerikaner genannt werden möchten
  • 2 Afroamerikaner, die Schwarze genannt werden möchten
  • 2 Inder
  • 8 Detailhandelsangestellte (paritätisch zwischen Coop und Migros aufgeteilt)
  • 1 Analphabet
  • 5 Fettleibige (BMI nicht unter 52 pP)
  • 3 Magersüchtige (BMI nicht über 7 pP)
  • 4 Allergiker

Man müsste auch noch bestimmen, ob man als Regisseur kumulieren darf, also zB mit einer schwarzen, lesbischen, magersüchtigen, muslimischen Inderin gleich fünf Fliegen mit einer Klappe schlagen könnte. Ich wüsste da ein paar Leute, die so den Sprung in die Selbständigkeit wagen und sich ein recht schickes, regelmässiges Einkommen sichern könnten.

Ach übrigens, mein altes Vorurteil, dass man einfach kein schlechter Mensch sein kann, wenn man einen derart appetitlichen Arsch wie die Frau Rodriguez hat, dieses Vorurteil hat sich dann im zweiten Teil des Films vollumfänglich bestätigt. Das Vorurteil wird folglich per sofort zum Dogma erhoben.

Der Zahn der Zeit

Bevor jetzt die Gerüchte wieder überkochen: Dschango ist trotz seines hohen Alters noch ein extrem Agiler, Wendiger, ja, gar ein sich stromlinienförmig durch die Welt Bewegender. Physisch wie geistig, wie ich anmerken darf. Trotzdem lässt sich nicht leugnen: wir bauen langsam aber sicher ab.

Da war beispielsweise der Vorfall bei einem Kunden. Es ging darum, ihm ein Outlook 2007 zu installieren (nicht hinterfragen, manchmal muss ein Mann einfach tun, was ein Mann tun muss). Alles lief recht smooth ab, ich startete dieses doofe Outlook, “wollen Sie Konto einrichten”, neeee, wie immer halt, mach einfach weiter du Depp… *tschägäng-tschabbawahnsinn*… Oh-lala, wie bunt sieht das denn aus? Gut. Ich versuche, ein eMail zu verfassen, um zu schauen, wie sich das Teil so anfühlt. Neue Nachricht, Adresse eingeben, Subject, Text. Und abschicken. Hmmm… wo zum Henker ist der ‘Send’-Button…?

Suchen, suchen, suchen… Zillionen von Optionen, Myriaden von Ribbons, Knöpfe agogo, aber keiner, der ein Mail zu versenden verspricht. Panik macht sich breit. Erstmal den Kollegen rufen (knapp 20 Jahre jünger), er soll den Send-Button finden. Grosses Gelächter, “na Dschango, jetzt gibst aber wirklich ab, ne?”, er setzt sich hin… und sucht… und sucht… und sucht… irgendwann dann “Gopfertami!”, aber immer noch kein Send-Button.

Also mal Google anwerfen, und siehe da: ungefähr 600′000 Einträge, alle mit demselben Problem. Und die Lösung? Outlook 2007 kann zwar Mails schreiben, wenn noch kein Konto definiert ist, logischerweise aber keine verschicken. Ein ‘dummer’ Mailclient würde jetzt einfach eine Fehlermeldung ausgeben. Und Fehlermeldungen sind gut! Mit Fehlermeldungen kann ich umgehen! Fehlermeldungen verdanke ich seit 20 Jahren einen Grossteil meines Einkommens! Weil aber der Dreck aus Redmond gerne mal für den User denkt, zeigt er in der Folge ganz einfach keinen Send-Button an, so im Stil von: “Hach, du hast in dem Moment, als ich wollte, nicht das gemacht, was ich für dich vorgesehen habe. Weisste was? Du kannst dir deinen Send-Button sonstwohin stecken. Bevor du den zu sehen bekommst, darfst du mich jetzt erstmal eine halbe Stunde lang bewundern… bin ich nicht schön geworden? Hast du gesehen? Neuer Lidschatten! In Farben, von denen du gar nicht wusstest, dass sie existieren! Oder streichle mal meine Ribbons, wie sie hübsch aufribbeln…Wie…? Ah jetzt lass mal den blöden Send-Button, schau doch mal, die Schuhe…!!

Es ist ein bisschen so, als ob man Paris Hilton  zu seinem Mailclient machen würde. Und das verstehe ich nicht, warum man das tun möchten sollte. Aber gut, das kann man noch damit erklären, dass ich einfach ungern Micromist benütze. Oder dass 600′000 Google-Hits tatsächlich von einem nicht durchdachten System zeugen. Aber letzthin stand der Dschango an der Tramhaltestelle und sah vis-à-vis ein Plakat hängen. Bisher ist das noch überhaupt nicht erwähnenswert, ihr könnt eure Münder also erstmal wieder zumachen. Aber was Dschango da las, war erstaunlich: “Peniskassen” stand da nämlich, in riesigen Lettern auf dreifaches Weltformat gedruckt, appliziert auf einer hundskommunen APG-Plakatwand. Nein, der Zusammenhang mit der BAG-Kampagne wider den Schwanzkrebs muss hier nicht hergestellt werden, weil der zweite (dritte?) Blick enthüllte, dass das Wort eigentlich “Pensionskassen” hiess.

Zehn Minuten später, Dschango wirft einen Blick auf den BlAbend, und was steht da: “Nuttig! Martina wird Model”, darunter ein Foto von einer etwas seltsam posierenden Frau Hingis. Dschango war erstaunt, weil, auch wenn er die Frau Hingis eine eher unattraktive findet und sich immer panisch die Ohren zuhält, wenn er sie sprechen hört: sie als “nuttig” zu bezeichnen erschien ihm dann doch etwas gar derb. Erfreut bemerkte er, nachdem er sein Haupt mehrmals irritiert geschüttelt hatte, dass das Wort eigentlich “mutig” hiess. Und Dschango überlegte, ob es nicht langsam doch Zeit für eine Brille wird.

Auf der anderen Seite ist da noch ein anderes als das vorgängig erwähnte Büro-Gspandli, das, mit Blick auf den BlAbend auf meinem Pult, meinte:

“Hey, weisch was hani zersch gläse?!”

“Nuttig?”

“Genau!!”

Und dieses Gspändli ist doch ein paar Jährchen jünger als ich. Und hat bereits eine Brille. Kann also noch nicht so schlimm sein mit dem alten Dschango.

Und was war sonst noch?

Bei unserem alljährlichen XMas/New Year-Pokerturnier (Schrauben-Red, Schrauben-Red-Hasen, Friends) wurde der Dschango dieses Jahr Dritter. Immerhin. Bisher war er noch immer im Heads Up, das wollte diesmal irgendwie nicht klappen. Im Gegensatz zu meinen werten Blog-KollegInnen (beide relativ sang- und klanglos ausgesemmelt, HA!!) bin ich aber sehr zufrieden, vor allem, weil meine beste Hand des ganzen Abends ein 10er-Trilling war, der von einem Full House verdient geschlagen wurde. Die Bilanz des Abends gestaltete sich trotzdem erfreulich: ausschliesslich mit Bluffs SFr. 11.- verdient und noch die nächsten zwei Tage an den (selbstinduzierten) Folgen des Poker-Events gelitten.

Sch’äbe geng das.




Lebe und lerne

Nasse Magnussen


Es gibt Tage, an denen geht es Schlag auf Schlag. Eine Einsicht jagt die Andere, man kommt kaum nach mit begreifen, das Licht der Erkenntnis fackelt sich regelrecht einen ab.

Aber beginnen wir von vorne:

Ich besitze eine stattliche Sammlung von Internet Radio Mitschnitten, die ich ausgewählt auf meinem iPod im iPhone gespeichert habe. Jedes Lied eine separate Datei, das ist sehr praktisch. Ich genoss bisher fast ausschliesslich diese ein- bis zweitausend Songs, bunt gemischt im Shuffle-Modus.

Aber irgendwas stimmte nicht. Ich hatte das subtile Gefühl, dass mir der iPod etwas vorenthalten würde, manchmal fühlte ich mich sogar irgendwie bevormundet. Aber es war eben subtil, deshalb versandete es im Alltagsrauschen.

Dann, nach Monaten, in einem Anfall von Entschlossenheit, diesen Gefühlen endlich nachzugeben, kam die unausweichliche Handlung: Shuffle deaktiviert – und es tat sich eine neue Welt auf. Ich habe seither immer wieder so eine Art akustischen Vollrausch.

Ich zehre seit ein paar Tagen davon, gewisse Songs nach Monaten wieder mal zu hören, obwohl es von Anfang an bis jetzt das gleiche “Album” war. Der Shuffle hat mir Lieder regelrecht vorenthalten, die mit der alphabetischen Playlist nun endlich wieder in mein Ohr finden. Ich verschmelze mit dem Sound im Zug, am Bahnhof, in der Migros, bei Minusgraden im Schneegestöber, einfach grandios.

Manchmal braucht es wenig.




Unsere besten Wünsche…

Nasse Magnussen


…zum neuen Jahr. Möge euch das Glück finden. Wir sind bald wieder zurück aus unserem geistigen Endjahresurlaub. Bis dann!




United State of Pop 2009

Nasse Magnussen


Bereits zum dritten mal veröffentlicht DJ Earworm, der Mashup-Schlingel,  sein Best of Pop des vergehenden Jahres. Ich stehe zwar selbst nur bedingt auf den Einheitsbrei aus den Charts, aber es hat ja immer mal wieder eine Perle darunter, und im Mashup machts gleich nochmal mehr Spass:

Mehr von dem Stoff gibts auf youtube.




Wise words from Schorsch

Nasse Magnussen


Zeit für ein bisschen Unterhaltung, denn wenn schon Religion, dann bitte so:

Schade, dass George Carlin diesen Planeten nicht mehr bewohnt.




Ironie des Schicksals

Aga T. Korhonen


Ja, auch einem Minarett jagt es von Zeit zu Zeit den Nuggi use, wenn es wochenlang öffentlich diffamiert wird. Da kann man schon verstehen, wenn die Nerven blank liegen. Aber ob eine solche Racheaktion dem Zweck dient?

Irgendwie witzig, diese Minarette…




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